LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Sylvia Camarda in ARTE-Serie „move!“

Wer sich nicht bewegt, lebt verkehrt in einer ständig sich verändernden Welt“, findet Wolfgang Bergmann, Geschäftsführer von ARTE Deutschland. Diese Botschaft will der deutsch-französische Kultursender in einer Tanzserie mit dem Titel „move!“ vermitteln. Moderatorin und Protagonistin ist die luxemburgische Tänzerin und Choreografin Sylvia Camarda, Regie führt Lena Kupatz.

Bewegung ist Sprache

„Move!“ erzählt, welche Relevanz Bewegung für den Menschen hat, wo er ihr im Alltag begegnet und auf welche Weise sie ihn prägt. Außerdem geht es Bergmann um ihren verbindenden Charakter, den sie als universale Sprache innehat, und den Beitrag, den sie zum interkulturellen Dialog leisten kann. Für ihn „spiegelt“ sie „die Leichtigkeit des Seins wider“ und ist wirklichkeitskonstituierend, da sie, anders als Worte, nicht lügen kann.

Dieses Potenzial wird in den vorerst fünf neuen Episoden ausgeschöpft, konkretisiert und künstlerisch umgesetzt. Abgedeckt werden dabei sowohl aktuelle als auch existenzielle Themenfelder: den Traum vom Fliegen, Macht, Verhüllung und Enthüllung, das Fließen und die Digitalisierung. Die erste Pilotfolge mit dem Titel „Angst“ wurde bereits Anfang 2017 ausgestrahlt und war so erfolgreich, dass nun daran angeknüpft werden soll.

Vielseitigkeit und Abwechslungsreichtum

Gemeinsam mit Camarda entdeckt der Zuschauer die kleinen und die großen Gesten der „Macht“, erfährt, was er damit signalisiert, wenn er beim Telefonieren den Ellbogen nach außen streckt, warum es bei Umarmungen eine Rangordnung gibt, warum das Erheben der Faust ein „Machtzeichen der Nicht-Mächtigen“ ist und der Kniefall ein Demutszeichen und warum es ohne Dynamik die „Macht“ überhaupt nicht geben könnte. Außerdem versucht Camarda sich am kriegerisch wirkenden Haka-Tanz, einem Tanz der Miori, und erprobt mit der Argentinierin Eugenia Ramírez Miori den Tango als Tanz der Grenzüberschreitung und der neuen Machtverhandlung zwischen Mann und Frau.

In einer anderen Episode geht es um die elementare Wichtigkeit und Omnipräsenz der Flüssigkeiten im und außerhalb des Körpers, ihre Wirkung und Dynamik. Camarda tanzt gemeinsam mit ihren Kollegen Jill Crovisier, Loïc Faquet und Julie Barthélémy mit und auf dem Wasser, wagt sich aber auch an das Synchronschwimmen heran mit Bewegungen, die nur innerhalb des Wassers möglich sind. Außerdem geht es blutig zu … Alles fließt, „panta rhei“, das behauptete schon Vorsokratiker Heraklit. Seine Theorie, das will „move!“ beweisen, hat auch rund 2.500 Jahre später nicht an Gültigkeit eingebüßt.

Bekanntheit im Ausland

Camarda war selbst an der Themenauswahl und Konzeptgestaltung von „move!“ beteiligt, brachte mit dem Künstler und Choreografen Jan Fabre sowie Regisseur und Intendant Franco Dragone auch eigene Freunde und Bekannte als Darsteller ein und ihr wurden bei ihren Tanzeinlagen sämtliche Freiheiten überlassen. „Ich habe wirklich großes Glück gehabt“, betont sie. Ein Casting habe es nicht gegeben. Bergmann habe sie nach einer Podiumsdiskussion anlässlich ihrer Tournee 2015 in Leipzig angesprochen und sie gefragt, ob sie Lust hätte, mit ihm eine Tanzserie zu machen. Prompt sagte sie zu und es folgte das erste gemeinsame Brainstorming. Die Dreharbeiten hätten ihr sehr viel Spaß gemacht, obwohl es teilweise sehr lange Drehtage von bis zu vierzehn Stunden gegeben habe. Das alles musste Camarda noch mit anderen Projekten vereinbaren, aktuell sind das, unter anderem, ihre eigene Kreation „Ex(s)ilium or down the rabbit hole“, die Show „Looss alles eraus“, die am kommenden Freitag, den 20. April in der Rockhal aufgeführt werden wird, nicht zu vergessen ihre Mitgliedschaft im Luxemburger Gemeinderat. „Ech hunn nach keng Vakanz geplangt“, lacht die Tänzerin.

Bürgermeisterin Lydie Polfer betonte anlässlich der Vorpremiere am Freitag den 13. April, dass sie sich sehr „über die schönen Aufnahmen unserer Stadt“ freue, und darüber, dass Luxemburg sich einmal nicht nur als Finanzplatz, sondern als Standort künstlerischer Talente präsentieren werde.

In Camardas Augen ist dieser letzte Aspekt auch sehr wichtig für die hiesige Tanzszene. „Mir ginn ëmmer méi mat de Féiss an d´Ausland. Mir hunn ëmmer méi de Courage. Ech wëll beweisen, dass dat geet, dass dat méiglech ass.“

Insgesamt steht im April beim Kultursender alles unter dem Stern des Tanzes. Neben weiteren Sendungen und Dokumentationen zum Thema wurden und werden die fünf neuen Folgen von „move!“ am gestrigen Sonntag, den 15. sowie am kommenden Sonntag, den 22.04. auf ARTE ausgestrahlt. Außerdem kann man kostenlos in der Online-Mediathek darauf zugreifen. Eine zweite Staffel mit weiteren Folgen ist geplant. Den Zuschauer erwartet, laut Bergmann, „ein Fest der Sinne und Überraschungen“; die Entdeckung des „Körpers als offenes Buch voller Geschichten“.