LUXEMBURG
SVEN WOHL

Science-Fiction-Literaturauszeichnung: Hugo Awards 2018 werden morgen verliehen

Wer Science-Fiction liebt, kommt an den Hugo Awards nicht vorbei. Dieser seit 1953 verliehene Preis ist der wichtigste seiner Art im englischen Sprachraum. Unter seinen Gewinnern finden sich Legenden wie Robert A. Heinlein, Philip K. Dick, Frank Herbert, Ursula K. Le Guin oder noch Isaac Asimov wieder. Dieses Jahr wird die Trophäe am morgigen Sonntag verliehen. Die Shortlist liest sich teilweise wie das „Who’s who“ der modernen Science-Fiction - kein Wunder, wird über diesen Preis doch von den Lesern selbst, sofern sie eine Mitgliedskarte der „WorldCon“ haben, mitbestimmt.

Zahlreiche Serientäter

Die Liste der Nominierten für den besten Roman führt John Scalzi an. Er gewann in dieser Kategorie bereits 2013 mit seinem Buch „Redshirts: A Novel with three Codas“. Mit „The Collapsing Empire“ liefert er eine Weltraum-Oper ab, die wie die Faust auf Trumps Amerika passt: Ein natürliches Phänomen bedroht ein Imperium, das den eigenen Wissenschaftlern keinen Glauben mehr schenkt. Humor ist dabei Scalzis stärkste Waffe und viele Leser fiebern der Fortsetzung der geplanten Trilogie, die für dieses Jahr angesetzt ist, entgegen. Scalzi reiht sich hier in den größten Trend ein: Serien sind in!

Yoon Ha Lee schafft es mit „Raven Stratagem“, dem zweiten Teil einer dreiteiligen Militär-Science-Fiction-Serie, ebenfalls auf die Liste. Um dem Ganzen noch einen drauf zu setzen, heimst er mit einer Erzählung eine weitere Nominierung ein. Ann Leckie, die 2014 in dieser Kategorie mit „Ancilliary Justice“ gewann, darf sich ebenfalls über eine Nominierung freuen. Es überrascht wenig, dass „Provenance“ im gleichen Universum spielt, wie „Ancilliary Justice“.

Gleich zwei Hugo Awards kann Kim Stanley Robinson sein eigen nennen, wobei der letzte bereits 21 Jahre zurück liegt. Es lässt sich jedoch daran zweifeln, dass er bei den Wählern gut davonkommen wird. So veröffentlichte er im März diesen Jahres im „Guardian“ noch einen Artikel mit dem Titel „Empty half the Earth of its humans. It’s the only way to save the planet“, was die Bloggerin Cora Buhlert beispielsweise dazu veranlasst, ihn als einen freudlosen Öko-Aktivisten zu bezeichnen.

Außenseiter und Hattrick-Potenzial

„Six Wakes“ von Mur Laffety ist da schon fast ein Außenseiter: Nicht nur handelt es sich hierbei um einen Krimi, sondern Laffety kann keine Hugo-Nominierung ihr eigen nennen. Ganz unbekannt dürfte sie dem Publikum dennoch nicht sein, erhielt sie doch 2013 den Preis für die beste neue Schriftstellerin, den John W. Campbell Award. Eine Auszeichnung, die bei der Hugo Award-Zeremonie vergeben wird.

Dann wäre da zu guter Letzt N. K. Jemisin, bei der sich die Science-Fiction-Fans fragen, ob sie den Hattrick vollendet: Die ersten zwei Bücher ihrer „The Broken Earth“- Trilogie haben die beiden vergangenen Jahre den begehrten Preis abgeräumt. Sollte „The Stone Sky“ gewinnen, wäre zumindest hier die Sensation komplett.

Bemerkenswert ist allen voran die Anzahl an Schriftstellerinnen, die nicht nur bei den Nominierungen für den besten Roman, sondern auch bei den anderen Kategorien stark vertreten sind. Allein bei den Novellen ist das Feld von fünf Frauen - bei sechs Nominierungen - dominiert. Ähnlich sieht es bei den Erzählungen, die im Englischen als „Novelette“ bezeichnet werden, aus: Auf zwei Männer kommen vier Frauen. Bei den Kurzgeschichten sucht man des Weiteren vergeblich nach einem Mann.

Das Ende einer Protestaktion

Es war auch diese steigende Diversität, die zu einem der meistbesprochenen Skandale der Vergangenheit geführt hat. Die „Puppygate“-Aktion, bei der Rechtskonservative aus Protest gegen ein für ihr Empfinden zu diverses Autorenfeld ihre eigenen, konservativen Kandidaten ins Rennen gebracht haben, scheint jedoch mittlerweile der Vergangenheit anzugehören. Die steigende Zahl der weiblichen Gewinner und einer stärkeren Diversität bei den Nominierten scheint also hier seine Wirkung entfaltet zu haben.

Ganz ohne Skandale ist auch die diesjährige World Con - das Event, bei dem auch die Hugo Awards verliehen werden - freilich nicht. Grund war die Tatsache, dass Bogi Takács als Mann bezeichnet wurde, obwohl diese Person darauf besteht, ohne Geschlecht definiert zu werden. Nach einer öffentlichen Entschuldigung und einem Umbau des Programmes war das Problem jedoch aus der Welt geschafft.