COLETTE MART

Mit Josy Braun, Marc Linster und Rob Roemen verlor die luxemburgische Presse im Jahre 2012 innerhalb weniger Monate drei Journalisten, die über Jahrzehnte die Medienlandschaft in unserem Land mitprägten.

Nachrufe wurden veröffentlicht, hinterließen doch alle drei einen Familienkreis und ein journalistisches Milieu unter Schock, da in der Luxemburger Journalistenszene eine durchaus betuliche und sympathische Kollegialität herrscht, aller politischer oder ideologischer Divergenzen, sowie auch aller Konkurrenz zwischen Presseorganen zum Trotz.

Auf Pressereisen lernt man sich näher kennen, man tauscht Informationen aus und gibt sich logistische oder technische Hilfe, beleuchtet bei Pressekonferenzen gemeinsam die politische Aktualität von allen Seiten, und nach Jahrzehnten entstehen dann, eben durch dieses alltägliche Schreiben über Gesellschaft und Politik, eine einzigartige Solidarität, sowie auch tiefe Freundschaften, die über die Lebenskippe hinaus nachwirken und verbinden.

Der Journalismus erfordert neben beständiger Weiterbildung auch und vor allem Bescheidenheit. Die Bescheidenheit, sich hinter sein Thema zu stellen, und auch noch nach jahrzehntelanger Berufserfahrung jedes Thema mit genau der gleichen Gewissenhaftigkeit und dem gleichen Respekt zu behandeln, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu stellen. Josy Braun, Marc Linster und Rob Roemen gehörten sicherlich zu jenen Journalisten, die es bis zum Schluss verstanden haben, sich selber treu zu bleiben, und auch nach jahrzehntelanger Erfahrung nichts an ihrer Kritikfähigkeit, ihrer reflektierten Distanz zum politischen Geschehen und ihrer Bescheidenheit verloren hatten.

Des Weiteren wäre hier und jetzt, am Ende des Jahres 2012 zu erwähnen, dass Journalistenkollegen in Luxemburg ihre Stelle verloren, dass die Arbeitstage von Journalisten nach wie vor sehr lang sind, ohne dass viele gewerkschaftliche Forderungen gestellt werden können, dass eine Gratistageszeitung von der Presselandschaft verschwindet, und dass gleich zwei Zeitungen, nämlich das „Lëtzebuerger Journal“ und „d’Lëtzebuerger Land“, sich einen neuen Look und ein neues Konzept zulegten.

Es geht hier darum, der Aufgabe der Presse als vierte Macht noch besser gerecht zu werden und angesichts der Online-Konkurrenz einer Aufwertung der geschriebenen Presse in ihrer Einzigartigkeit zuzuarbeiten.

Auch andere luxemburgische Tageszeitungen arbeiten Tag für Tag an der Verbesserung ihrer Inhalte und Präsentationen, so dass sich die Presselandschaft 2012 durch Dynamik und Innovation auszeichnete, und sich rasant den Änderungen der Lebensgewohnheiten und den Erwartungen der Leser anpassen musste.

Sie spielte dann auch ihre Rolle als kritische vierte Macht in mehreren politischen Skandalen, die das Land 2012 erschütterten, und brachte zeitweilig geschlagene Politiker ins Bild. Auch des großherzogliche Hof war weniger denn je im Jahre 2012 Tabu in der Presse, so dass sich der Großherzog selbst in seiner Weihnachtsansprache zu diesem Thema äußerte.

Das Jahresende ist und bleibt die Zeit des Nachdenkens und der Besinnlichkeit. Es wäre hier und jetzt zu sagen, dass die drei verstorbenen Journalisten Josy Braun, Marc Linster und Rob Roemen Weichen in der Luxemburger Medienlandschaft stellten, dass sie sich um Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, soziales Engagement und kritisches Hinterfragen von Oberflächlichkeit bemühten, und dass sie in diesem Sinne ihre Kollegen weiter begleiten und auch nicht vergessen werden.