LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: „Les vieux fourneaux“ basiert auf einer Comicserie

Die vierteilige Comicserie „Les vieux fourneaux“ von Wilfrid Lupano, der die Texte schrieb, und dem Zeichner Paul Cauuet erschien 2014. Das erste Album „Ceux qui restent“ wurde nun von Christophe Duthuron unter dem Titel „Les vieux fourneaux“ verfilmt. Der Regisseur engagierte für seinen ersten Kinofilm fünf Oldies, die vom Alter her die ideale Besetzung der Hauptfiguren hergeben: Pierre Richard (84) als Pierrot, Eddy Mitchell (76) als Emile, auch Mimile genannt, Roland Giraud (76) als Antoine, Henri Guybet (81) als Garan-Servier und Myriam Boyer (70) als Berthe.

Wiedersehen bei einem Begräbnis

Pierrot ist ein Revoluzzer, der gegen die kapitalistische Gesellschaft protestiert, indem er zum Beispiel den Zugang zu einer Bank mit abgebrochenen Streichhölzern im Türschloss verhindern will. Als er einen Anruf von seinem Freund Mimile erhält, der ihn informiert, dass die Frau ihres gemeinsamen Freundes Antoine gestorben ist, macht er sich weder mit Trauer oder Freude über ihr Wiedersehen mit Mimile auf den Weg ins Département Tarn. Auf der Straße kennt der chaotische Pierrot keine Regeln, aber schlussendlich kommen beide im Haus von Antoine an, wo sich die Familie nach dem Begräbnis eingefunden hat. Unter den Trauernden ist auch Antoines Enkelin Sophie (Alice Pol), die sich für das Marionetten-Theater ihrer Oma interessiert. Als sie allerdings erwähnt, dass sie die Eier für ihr Dessert bei Berthe gekauft hat, schlägt die Stimmung um. Niemand mag Berthe. Warum, weiß Sophie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Antoine findet einen Brief von seiner Frau Lucette, aus dem hervorgeht, dass sie ihn anscheinend mit Garan-Servier betrogen hat, dem Besitzer einer großen Firma im Dorf. Er nimmt sein Gewehr und macht sich auf den Weg nach Italien, wo sich sein Ex-Boss aufhält. Sophie und seine beiden Freunde folgen ihm. Garan-Servier leidet mittlerweile an Alzheimer und erkennt niemanden mehr. Marie-Amélie (Méliane Marcaggi) versucht die Geschichte ihrer Familie und der Fabrik anhand von Fotos zu dokumentieren. Sophie erfährt hier einige unschöne Sachen aus der Vergangenheit ihres Opas und seiner zwei Freunde. Doch alle schweigen zu diesen Themen.

Ein trauriges Geheimnis

Was Sophie genau erfährt, wird hier nicht verraten. Die Art und Weise, wie Sophie die drei Alten mit ihrer traurigen Vergangenheit konfrontiert, ist aber außerordentlich. Sie benutzt die Puppen ihrer Oma, um dieses scheußliche Kapitel nachzuspielen, gepaart mit filmischen Rückblenden. War der Film bis zu diesem Theaterstück noch extrem witzig, so bleibt einem hier ein Kloß im Hals stecken.

Pierre Richard kann wieder groß auftrumpfen und an seine klassischen Rollen anknüpfen. Er spielt einen „distrait“ mit einem Hang zum Chaos. Eddy Mitchell ist dagegen ein eher ruhiger Geselle, dem noch eine spezielle Rolle in der Vergangenheit zukommt. Roland Giraud ist der seriöse Kerl, der allerdings vor Wut auf seine Frau keine Grenzen mehr kennt. Henri Guybet genießt es, den verwirrten Boss zu spielen, dem wegen seiner Krankheit alles egal geworden ist. Und schließlich mimt Myriam Boyer die verbitterte Berthe mit der nötigen Furore im Bauch. Die Jüngste im Bunde, Alice Pol, hat jedoch genug Energie und Talent, um sich nicht von diesen fünf Oldies unterbuttern zu lassen. Die ganze Schauspielgarde erhebt den Film zu einem Spaß, den man wegen seines bitteren Beigeschmacks nicht verpassen sollte.