LONDON
ULI HESSE (DPA)/LJ

Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant wird 70

Robert Plant kann die Frage schon nicht mehr hören: Wann lässt er Led Zeppelin wiederauferstehen? Doch 50 Jahre nach der Bandgründung sei das wirklich vorbei, sagte der Mann, der vielen als bester Rocksänger aller Zeiten gilt, in einem Interview des „Esquire“: „Led Zeppelin war ein erstaunliches, produktives Vergnügen für eine bestimmte Zeit, aber es waren drei erstaunliche Musiker und ein Sänger, der in dieser Zeit lebte. Damals.“ Am heutigen Montag (20. August) feiert Plant seinen 70. Geburtstag.

Vor allem amerikanische Künstler beeinflussten seine ersten Bands, wie er dem US-Radiosender NPR erzählte: „Ich lieferte früher Zeitungen aus und verdiente genug Geld, um als 13-Jähriger aus Worcestershire bei den King Records in Cincinnati zu bestellen“ - unter anderem James Browns „Live at the Apollo“ - „eine Stimme, die absolut unglaublich ist. Und dann, whoop, ein knisterndes Radio unter meinem Kopfkissen schenkte mir Smokey Robinson mit ‚Way Over There‘.“

Als Plant neunzehn ist, entdeckt Gitarrist Jimmy Page sein „Ur-Heulen“ und schlägt ihm vor, zusammenzuarbeiten - laut „Rolling Stone“ wundert Page sich insgeheim, „warum er (Plant) noch nicht berühmt war“. Eine Session im Keller eines Londoner Plattenladens reicht der späteren Led-Zeppelin-Formation mit John Bonham und John Paul Jones, ihren unvergesslichen Sound zu finden: „Obwohl wir uns alle im Blues und R & B heimisch fühlten, fanden wir in diesen ersten anderthalb Stunden, dass wir unsere eigene Identität hatten“, sagte Plant später.

Ein Nummer-eins-Hit nach dem anderen

Dreißig Stunden verbringt die Band im Studio, um ihre erste Platte aufzunehmen - und Led Zeppelin ist geboren. Obwohl sie Newcomer sind, handeln die vier einen gut dotierten Plattenvertrag aus, bei dem sie die künstlerische Kontrolle behalten. Das zahlt sich aus: Das Heavy-Metal-Quartett mit der aggressiven Geschwindigkeit dominiert die 70er mit geschätzten 200 bis 300 Millionen verkauften Platten, einem Nummer-eins-Hit nach dem anderen - darunter „Stairway to Heaven“, „Immigrant Song“ und „Whole Lotta Love“ - und einem rasanten Lebensstil zwischen Sex, Drugs und Rock‘ n‘ Roll. Nach dem Tod von Schlagzeuger John Bonham im Jahr 1980 lösten sich die Rockpioniere auf; und schon 1982 begründete Plant in einem Interview mit „Sounds“, wieso es ohne Bonham nicht weiterging: „Wenn er trommelte, war er genau da, entweder mit meiner Stimme oder was auch immer Pagey gerade tat ... du hättest niemanden mit der gleichen Zutat finden können, um die Band so richtig loslegen zu lassen, wie John.“

Plant und Page tourten zwar in den 90er Jahren wieder zusammen und brachten zwei Alben heraus, darunter das extrem erfolgreiche „No Quarter: Jimmy Page and Robert Plant Unledded“, in dem Plant seine Vorliebe für ägyptische, marokkanische und westliche klassische Musik ausleben konnte. Doch nach ein paar vereinzelten sogenannten Reunion-Konzerten - darunter eins mit dem Sohn von Bonham - wurde Plant klar, dass sich etwas ändern musste: „Irgendwann kam es in Mannheim zu einem Punkt, wo wir in einem großen Betonwürfel vor einem riesigen Publikum von Männern spielten, die ihre Fäuste in die Luft reckten“, erinnerte er sich in der „House of Strombo Show“. „Und ich sagte mir: Zeit, aus dem Bus auszusteigen.“

Sechzehn Platten hat er seit Zeppelin-Zeiten gemacht, darunter den Grammy-Gewinner „Raising Sand“ mit der Bluegrass-Künstlerin Alison Krauss und das 2010er Album „Band of Joy“ mit Folksängerin Patty Griffin, mit der er einige Jahre in Texas zusammenlebte. Die Trennung von ihr verarbeitete er in seinem vorletzten Album „Lullaby and ... The Ceaseless Roar“; der Song „House of Love“ beginnt mit den Worten „Leaving was so hard“. Sein elftes Soloalbum „Carry Fire“ erschien 2017; auch darin entwickelt sich der alternde Rockgott weiter. Das ist das wichtigste für ihn mit 70: „Ich habe immer noch einen Fuß in der Tür, was für die Musikindustrie nicht gerade Kleinigkeit ist, und ich möchte das nutzen, um mit Wörtern und Sounds zu spielen und aufregende neue Wege finden, Musik zu machen.“