FRANKFURT-MAIN/KUALA LUMPUR
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Eskalation des Ukraine-Konflikts droht Wirtschaft zu lähmen

Nach dem Absturz einer malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine hat sich die Nervosität an den internationalen Märkten ausgeweitet. An den wichtigsten Börsenplätzen ging es gestern auf Talfahrt, die Ölpreise stiegen.

Die Situation droht nach Ansicht von Analysten zu eskalieren. Andreas Paciorek von CMC Markets meint: „Sollte es sich bei dem Flugzeugabsturz in der Ukraine um einen tragischen Unfall handeln, könnten die Anleger ihren Fokus schnell wieder auf die bisher positiv verlaufende Quartalsberichtssaison richten. Sollte sich aber herausstellen, dass die prorussischen Separatisten für diese Tragödie verantwortlich sind, könnten sich die West-Ost-Spannungen erheblich zuspitzen.“

Die asiatischen Börsen verzeichneten Verluste. So gab der Stoxx Asia/Pacific 600 mit den 600 größten börsennotierten Unternehmen in Australien, Hongkong, Japan, Neuseeland und Singapur um 0,46 Prozent nach. In Tokio schloss der Nikkei-225-Index gestern 1,01 Prozent tiefer. An der New Yorker Wall Street hatte die sich wieder zuspitzende Ukraine-Krise den Dow Jones Industrial zum Handelsschluss am Donnerstag unter die Marke von 17.000 Punkten gedrückt.

Malaysian-Aktien rutschen ab

Die Aktien von Malaysian Airline System (MAS) haben gestern nach elf Prozent eingebüßt. Analysten sehen nun Gefahren für die wirtschaftliche Existenz der staatlichen Fluggesellschaft, nachdem erst im März eine ihrer Maschinen mit insgesamt 239 Personen auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden war. Ein Experte erwartet sogar generelle Sorgen über die Sicherheitskultur in der Luftfahrt.

Auch die Rohstoffmärkte reagieren auf geopolitische Risiken: Am Freitagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September 108,28 Dollar. Das waren 39 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur August-Lieferung stieg um 48 Cent auf 103,67 Dollar. Neben dem malaysischen Ringgit stand gestern auch der russische Rubel unter Druck.

Belastung für ukrainische Wirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gestern die Umsetzung vereinbarter Finanzreformen, die Kiew vornahm, gelobt. Die Kriterien für die Auszahlung der zweiten Tranche des zugesagten Milliarden-Kredites sind aber erfüllt: Der IWF-Exekutivrat wird demnächst über die Auszahlung von 1,4 Milliarden Dollar (1,04 Mrd Euro) entscheiden. Angesichts der Unruhen im Osten des Landes geht der IWF davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine in diesem Jahr vermutlich um 6,5 Prozent sinken wird.