LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die „Imbasa Asbl“ hilft Frauen und Kindern in den südafrikanischen „Squatter Camps“

Imbasa, ein Wort aus der Sprache der Zulu, bedeutet übersetzt „Stern“. Imbasa ist auch der Name, den ein paar motivierte Luxemburger 2008 für ihre Vereinigung gewählt haben. „Jedes Kind ist ein Sternchen“, erklärt uns dazu die Präsidentin Astrid Schmeets, auf deren Initiative hin der Verein ohne Gewinnzweck gegründet wurde. „Hilfe für Frauen und Kinder in Südafrika“ hat sich die Gruppe auf die Fahne geschrieben. Was das genau bedeutet und was bereits erreicht wurde, verdeutlicht die engagierte Frau im Gespräch mit dem „Journal“.

Was hat Sie dazu bewegt, „Imbasa Asbl“ ins Leben zu rufen?

Astrid Schmeets Nun, ich bin eine Adoptiv-Mama von drei wundervollen südafrikanischen Kindern. Als ich zum ersten Mal in Johannesburg war und ich mich in verschiedenen Kinderheimen umgesehen habe, fiel es mir unglaublich schwer, nachhause zurückzukehren und diese Kinder einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Irgendetwas musste ich unternehmen. So nahm das Ganze vor über zehn Jahren seinen Ursprung. Imbasa wurde dann 2008 auf meine Initiative hin gegründet. Inzwischen sind wir eine sehr aktive Gruppe von 15 bis 20 Mitgliedern.

Wie waren die Zustände denn damals in den Kinderheimen?

Schmeets Sie waren völlig überlastet. Es fehlte einfach an allem, Babynahrung, Windeln und so weiter. In den „Squatter Camps“, also den Hüttenvierteln, war es sogar noch schlimmer. Dort gibt es überhaupt keine Infrastruktur, nur eben aus Wellblech, Holz und Pappe zusammengezimmerte Hütten. Da leben unzählige Mütter mit teils sehr kleinen Kindern, auch im Winter, und Südafrika hat kalte Winter. Das zu sehen, hat mich sehr betroffen gemacht. Da wir nicht gleich die ganze Welt retten konnten, haben wir erstmal klein angefangen. Jede kleine Veränderung ist eine Veränderung, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber es geht um Kinder, und auch wenn erst einmal nur ein paar waren, denen wir helfen konnten, so haben wir es doch geschafft, ihre Welt zu verbessern.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Schmeets Wir haben mit kleinen Projekten angefangen. In Südafrika gibt es ein englisches Schulsystem, das heißt, die Kinder brauchen eine Schuluniform, denn ohne dürfen sie nicht zur Schule. Kinder, die in „Squatter Camps“ oder auch „Townships“ (Anm. der Red.: während der Rassentrennungspolitik in Südafrika eingerichtete Wohnsiedlungen für die schwarze oder die indische Bevölkerung) leben, haben nicht einmal Nahrung. Geld für eine Schuluniform haben die Eltern deshalb ganz bestimmt nicht. Darum haben wir uns dann gekümmert, sodass sie eine Chance auf Schulbildung haben. Bildung ist die einzige Möglichkeit, diesen Zirkel zu durchbrechen. Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass die Kinder täglich eine warme Mahlzeit bekommen. Für ein Krankenhaus haben wir einen Kühlschrank gekauft, um die abgepumpte Muttermilch aufzubewahren. Solche Kleinigkeiten eben. Aus diesen kleinen Schritten wurde aber bald mehr. Unsere Vereinigung wurde in Luxemburg immer bekannter, sodass die Unterstützung größer wurde, die Spenden zunahmen und wir größere Projekte angehen konnten. Was diese Projekte anbelangt, so war uns stets wichtig, sie mit den Menschen vor Ort zu entwickeln, demnach auf ihre Bedürfnisse und Ideen einzugehen. Sie wissen am besten, was nötig ist, um die Lebensqualität zu verbessern. Was wir bieten, ist letztendlich Hilfe zur Selbsthilfe.

Woran fehlt es am meisten?

Schmeets In den „Squatter Camps“ und „Townships“ bestehen die Familien meist aus Mutter und Kindern oder aus Großmutter und Enkeln. Väter gibt es kaum. Die Frauen müssen arbeiten, wenn sie denn eine Stelle finden. Die Kinder sind während dieser Zeit sich selbst überlassen. Das Leben in diesen Vierteln ist nicht ungefährlich. Kidnapping ist beispielsweise keine Seltenheit. Kinder werden zur Prostitution gezwungen oder vergewaltigt. Kinderkrippen waren das, was besonders fehlte. Vor vier Jahren haben wir eine erste „Crèche“ eröffnet, beziehungsweise ein kleines Gebäude aus Holz und Wellblech mit Fenster und Türen, in dem sich eine Lehrerin um rund 50 Kinder kümmert, kleine Spielchen mit ihnen macht, ihnen das ABC beibringt, wo sie eine warme Mahlzeit bekommen…

Läuft das alles ab Luxemburg mit Partnern vor Ort?

Schmeets Ja, die Kontakte sind nach und nach entstanden. Diese Kontaktpersonen beraten uns und schauen nach dem Rechten. Wir reisen aber auch jedes Jahr zweimal mit einer Gruppe hin, um mit anzupacken. Natürlich trägt jeder die Kosten für diese Reise selbst. Die Spenden fließen integral in die Projekte. Jeder gespendete Euro kommt in Südafrika bei diesen Menschen an. Uns war es immer wichtig, diesen ehrenamtlichen Job auch wirklich ehrenamtlich zu machen.
Sie sind vor kurzem erst wieder von einer solchen Reise zurückgekehrt. Was stand diesmal auf dem Programm?

Schmeets Letztes Jahr haben wir eine neue Kindertagesstätte gebaut. Die Außenanlage war noch nicht fertig. Wir haben Spielgeräte zusammengezimmert und einen großen Gemüsegarten angelegt. Das ist übrigens etwas, was wir immer wieder machen: den Leuten das Gärtnern beibringen, damit sie später aus ihrem eigenen Garten schöpfen können. Wir zeigen ihnen, wie man aus Samen Setzlinge macht und daraus dann Gemüse ziehen kann. Den Bau einer neuen „Crèche“, diesmal für 200 Kinder, haben wir ebenfalls in Angriff genommen. Alles in allem war die Reise sehr produktiv, wir haben mehr geschafft, als wir uns vorgenommen hatten. Wir haben unwahrscheinlich hart gearbeitet, aber auch wahnsinnig viel Spaß gehabt und gelacht. Nach Afrika ist vor Afrika... das heißt, die Planung für die nächste Reise läuft schon.

Erleben Sie auch schwere Momente?

Schmeets Manchmal fühlt man sich tatsächlich klein und hilflos oder auch wütend, dass man nichts an der Situation ändern kann oder dass man nicht so viel machen kann, wie man gerne möchte. Andererseits sind diese Reisen aber auch sehr erfüllend. Wir kehren immer mit einem guten Gefühl zurück, weil wir zumindest für diese Kinder die Welt ein bisschen verändert haben.

Hat sich die allgemeine Situation in Südafrika denn inzwischen verbessert?

Schmeets Es bleibt immer noch sehr viel zu tun. Wir sprechen hier von über zehn Millionen Kindern, denen es nicht gut geht, die eine ungewisse Zukunft vor sich haben. Wenn man sich das vor Augen hält, dann ist unsere Hilfe in der Tat nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es müsste sich dringend etwas an der politischen Situation in dem Land ändern.

Entmutigen lassen Sie sich aber trotzdem nicht?

Schmeets Nein, im Gegenteil. Zum Glück gibt es viele interessierte Leute in Luxemburg, die ihren Beitrag leisten oder uns sogar nach Südafrika begleiten. Das ist sehr schön, das motiviert. Man ist absolut kein Einzelkämpfer. Imbasa ist ein großes Team. Jeder ist willkommen, auch bei den Reisen, auf eigene Kosten wie gesagt. Man muss sich nur bewusst sein, dass es kein Urlaub ist: Man muss arbeiten, und man bekommt definitiv schmutzige Hände. Man kann übrigens auch die Patenschaft von einem Kind übernehmen und so dafür sorgen, dass es alles bekommt, was es zum Leben braucht.


Alle Informationen unter imbasa.lu