LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

ARmob macht historische Stätten zu lebendigen Orten - mit „Augmented Reality“

Am 3. September wird etwas mehr los sein in Dalheim: Dann nämlich wird im antiken Vicus Ricciacus der offizielle Auftakt des Projekts ARmob gefeiert. Hinter der Abkürzung des mit 1,42 Millionen Euro Geldern aus dem europäischen Entwicklungsfonds für ländliche Entwicklung (LEADER) geförderte transnationalen Projektes, an dem sechs LEADER-Regionen aus Rheinland-Pfalz und drei aus Luxemburg beteiligt sind, verbirgt sich ein einzigartiges Projekt mit dem Ziel, Antike und Mittelalter durch den Einsatz von „Augmented Reality“(AR)-Technologien erlebbar zu machen.

Von den äußerst zahlreichen archäologischen Stätten in der Großregion ist oft außer einigen Steinmauern nur mehr wenig enthalten. Viele sind zwar mit Infotafeln ausgestattet, es gibt meist sehr viel Infomaterial, dennoch kann der Besucher oft nur schwer nachvollziehen, wie die Gebäude vor tausenden Jahren ausgesehen haben mögen. AR soll das nun ändern: „Man soll das Objekt umschreiten, gleichzeitig aber auch die Umwelt weiter sehen können“, erklärt Dr. Rosemarie Cordie, die das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Torsten Mattern von der Uni Trier leitet.

Cordie leitet ebenfalls den Archäologiepark Belginum bei Morbach im Hunsrück. Seit langem macht sie sich, wie viele andere, Gedanken, wie das Patrimonium etwa aus gallo-römischer Zeit einem breiteren Publikum zugänglich machen kann. Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2015 hat die Umsetzbarkeit von AR für den angepeilten Zweck bewiesen, für den sie ein quasi ideales Instrument ist. Aus praktischen Gründen. Der Besucher der historischen Stätten, der in den allermeisten Fällen mit einem Smartphone ausgestattet ist, kann vor Ort in Sekundenschnelle einen QR Code scannen, die ARmob-App kommt ruckzuck auf das Telefon und schon kann er darauf sehen, wie es etwa in der Antike dort aussah.

Über 100 Stätten in Rheinland-Pfalz und Luxemburg

„Das Gros sind keltische und römische Objekte“, sagt die Vor- und Frühgeschichtlerin zu den rund 100 Stätten, die in Rheinland-Pfalz für das Projekt ausgewählt und den 20, die in Luxemburg zurück behalten wurden. Aber es sind auch Burgen darunter. Hier bedienen sich die Mitarbeiter des Projekts nicht nur 3D-Modellierungstechniken am Boden, sondern auch Drohnen kommen zum Einsatz. Die Daten werden alle auf einem Server gespeichert, über das Smartphone lässt sich präzise ermitteln, wo der Besucher gerade steht und die App ruft die Informationen dann ab, damit der Interessierte lagegerecht und maßstabsgetreu sieht, was vor tausenden von Jahren wo war. Nebst den Informationen dazu, die unterschiedlich „tief“ sein sollen: So soll es eine App für Kinder und eine für Erwachsene geben - jeweils in Deutsch, Französisch, Englisch, Luxemburgisch und Niederländisch.

Natürlich ist eine solche Anwendung auch von erheblichem touristischem Wert, können doch ohne kostenintensiven Rekonstruktionen oder Informationstafeln Stätten erschlossen werden, die bislang ziemlich abseits lagen. „Demnächst wird eine Firma damit beauftragt ein touristisches Konzept rundum ARmob zu erarbeiten“, sagt Cordie, die auch anmerkt, dass es einen Routenplaner für die im Projekt zurückbehaltenen Stätten geben wird und dass durch die „Bottom up“-Herangehensweise bei ARmob zahlreiche Gemeinden zur Kooperation gewonnen werden konnten.

Die können die App später auf ihren Kanälen vermarkten. Die Anwendung soll kurz vor Ablauf des Projekts Ende 2019 „in einem großen Paukenschlag“ an allen beteiligten Stätten zur Verfügung gestellt werden. Im Großherzogtum sind das übrigens: Das römische Theater und ein Tempel in Dalheim, das neolithische Gehöft beim „Biodiversum“ in Remerschen sowie das dortige Grabdenkmal des römischen Weinguts „op Mecheren“ und in Grevenmacher ein Teil de Befestigungsanlagen und die gallo-römische Stätte auf Potaschberg. Dann: die gallo-römische Villa in Göblingen, der gallo-römische Tumuls in Finsterthal, das „Gréiweschlass“ in Koerich. In Mamer: Die Thermen und ein Teil des Vicus. In Mersch: die Römische Villa und der Menhir in Reckingen-Mersch. In Altrier: das Tumulusgrab. In Befort: das keltische Gehöft. In Consdorf: die Fliehburg. In Echternach: die Römervilla. In Heffingen: die neolithische Bestattungsstätte beim „Loschbour“. Die Fliehburg in den Nommerlayen, die Burgen von Beaufort und Fels. In Rosport: die römische Tempelanlage. Während die Recherche- und Modellierungsarbeiten laufen, berichtet Rosemarie Cordie über viel Abstimmungsarbeit für dieses Großprojekt an dem eine Mannschaft von rund zehn Leuten arbeitet. „Aber wir sind auf dem guten Weg“, sagt sie.