LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

200 entscheidende Momente in der Expo „Luxembourg Street Photography 1950-2017“

Wie die Zeit doch vergeht, denkt man sich unweigerlich, wenn man durch die neue Ausstellung im „Lëtzebuerg City Museum“ streift und erkennt, wie sich unsere Hauptstadt und ihre Bewohner doch im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Unter dem Titel „Leit an der Stad - Luxembourg Street Photography, 1950-2017“ können rund 200 historische und rezente Momentaufnahmen aus dem Alltag im öffentlichen Raum der Stadt Luxemburg entdeckt werden. Aufnahmen zufälliger Passanten werden vor der Kulisse der Stadt zu historischen Zeitdokumenten.

Es ist das erste Mal, dass das Museum einen Teil seiner Räumlichkeiten einer reinen Fotoausstellung widmet. Zusammengestellt wurde sie von den beiden Kuratorinnen Gaby Sonnabend und Anne Hoffmann, dies unter anderem in Zusammenarbeit mit der „Photothèque“ sowie dem Kollektiv „Street Photography Luxembourg“.

Was ist überhaupt unter „Street Photography“ zu verstehen? Wer hat das Genre in Luxemburg geprägt? Antworten auf diese Fragen findet der Besucher in einem ersten Raum, in dem eine Einführung in die Thematik geboten wird. Neben historischen Fotoapparaten kann man sich durch die Biografien der wichtigsten luxemburgischen Vertreter lesen. Pol Aschman, Batty Fischer, Tony Krier, Edouard Kutter, Théo Ney, Marcel Schroeder und Marcel Tockert gehören zu den „Klassikern“ der Reportage-Fotografie der 1950er und 1970er Jahre.

Einfangen des entscheidenden Augenblicks

„Street Photography ist ein weit älteres Medium, als manche meinen. In der Tat datiert man sie auf die 1890er Jahre zurück. Der Beginn der Blütezeit geht allerdings auf die 1920er oder 1930er zurück, da sich zu jenem Zeitpunkt die Fotografietechnik stark verändert hat“, erfahren wir von Anne Hoffmann. Tatsächlich erlebte die „Street Photography“ ihren Durchbruch mit dem Aufkommen der Kleinbildkameras, deren erste 1925 die „Leica“ war, - bis heute die zumeist bevorzugte Kamera der „Street“-Fotografen. „Plötzlich war es möglich, schnellere Fotos zu schießen. Der Schnappschusscharakter wurde sehr wichtig. Dadurch hat sich das Genre immer stärker von der Dokumentarfotografie abgrenzt“, fährt Hoffmann fort. In der Street Photography geht es um den entscheidenden Moment, der ungestellt vom Fotografen mit der Kamera festgehalten wird.

Das Ausstellungskonzept wurde mit dem französischen Szenografen Alexandre Fruh ausgearbeitet. Die Idee dahinter: Der Besucher soll wie ein Flaneur durch die verschiedenen Expobereiche streifen und sieben Jahrzehnte visuell entdecken. In jedem Raum wird ein anderes Thema behandelt. Auf eine chronologische Abfolge wurde verzichtet. Die Fotos wurden vielmehr ganz bewusst in ihren Jahrzehnten gemischt und in Dialog zueinander gesetzt. Alte Aufnahmen hängen neben neuen, in Schwarz-Weiß mit starken Kontrasten oder in Farbe.

Passend zum Leitmotiv, die Ausstellung vom Aufbau her wie eine Promenade wirken zu lassen, geht es thematisch mit dem „Flaneur“ los. Auch der Straßenfotograf streift durch die urbane Landschaft, verschmilzt mit der Masse und schießt Fotos von diesen entscheidenden Augenblicken. Weitere Themen sind „Feste und Traditionen“, „Freizeit“, „Arbeit“, „Geschäftsleben“ und „Mobilität“.

Spannende und humoristische Einblicke

Beim Rundgang durch die Expo bieten sich dem Betrachter spannende, liebevolle und humoristische Einblicke in den Alltag der „Leit an der Stad“. Teils sind sehr eigenwillige Ausschnitte zu sehen, Verzerrungen, Spiegelungen… „Dadurch bringt der Fotograf seine Handschrift mit ins Bild, was gleichzeitig die stärkste Abgrenzung zur klassischen Dokumentarfotografie ist“, erklärt Hoffmann. „Street Photography ist ein sehr vielseitiges Genre, deshalb sind auch die Fotos sehr unterschiedlich. Die einen sind sehr grobkörnig, andere wiederum feiner. Jeder Fotograf hat seinen Stil“, fügt Sonnabend hinzu.

Erstaunliche Details

Je länger man die Fotos betrachtet, desto mehr scheinen sie zu erzählen. Immer wieder entdeckt man neue Details und staunt über die Art und Weise, wie die einzelnen Fotografen die Stadt und ihre Bewohner durch die Linse ihrer Kamera sehen, beziehungsweise welche Aspekte aus dem Alltagsleben ihnen auffallen. Nostalgie kommt zweifelsohne auf, wenn einem bewusst wird, wie sich das Stadtbild verändert hat und man gleichzeitig Zeuge der gesellschaftlichen Veränderung wird. Erinnerungen an früher werden wach und lassen den Besucher schmunzeln, stimmen ihn manchmal aber auch nachdenklich. Diese einzigartige Hommage an eine Stadt im Wandel der Jahrzehnte ist definitiv dank der starken, atmosphärischen Arbeiten geglückt.


Die sehenswerte Fotoausstellung „Leit an

der Stad - Luxembourg Street Photography,

1950-2017“ hat bis zum 31. März 2019 ihren

festen Platz im „Lëtzebuerg City Museum“.

Weitere Infos unter www.citymuseum.lu