LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Aus der Apothekenkasse bedient: Angestellter steht vor Gericht

Ein ehemaliger Angestellter einer Apotheke in Capellen war am 8. November 2017 vom Bezirksgericht wegen Diebstahl verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Pharmazeut 9.397 Euro aus der Kasse der Apotheke gestohlen hatte. Das Bezirksgericht hatte im Termin vom 30. November 2017, in dem der Angeklagte nicht vertreten war, ein Versäumnisurteil erlassen und den Angeklagten antragsgemäß zu 15 Monaten Haft und zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt.

Dagegen hatte der Angeklagte mit bei Gericht eingegangenem Schriftsatz Einspruch eingelegt. Gestern hat der Prozess erneut begonnen. Allerdings glänzte der Mann wieder durch Abwesenheit.

Über eine relativ kurze Zeit wurde eine Apothekerin aus Capellen 2015 von ihrem Angestellten bestohlen. Er entwendete mit einem Trick Bargeld aus der Kasse. Der Angeklagte konnte unbehelligt sein Unwesen treiben, da die Apothekerin nicht glauben konnte, dass ihr Angestellter sich an der Kasse vergreifen würde.

Vertrauen ausgenutzt

Das große Vertrauen der Chefin machte es ihm leicht, Geld zu entnehmen. Die Apothekerin machte gestern als Zeugin vor Gericht einen guten Eindruck, mütterlich und kompetent zugleich. Sie erzählte, wie der Pharmazeut vorgegangen war. Zuerst hatte er in kleinen Mengen Geld entnommen. Beim Kassenbestand gab es auf einmal größere Ungereimtheiten. An einem Tag fehlten rund 1.000 Euro.

Wie es dazu gekommen war, konnte man dem angestellten Pharmazeuten nicht beweisen. Dass er Geld aus der Kasse nehmen würde, hielt die Chefin schließlich nicht mehr für unwahrscheinlich und prüfte lange, wie die Unregelmäßigkeiten zustande gekommen waren. Als sie dann den Mann beim Diebstahl erwischte, war die Sache klar. Nach und nach wurde das Ausmaß des Schadens deutlich: Er hatte mehr als 9.000 Euro Bargeld abgezweigt. Als die Apothekeninhaberin ihren Angestellten daraufhin zur Rede stellte, gab er die Tat zu. An einer Kündigung führte kein Weg vorbei. Die Apothekerin erstattete Anzeige. Der Verbleib des Geldes ist nach wie vor unbekannt. Der Mann soll damit seine Schulden bezahlt haben.

Die Einlassungen zur Tat wurden durch Maître Yves Kasel seinem Mandanten zu Gute gehalten. Der Verteidiger sah sich in seinem Plädoyer allerdings mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert: Am Mittwoch wurde vor Gericht bekannt, dass der Pharmazeut strafrechtlich schon mehrfach in Erscheinung getreten war. So auch rezent in Deutschland. Das hatte der Angeklagte seinem Verteidiger aber offensichtlich verheimlicht, weil er wohl davon ausging, dass die Justiz in Luxemburg von dem Strafeintrag nichts wusste. Was eine beantragte Bewährungsstrafe im Plädoyer zunichte machte.

Nicht alles gebeichtet

Der Verteidiger hatte eine bedingte Freiheitsstrafe mit Auflagen beantragt, doch er wurde vom Vorsitzenden Richter eines besseren belehrt. Maître Kasel beantragte daraufhin eine sechsmonatige gemeinnützige Arbeit als Hauptstrafe.

Die Staatsanwältin warf dem Mann Diebstahl vor und die Tat geplant zu haben. Letztendlich beantragte die Anklagevertreterin die gleiche Strafe wie im ersten Urteil: 15 Monate Haft ohne Bewährung und eine Geldstrafe von 1.500 Euro.


Das Urteil fällt voraussichtlich am 15. Juli 2018