LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft für mutmaßlichen Hochstapler

Eigentlich sollte L. B., am Donnerstagmorgen wegen Fälschung und Betrug vor Gericht stehen. Der 37-Jährige ist jedoch nicht zur Gerichtsverhandlung erschienen. Die 12. Strafkammer des Bezirksgericht Luxemburg beschloss, das Verfahren in Abwesenheit des Angeklagten fortzusetzen. Ist der Angeklagte abwesend während der Gerichtsverhandlung beziehungsweise lässt er sich nicht vertreten, so kann gegen ihn ein Versäumnisurteil ergehen.

Mit gefälschten Urkunden getäuscht

Probieren geht über Studieren, dachte sich wohl der vorbestrafte B., der sich bereits als Anwalt und Priester ausgegeben hat und nun als Psychotherapeut auftrat. Der Anhänger einer „Unabhängigen Katholischen Kirche“ soll 2016 Personen, denen gegenüber er sich als Psychologe und Psychotherapeut vorstellte, mit dem Versprechen, ihnen in ihrer Not zu helfen, arglos über den Tisch gezogen haben. Die Liste seiner Opfer ist lang. Jetzt landete B. erneut wegen Urkundenfälschung und Betrug vor Gericht.

Die Anklage wirft dem 37-Jährigen aus Esch/Alzette unter anderem vor, im Jahre 2016 eine 64-jährige Frau überredet zu haben, ihm 1.000 Euro zu überweisen. Laut Staatsanwaltschaft hätte er die Frau systematisch getäuscht. Er soll der Frau erzählt haben, ihrem Sohn in einer Therapie psychologisch helfen zu können. Sie soll ihm, B., deshalb im Voraus eine Kommission in Höhe von 1.000 Euro bezahlen; ein fester Tarif von 2.800 Euro sei als Honorar vereinbart worden. Das Schreiben wurde wohl auf offiziellem Briefpapier der „Etude B., Cabinet de psychologie et de la Santé“ verfasst. Obschon B. kein Rechtsanwalt ist, soll er der Frau auch versprochen haben, sie bei Gericht zu vertreten. Am Tag der Gerichtsverhandlung glänzte B. aber durch Abwesenheit.

Unis bestätigen Fälschungen

Hier soll er auch mit gefälschten Universitätsdiplomen gearbeitet haben. Bei den polizeilichen Ermittlungen und auf Nachfrage bei der Universität Southampton in England kam heraus, dass seine Diplome gefälscht sind. Das zweite Masterdiplom war von einer Universität in Florida ausgestellt. Doch bei näherer Betrachtung stellte sich auch hier heraus, dass dieses Diplom unecht ist. Überall, wo B. Hilfe anbot, täuschte er sein Gegenüber mit falschen Urkunden. Seit 2005 soll er aktiv sein. Der Angeklagte ist wegen Betrugs einschlägig vorbestraft.

Schon in einer Vernehmung von 2013 gab B. zu Protokoll, dass er unter den Folgen eines Schlaganfalls leide. Er habe sein Gedächtnis zum Teil verloren. Auch sei er nie auf einer Uni gewesen und hätte sein Wissen in einem Fernstudium erlangt, so die neuen Statements.

Nebenklage fordert 18.500 Euro

Als Vertreter der Nebenklage beantragte Rechtsanwalt Maître Sebki Mourad einen Schadenersatz von 18.500 Euro.

Wegen Betrugs und Urkundenfälschung beantragte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren für B..

Das Urteil wird am 11. Oktober gesprochen.