LUXEMBURG
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Schafzucht als Nischenprodukt - Interreg-Förderprojekte können helfen

Am Dienstag wurde in Rümelingen das Projekt „Wanderbeweidung mit Schafen und Ziegen“ vorgestellt. Mit dem Roten Ardennenschaf, das zudem als bedrohte Nutztierrasse eingestuft ist, wurde hier „ein guter Kompromiss gefunden“, wie ausgeführt wurde. Bei den Ziegen fiel die Wahl auf die Thüringer Waldziege. Doch durch den Verkauf von Fleisch, Milch und Wolle kann das Einkommen der Schäfer nicht abgedeckt werden. „So kann man in Luxemburg von einer Prämie profitieren, wenn man sich - wie in diesem Fall- auf einheimisch bedrohte Nutztiere stützt“, wie Jeanne Bormann von der „Administration des Services techniques de l’Agriculture (ASTA)“ erklärt. Bis zum 19. Jahrhundert waren die Ardennen ein Land der Schafe; zahlreiche Herden grasten auf den Heideflächen. Die Schafe wurden gezüchtet wegen ihrer Wolle, ihres Fleisches, ihrer Ausscheidungen als Dünger und manchmal wegen ihrer Milch. Aktuell gibt es so für das Rote Ardennenschaf einen Zuschuss von 30 Euro pro Muttertier. Wobei hier natürlich auf die Zucht abgestellt wird. „Aktuell haben wir drei förderungswürdige Arten für Luxemburg aufgeführt“, sagt Bormann. „Das ist das Ardennenschaf, das Ardenner-Pferd und auch die alte Rotbunte, eine Kuhrasse.“ So gibt es für das Ardenner-Pferd 200 Euro und für die alte Rotbunte 150 Euro an Prämie.

Wolle als Dämmmaterial

Doch findet in Luxemburg die Schaf- und Ziegenzucht vorwiegend als Hobbyhaltung statt, wie vom Landwirtschaftsministerium zu erfahren ist. Zahlreiche Schaf- und Ziegenrassen werden von den hiesigen Schafzuchtverbänden betreut. So gibt es einige größere Herden mit mehr als 100 Mutterschafen, die Lämmer zur Fleischproduktion erzeugen. Die holländische Rasse Texel stellt die dominierende Schafrasse dar. Die Schafzucht bleibt aber ein Nischenprodukt, wie es auch die „Lëtzebuerger Schéiffergenossenschaft“ formuliert. Allerdings gibt es auch entsprechende Interreg-Projekte wie „AUFTRAG Wolle“, die eine gewisse Attraktivität und auch Unterstützung bieten sollen. Über dieses Projekt hoffen die Schäfer, vor allem die Wolle lokalen Kleinhändlern oder auch weiterverarbeitenden Unternehmen zu einem besseren Preis verkaufen zu können, anstatt einen Großhändler zu beliefern. Die Wolle vom Texel-Schaf hat beispielsweise eine schöne weiße Farbe und eigne sich sehr gut zur Weiterverarbeitung. So setzen viele Hoffnungen in dieses Projekt, das neue Alternativen hervorbringen könnte.

Davon kann auch Chris Brachmond ein Lied singen. „Wenn man vom Schaf alleine leben will, müsste man schon rund 1.000 Tiere haben“, sagt der Hobbyzüchter, der Mitglied beim „Lëtzebuerger Schoofzuchtverband“ ist, so rechne sich das Halten nicht. Er selbst hat im Sommer rund 190 Tiere, „Texel-Schafe“ . Unterstützung bekommt der Hobbyzüchter über die Landschaftspflegeprämie. Die Wolle der Tiere bleibt hier im Land, „sie wird als Häuserisolation genutzt. Wolle isoliert gut und brennt nicht“, sagt Brachmond.

1,6 Millionen Schafe in Deutschland -man denkt über Weidetierprämie nach

Wie sieht es anderorts aus? In Deutschland beispielsweise gibt es rund 1,6 Millionen Schafe (ohne Erfassung der Stadtstaaten). Im November 2017 hielten in Rheinland-Pfalz rund 600 landwirtschaftliche Betrieben mit mindestens 20 Schafen insgesamt etwa 68.700 Schafe, wie vom Statistischen Landesamt in Bad Ems zu erfahren ist. Mehr als 70 Prozent der Tiere waren Mutterschafe und gut ein Viertel des Bestandes Lämmer. Milchschafe werden selten gehalten. Aber auch hier ist die Existenz des Schäferberufes gefährdet. Auch das wissen die Politiker - und bringen eine Weidetierprämie zum Erhalt des Berufsstandes ins Spiel. Mit einer jährlichen Weidetierprämie von rund 38 Euro pro Mutterschaf und Mutterziege hätte der Beruf wieder eine Zukunftschance, heißt es vom Bundesverband der Berufsschäfer.