LUXEMBURG
MARCO MENG

Gemeinsame Stahlfabrik mit SAIL in Indien soll nächste Woche genehmigt werden

Der indische Branchenprimus Tata Steel hatte lange den Heimatmarkt verteidigt, doch nun steht einer Stahlfabrik von ArcelorMittal in Indien anscheinend nichts mehr im Weg. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, wird in der kommenden Woche die staatliche „Steel Authority of India Ltd.“ (SAIL) das vor geraumer Zeit angekündigte und auf eine Milliarde Euro bezifferte Joint-Venture mit dem weltgrößten Stahlkonzern mit Sitz in Luxemburg genehmigen. Beide Seiten sind zu gleichen teilen daran beteiligt. Für Firmenchef Lakshmi Mittal, der in Indien seinen Konzern gründete, den er 2006 mit dem luxemburgischen Stahlunternehmen Arcelor fusionierte, bedeutet das gewissermaßen, zu den Wurzeln zurückzukehren.

Stahl für Indiens Autobranche

Vor allem erhofft sich ArcelorMittal, vom wachsenden Automobilmarkt in Indien profitieren zu können. Die geplante Fabrik, in die beide Unternehmen zusammen rund 913 Million US-Dollar investieren, soll jährlich 1,5 Millionen Tonnen Stahl für den indischen Automarkt produzieren. Indien soll Prognosen zufolge bis 2020 zur viertgrößten Automobilhersteller-Nation der Welt werden, ArcelorMittal erwartet, dass die Zahl der dort hergestellten Fahrzeuge von heute 3,5 Millionen auf mehr als sieben Millionen steigen wird. 2015 hatten SAIL und ArcelorMittal darum eine Vereinbarung zu dem Projekt getroffen, das in den zwei Jahren seitdem mehrfach ins Stocken geraten war. Indien war lange Zeit für Investoren von außen schwer zugänglich. Lakshmi Mittal ist zwar von Geburt Inder, wird in Indien aber als Brite angesehen.

Der Segen der indische Regierung zu dem Vorhaben ist jedenfalls da und dürfte damit zu tun haben, dass sie die Abhängigkeit von Stahlimporten aus Japan und Südkorea damit zu reduzieren hofft.

Im September berichtete Reuters, dass ArcelorMittal auch plane, verschuldete indische Stahlunternehmen wie Bhushan Steel und Essar Steel aufzukaufen. ArcelorMittal-Unternehmenssprecher Pascal Moisy erklärte gestern auf Nachfrage, Indien sei ein schnellwachsender Markt, der darum für ArcelorMittal von Interesse sei. „Wir bleiben in aktiven Gesprächen mit SAIL, um in Indien ein Automobil-Stahl-Joint-Venture im Einklang mit der „Make In India“-Initiative zu etablieren. Wir bleiben dem Projekt treu, von dem wir glauben, dass es sowohl für SAIL als auch für uns von Vorteil ist. Die Vereinbarung über das Joint Venture ist für ArcelorMittal eine Priorität.“