RAMALLAH MOHAMMED DARAGHMEH

Untersuchung soll Giftmordverdacht klären

Acht Jahre nach dem Tod des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat sind seine sterblichen Überreste exhumiert worden, um den Verdacht auf einen Giftmord zu klären. Internationale Experten entnahmen gestern Proben, die auf Polonium hin untersucht werden sollen. Mit einem Ergebnis rechnen palästinensische Ermittler frühestens in drei Monaten. Nach der Entnahme wurde das Grabmal in Ramallah wieder geschlossen, und Vertreter von Arafats Fatah-Bewegung und der PLO legten Kränze nieder.

Der langjährige Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und Friedensnobelpreisträger ist in einem Mausoleum auf dem Gelände seines früheren Amtssitzes im Westjordanland beigesetzt, wo er seine letzten Jahre von israelischen Soldaten eingekesselt verbrachte. Seit Mitte November hatten sich Arbeiter durch die dicken Betonschichten gebohrt. Hinter einem Sichtschutz aus blauen Planen wurde das Grab am Dienstag vor Tagesanbruch geöffnet, wie der Leiter des palästinensischen Ermittlungsteams, Taufik Tiraki, berichtete.

Internationale Experten testen

Entgegen ursprünglichen Angaben wurden nach Auskunft des palästinensischen Gesundheitsministers Hani Abdeen Proben direkt aus dem Grab entnommen, ohne dass dazu Überreste herausgenommen werden mussten. An der Exhumierung nahmen Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland teil, die die Proben in ihren Labors in der Heimat untersuchen sollen. Zudem seien Proben aus Arafats Schlafzimmer, seinem Büro und von persönlichen Gegenständen genommen worden, sagte ein palästinensischer Vertreter. Abdullah Baschir vom palästinensischen Ermittlungsteam sagte, es werde mindestens drei Monate dauern, bis Ergebnisse vorlägen.

Die Exhumierung wird das Rätsel jedoch möglicherweise nicht lösen können. Polonium 210 zerfällt rasch. Einige Experten haben erklärt, es sei nicht klar, ob die entnommenen Proben für eine Untersuchung ausreichten.

Spekulationen von Anfang an

Arafat war am 11. November 2008 in einem französischen Militärkrankenhaus an einem Schlaganfall gestorben. In den Wochen vor seinem Tod hatte er jedoch an einer Krankheit gelitten, die nicht genau diagnostiziert worden war. Die Palästinenser hatten schon damals eine Untersuchung eingeleitet, die aber nichts ergab. In diesem Sommer flammten die Spekulationen um Arafats Tod wieder auf, als der arabische TV-Sender Al Dschasira von Arafats Witwe Suha ausgehändigte persönliche Gegenstände wie eine Mütze und eine Zahnbürste von einem Schweizer Labor untersuchen ließ.

Die Fachleute fanden erhöhte Werte von Polonium 210, dem radioaktiven Isotop, mit dem 2006 der ehemalige KGB-Offizier Alexander Litwinenko vergiftet worden war. Sie fanden das Testergebnis jedoch nicht eindeutig und erklärten, um klarer zu sehen, müssten die sterblichen Überreste untersucht werden. Obwohl die Störung der Totenruhe dem islamischen Glauben und der Sitte widerspricht, stimmte Arafats Nachfolger im Präsidentenamt , Mahmud Abbas, einer Exhumierung zu - wohl um sich nicht nachsagen zu lassen, er stehe einer gründlichen Untersuchung im Wege.