LUXEMBURGNICO PLEIMLING

Ein junger Mann erzählt von seinen Erfahrungen als Obdachloser

André F. ist 29 und lebt seit ein paar Jahren in einer Wohnung. Dem war über mehrere Jahre nicht so. André hat nämlich eine längere Zeit ohne festes Dach über dem Kopf verbracht. Als er acht Jahre jung war, wurde er von seinen Eltern ins Heim gebracht. Dort lebte er, bis er 17 war. Er kam anschließend zurück zu seiner Familie und inzwischen war einer seiner drei jüngeren Brüder im Alter von acht Jahren verstorben.

Vom Heim auf die Straße

Zwischen André und seinen Eltern sollte es aber auch weiterhin nicht klappen und so landete er als Jugendlicher auf der Straße. „Am Anfang war es nicht einfach, aber glücklicherweise hatte ich einige Freunde, bei denen ich zwischendurch essen oder übernachten konnte. Wenn nicht gerade Winter herrschte, dann habe ich häufig auf einer Bank geschlafen. Wenn es dann zu kalt wurde, habe ich leerstehende Häuser aufgesucht.“

Das ist bekanntlich verboten und deshalb kam es häufig zu Konfliktsituationen mit der Polizei. Bei den ersten Begegnungen gingen die Ordnungshüter nicht gerade zimperlich mit dem jungen Obdachlosen um. „Sie haben mich ein wenig rumgestoßen, aber glücklicherweise nicht wie einen Schwerverbrecher behandelt. So lange man keinen Schaden anrichtet, können die Bullen nicht viel unternehmen. Nach einer Weile kannten sie mich und wir haben uns sogar geduzt. Einmal war die Situation dann doch etwas sehr verzwickt, als ich in einer Nudelfabrik übernachtete. Die Tür war nicht abgeschlossen, also ging ich rein und machte es mir in einem Büro bequem, in dem auch Computer und andere Wertsachen standen.“

18 Monate Gefängnis

Als die Polizei auftauchte, war es natürlich nicht so einfach für André F. zu erklären, dass er kein Interesse am Material hatte und lediglich auf der Suche nach einem warmen Schlafplatz war. Nach zwei Stunden auf der Polizeiwache durfte der junge Mann wieder gehen. Weniger schön waren seine letzten Monate auf der Straße. „Ich habe wochenlang nicht gegessen und ich hatte damals keine andere Wahl, als in Autos einzubrechen. Irgendwann wurde ich dann auch erwischt und verbrachte insgesamt 18 Monate im Knast. Die haben mich zwar irgendwann gefragt, ob ich raus will. Das Angebot habe ich abgeschlagen, sonst hätte ich erneut ohne irgendetwas in der Hand auf der Straße gesessen.“

In den zwölf Jahren als Obdachloser wurde André F. einmal überfallen. Fünf Euro hat man ihm damals im „Foyer Ulysse“ abgenommen. Angst hatte er eigentlich nie, auch nicht, wenn es im Winter richtig kalt wurde. „Für verschiedene Leute ist draußen schlafen nicht gefährlich, für andere schon. Mir ist es bei diesem Wetter nicht zu kalt, im Freien zu übernachten. Ab minus 10 Grad ist es kalt, aber dann muss man das ignorieren.“

Seit 2008 lebt André F. in einer kleinen Wohnung, allerdings hat er derzeit erneut keine Arbeit. Ungefähr in der gleichen Periode ist er zum ersten Mal zur „Stëmm vun der Strooss“ gekommen, wo er dann auch Arbeit fand und den anderen Besuchern Getränke servierte. „Ich mache das aber jetzt nicht mehr. Ich wurde gefeuert, als es zu einer Auseinandersetzung mit einem anderen Mitarbeiter kam. Danach wurden wir beide entlassen“, sagt der 29-jährige Mann, der gleichzeitig betont, dass er sich keinen anderen Job vorstellen kann, weil er den Kontakt mit Leuten und den anderen Mitarbeitern mag.

Für den Sohn da sein

Vor allem will er für seinen sechs Jahre alten Sohn da sein, der genau wie er in einem Heim aufwächst, und deshalb ist es ihm wichtig, dass er ein Dach über dem Kopf behält. Massiv Geld zu besitzen oder reich zu sein bedeutet ihm nicht viel und sein Tagesablauf sieht auch dementsprechend aus. „In der Regel stehe ich gegen 11.00 auf, esse anschließend in Bonneweg zu Mittag und spiele dann Schach. Normalerweise gehe ich gegen 17.00 wieder nach Hause.“

Fürs neue Jahr wünscht sich André F., dass er wieder bei der „Stëmm vun der Strooss“ arbeiten darf. Wichtiger ist ihm aber, dass sich die Einstellung der Menschheit im Allgemeinen bessert und dass das Geld ein für alle Mal abgeschafft wird.