LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Wegen Vergewaltigung der Halbschwester muss 21-Jähriger ins Gefängnis

Ein 21-jähriger Mann, Dylan M., ist am gestrigen Donnerstag zu acht Jahren Haft, davon sechs auf Bewährung, verurteilt worden, weil er nach Überzeugung der Kriminalkammer seine minderjährige Halbschwester vergewaltigt hat. Sie ist erst 14, als sich ihr Halbbruder an ihr vergeht. Der Psychiater erklärte den Mann für voll schuldfähig. Die Staatsanwaltschaft hatte auf zwölf Jahre plädiert. Der Mann muss sich außerdem einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. Die Tat passierte in der Nacht vom 7. August 2016 in der Wohnung der Mutter in Düdelingen. Beide Geschwister wohnten damals dort.

Der Halbbruder, der im Nebenraum schläft, schreibt seiner Halbschwester eine SMS mit der Bitte, in sein Zimmer zu kommen, um dort zusammen einen Joint zu rauchen. Das lehnt sie aber ab. Später kommt er an ihr Bett und legt sich dann einfach zu ihr. Sie sehen sich gemeinsam einen Film an. Sie schläft ein. Der Halbbruder weckt sie auf, bedrängt sie dann. Eingeschüchtert lässt die damals 14-Jährige seinem Handeln freien Lauf. Das Kondom, das er benutzt hatte, soll er über seiner Halbschwester entleert haben. Nach Angaben des Opfers soll er gedroht haben, auch die Mutter sowie die Freundin des Mädchens zu vergewaltigen, wenn sie reden würde.

„Ich habe meine Schwester nicht vergewaltigt“, sagte Dylan M. trotzig am ersten Verhandlungstag vor den Richter der Kriminalkammer.

Für die Richter war es schwer, die Wahrheit herauszufinden, weil der Angeklagte den Vorwurf der Vergewaltigung bestritt. Die Richter konnten zwar auf wichtige Sachbeweise zurückgreifen. Mit Hilfe einer Genetikerin konnten die Ermittler einen genetischen Fingerabdruck des mutmaßlichen Täters gewinnen. Doch wurden weder Sperma noch DNS-Spuren in der Vagina des Opfers gefunden. Der Angeklagte gab schließlich unsittliche Berührungen zu und dass er neben dem Mädchen masturbierte.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erzählte das Opfer den Richtern, dass es kein Eindringen beim Geschlechtsverkehr gegeben habe. Es wurde bald klar, dass sich die Wahrheit hinter einem Gestrüpp aus widersprüchlichen Aussagen verbarg.

Dritter Prozesstag: Eine neue Version

Für die Richter drängten sich eine ganze Reihe von Fragen auf: Kam es wirklich zum Geschlechtsakt? Hatte er sich wissentlich über den Willen seiner Halbschwester hinweggesetzt?

Unter Druck?

Wurde das Mädchen auch später etwa unter Druck gesetzt? Denn es wurde bekannt, dass der Angeklagte einen Tag vor Prozessbeginn über das Festnetztelefon der Haftanstalt sowie während der Prozesszeit mit einem Handy mit deutscher Nummer mit seiner Halbschwester in Kontakt getreten war. Die Unschuldsvermutung für den Angeklagten stand von nun an nicht mehr zur Debatte. Unmittelbar vor dem dritten Prozesstag rudert das Opfer zurück und erzählt dem Anwalt (Nebenkläger) eine ganz andere Version. Der Anwalt plädierte dann auf Vergewaltigung.