KLEINBETTINGEN/ LUSEMBURG
CORDELIA CHATON

Jean Muller leitet die Kleinbettinger Mühle, die seit 1704 in Familienbesitz ist und erklärt, wie eine moderne Mühle funktioniert

Mit Mehl kennt Jean Muller sich aus. Schließlich leitet er nicht nur seit acht Jahren den Familienbetrieb in Kleinbettingen, sondern hat durch sein Wirtschaftsstudium und die Erfahrungen in den Schweizer Banken das Rüstzeug für die Betriebsführung. Eine Lehre als Müller hat er auch gemacht. Uns hat er erklärt, wie es mit der einzigen Großmühle in Luxemburg läuft, die zwei Mühlen betreibt, die von 1974 und 2007 stammen.

Herr Muller, was mahlen Sie?

Jean Muller Wir mahlen rund 135.000 Tonnen Getreide pro Jahr zu zwei Produkten. Rund die Hälfte ist Hartweizengries, der für die Pastaproduktion benötigt wird. Die andere Hälfte ist Mehl. Etwa 23 Prozent des verarbeiteten Gewichts sind Schalen, die gepresst als Tiernahrung verkauft werden. Ich schätze, dass in Luxemburg pro Jahr rund 1,5 Millionen Kilogramm Mehl im Einzelhandel verkauft werden. Mehl ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

An wen verkaufen Sie?

Muller Rund 90 Prozent der Hartweizengriesproduktion gehen in den Export. Das Mehl liefern wir vor allem an Bäckereien, Pizzahersteller und Keksproduzenten. Nur ein kleiner Teil von rund fünf Prozent geht an den Endverbraucher.

Kommt das Getreide, das Sie mahlen, nur aus Luxemburg?

Muller Etwa die Hälfte stammt aus Luxemburg, die andere kommt aus den angrenzenden Nachbarländern. Hartweizen wird in Luxemburg bislang nur wenig angebaut. Wir haben schon seit drei Jahren darum gebeten, das Volumen zu erhöhen. Im Moment werden rund 1.000 Tonnen jährlich geerntet, was zu wenig ist. Wir importieren deshalb vor allem aus Frankreich.

Bearbeiten Sie das Getreide noch mit Pestiziden für die Lagerung in Ihren Silos?

Muller Für den Luxemburger Markt verwenden wir nur nachhaltigen Weizen und lagern ohne so genannte Lager-Pestizide. Das geht, weil wir den Weizen bei weniger als 15 Prozent Feuchtigkeit und weniger als zehn Grad Celsius lagern. Da bleibt er ewig haltbar. Uns kostet das zwar etwas mehr Energie, aber wir sind überzeugt davon, dass es für den Kunden auf jeden Fall besser ist. Da geht unserer Meinung nach auch der Trend hin.

Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und Bio für Sie?

Muller Seit Ende 2016 sind wir auf beiden Mühlen biozertifiziert. Den Bioanbau werden wir in den kommenden Jahren vorantreiben, weil wir daran glauben, dass dies ein wichtiger Bestandteil der Nachfrage ist. Darüber hinaus haben wir eine Vereinbarung mit der Fedil unterschrieben, die uns dazu verpflichtet, den Energiebedarf ständig zu verbessern. Wir setzte sehr auf unsere Marke „Produits du terroir“, bei der weniger Hybride und Pestizide eingesetzt werden. Das Programm wurde übrigens schon vor zwanzig Jahren von der Landwirtschaftskammer und meinem Vater ins Leben gerufen. Das zeigt schon, wie wichtig uns das ist.

Welche Rolle spielen vorgefertigte Mehlmischungen?

Muller In Luxemburg ist das nur ein kleiner Teil der Produktion, da gibt es beispielsweise die Mischung „Duerf“, die wir an die Bäckereien ausliefern, die das wünschen. Das macht aber nur einen geringen Teil aus, ganz anders als in Frankreich, wo solche Mischungen weit öfter genutzt werden. Dieser Markt entwickelt sich aber und wir warten ab, wie das weitergeht und ob wir in den kommenden Jahren da noch mehr auf den Markt bringen.

Wie schützen Sie sich vor Preisschwankungen?

Muller Rohstoffpreise sind Weltmarktpreise. Wir sind ein Weizenverarbeiter. Wir sprechen die Einkaufsvolumina ab und kaufen dann direkt, so dass wir jegliche Spekulation vermeiden.