ECHTERNACH
INGO ZWANK

Sie verdrängen die einheimischen Arten: Nilgänse machen sich an der Sauer und am Echternacher See breit

Wer in letzter Zeit eine Runde um den Echternacher See gedreht hat, dem ist so einiges aufgefallen: Vor allem tut sich sehr viel um den See, es gibt viele neue Attraktionen. Dann fällt - hier vor allem dem Vogelfreund - auf, dass es fast keine Stockenten mehr zu sehen gibt, die noch vor Jahren den See bevölkert haben. Aber: Hunderte von Nilgänsen haben am See Einzug gehalten und tummeln sich an den Ufern - und sogar vor und im Bereich des neuen Restaurants „Lakeside“.

Echte Plage

Von einer echten Plage wird gesprochen, zumal die neuen Bewohner die heimischen Arten hier wirklich verdrängt haben. „Das Problem ist uns bekannt“, bestätigt auch Laurent Schley von der „Administration de la nature et des forêts“. Denn bei den Nilgänsen handelt es sich um eine invasive Art, die auch so offiziell geführt wird. In der Liste der EU über invasive Arten benennt die EU Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können. Hier soll die Kontrolle und Verringerung möglicher Schäden verbessert werden. Diese Liste wurde 2017 von 37 auf 49 Arten erweitert.

Über die Liste wurde seit der Veröffentlichung eines ersten Entwurfs, den die EU-Kommission nach Beratung mit den Mitgliedstaaten und zahlreichen Expertengremien im August 2015 vorlegte, intensiv gestritten.

Hauptkritikpunkt: Die gelisteten Arten machen nur einen Bruchteil der EU-weit als invasiv angesehenen Arten aus. Diese erste Liste von 2016 enthielt 37 Arten, bei der Überarbeitung 2017 wurden zwölf Arten neu aufgenommen, auch für Luxemburg relevante wie Riesenbärenklau oder eben die Nilgans.

„Von unserem nationalen Gesetz her betrachtet ist es so, dass grundsätzlich einmal alle Vogelarten geschützt sind, bis auf explizit genannte Arten, die aufgeführt werden, die eben nicht geschützt sind“, erklärt Schley.

Im Rahmen der letzten Änderung des Gesetzes wurden nun aber die Nil- als auch die Kanadagans in der Folge als Arten aufgeführt, die nicht mehr schützenswert seien und somit nicht mehr unter den Schutzcharakter des Gesetzes fallen, wie Schley betont. Man sei in der Verwaltung dabei, Vorgehensweisen auszuarbeiten, wie man sich dem Problem stellen kann.

Denn dass die Nilgans für die heimischen Arten eine Bedrohung darstellt, zeigt sich allein am Echternacher See.