MARC GLESENER

Stramme Antikommunisten, stapelweise geheime Akten und Karteikarten, wackere Agenten, unbekannte (?) Attentäter, ein redseliger Ex-Spionagechef, ein abgehörter Premierminister und als Krönung des Ganzen Berichte über einen Großherzog mit guten Kontakten zu einem ausländischen Nachrichtendienst. Nein, das sind nicht die Ingredienzien fürs Drehbuch zu einem neuen James-Bond-Film, der in fernen Ländern spielt. In demokratisch wenig lupenreinen Gefilden... Nein, das ist Luxemburg. Ein Land, eingeholt von der eigenen Vergangenheit, oder besser gesagt, von einigen wirklich unrühmlichen Kapiteln seiner neueren Geschichte.

Dabei geht es mittlerweile in der „Bommeleeër“-Saga nicht mehr um Vorgänge, die 25 und mehr Jahre zurückliegen. Die Herren Mille und Juncker unterhielten sich 2008 über den angeblichen Lauschangriff im Palais. Vor vier Jahren also. Und auch die spektakuläre Aktion mit Wanzen und Mikrofonen soll keine 20 Jahre alt. Die Hauptakteure dürften sich demnach eigentlich an alles erinnern können. Zumindest dann, wenn es Vorgänge dieser Brisanz waren, die einem zu Ohren kamen.

Da ist doch etwas faul im Staate Luxemburg! Entweder sind hier Wichtigtuer am Werk, die dem Land (dann auf völlig unberechtigte Weise) eine handfeste Staatskrise bescheren. Das wäre inakzeptabel. Juristische Schritte wären unausweichlich. Oder aber es stimmt, was der Spionagechef von einst da an pikanten Details so berichtet. Dann besteht akuter Aufklärungsbedarf. Ich denke sogar, dass die Affäre in diesem Fall nicht ohne politische Konsequenzen bleiben dürfte.

A qui profite le crime? Dies ist und bleibt die zentrale Frage in einem juristisch-politischen Imbroglio, das bei aufgeklärten Bürgern im Grunde nur Kopfschütteln auslösen kann. Ehrlich, es reicht!