LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

„Grusel-Clown-Prozess“: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen

In Deutschland und Frankreich häuften sich vor ein paar Jahren Berichte über aggressive Grusel-Clowns. Die Auftritte waren wohl meist als Spaß gedacht, doch längst nicht immer lustig... Am Mittwochmorgen standen zwei junge Personen wegen einer solchen „Grusel-Clown-Geschichte“ vor Gericht. Eine Frau und ihr Lebensgefährte sollen sich einen Streich ausgedacht haben. Beide erzählten dem Polizeinotruf 113 eine wilde Geschichte - und lösten damit einen Großeinsatz aus. Die Polizei ermittelte gegen die beiden 24-Jährigen wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat, was mit Gefängnis von acht Tagen bis zu fünf Jahren und/oder mit Geldstrafe geahndet werden kann.

Was war passiert?

Am 31. Oktober 2014 hatte eine Frau mit einem Anruf beim Polizeinotruf 113 gegen Mitternacht für Aufsehen gesorgt. Dem Polizisten erklärte sie am Telefon, dass ihr Freund von drei Männern mit Clown-Masken bedroht, geschlagen, gefesselt und mit einem Messer geritzt hätten. Vor Gericht erzählte der Mann, dass er am besagten Tag auf dem Heimweg nach Belair einen weißen Lieferwagen überholt hätte. Der sei „komisch“ im Zickzack gefahren. Zu Hause angekommen hätte er von einem Fenster aus bemerkt, dass der Lieferwagen in der Nähe der Wohnung geparkt hatte. Dann seien plötzlich drei oder vier Grusel-Clowns aufgetaucht. Die hätten ihn dann zweimal mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen. Eine „gemeinschaftliche körperliche Misshandlung mit einem gefährlichen Werkzeug“ (wie ein Messer oder Cutter) sei dann erfolgt. Die Täter hätten ihn an Händen und Füßen gefesselt. „Das ist ganz schön heftig für mich gewesen“, sagte er dem Vorsitzenden Richter der 7. Strafkammer. Wie lange die Misshandlung tatsächlich dauerte, konnte er nicht sagen. Seine Freundin, die tief geschlafen haben soll, hätte ihn dann von seinen Fesseln befreit - mit einem Teelicht.

Verletzungen auf Facebook gepostet

Mehrere Polizeistreifen wurden alarmiert und mit der Fahndung beauftragt. Die Polizisten suchten den angeblichen Tatort auf, konnten jedoch niemanden antreffen. Eigenartig war, dass der anscheinend Geschädigte seine Verletzungen abgelichtet hatte und seinen geschundenen Körper auf Facebook postete. Hier berichtete er von „schaiss Clownen“, die ihn nachts in seiner Wohnung überfallen haben sollen. Sie hätten ihm 18 Stiche zugefügt. Die „brutalen Gestalten“ sollen in die Wohnung eingedrungen sein und „hun mech ferdech gemaach“, schrieb er. Als Beweis zeigte er zwei Fotos, sein Bauch und Rücken mit Schnitten übersät. Über einen langen Schnitt am Bauch sind mehrere Klammerpflaster geklebt worden. Laut Staatsanwaltschaft waren die Grusel-Clowns eine „Ente.“ Nichts davon soll gestimmt haben. Beide hätten die Falschnachricht „frei erfunden.“

Die Geschichte sei auf einen Vorfall, der sich am 23. Oktober 2014 in der Wohnung in Belair ereignet hätte, aufgebaut. Eigentlich sollten die beiden mit ihrem Kleinkind die Wohnung für den 31. Oktober 2014 räumen. „Du Hex do, du kriss mech hei net eraus“, soll die 24-jährige Mutter der Vermieterin geantwortet haben. Die Vermieterin wechselte daraufhin das Schloss der Wohnungstür aus. Der Strom wurde gesperrt. Im Zuge dieser Schwerpunktaktion sollen dann zwei Männer aufgetaucht sein, die die Frau bedroht hätten. Sie solle aus der Wohnung verschwinden, wenn nicht, würde man die Sache selbst in die Hand nehmen. Den Polizisten war dabei klar geworden, dass es bei dieser Geschichte nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Der Hausbesuch der beiden Männer brachte keine Erklärung. Einer von ihnen erzählte am Mittwoch eine ganz andere Version vor Gericht…

Freispruch von Verteidigung gefordert

Der Vorsitzende Richter fand das Ganze gar nicht lustig. Denn der Polizeieinsatz war teuer. Viele Polizisten suchten nach den Grusel-Clowns, die es laut Staatsanwaltschaft in Wahrheit gar nicht gab.

Für den Verteidiger von Kevin S. gibt es zu viele Zweifel in dieser Affäre. Nach seiner Ansicht sollte sein Mandant aufgrund der Unschuldsvermutung „in dubio pro reo“ freigesprochen werden.

Für den Verteidiger der Frau ist die Sache klar, „et war en ‚danger éminent‘ do“, seine Mandantin hätte das einzig Richtige getan, sonst stehe sie jetzt wegen „unterlassener Hilfeleistung“ vor Gericht. Der Anwalt beantragte Freispruch.

Der Vertreter der Anklage ist überzeugt, dass sich der 24-jährige Kevin S. die Verletzungen durch den angeblichen Überfall selbst zugefügt hat. Die Staatsanwaltschaft beruft sich dabei auf das Gutachten des Rechtsmediziners Dr. Andreas Schuff, den das Gericht beauftragt hatte, die vorgezeigten Verletzungen zu untersuchen, um die Herkunft zu klären. Der Vertreter der Anklage forderte zwölf Monate Haft für Kevin S. und sechs Monate für die Lebensgefährtin. Beide sollen eine Geldstrafe bezahlen.


Das Urteil fällt am 28. Juni 2018