LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Opus“ bereichert den Gin-Markt in Luxemburg

Zufällige Beobachtungen führen manchmal zu zündenden Ideen. Das zeigt sich etwa bei dem luxemburgischen Gin „Opus“, der seit einigen Monaten auf dem Markt ist. „Uns ist das viele Obst aufgefallen, das an den Bäumen und Sträuchern bei uns im Sauertal wächst, aber nicht genutzt wird und verfault“, erklärt Fränk Wagner. Das war im Herbst 2016. Gemeinsam mit seinen Freunden Michel Schammel und Jim Wagener macht er sich Gedanken, wie man dieses Obst in Zukunft nutzen könnte. „Wir sind dann relativ schnell auf Branntwein gekommen und haben einige Destillerien des Landes besichtigt. Dabei stellten wir aber fest, dass es im Land bereits genug Schnäpse gibt, die auch eine sehr hohe Qualität haben und mit denen man sich jetzt nicht unbedingt messen muss“, führt Wagner aus. Die drei gaben aber nicht auf und da sie sich bereits recht intensiv mit dem Thema Brennen beschäftigt hatten, kam ihnen dann der Gedanke, einen eigenen Gin zu kreieren.

Erste Gehversuche

„Gin ist in Luxemburg weiterhin angesagt, es besteht also ein Markt. Außerdem ist die Produktion für uns umsetzbar, wir können zum Teil auf luxemburgische Produkte setzen - und wir drei trinken auch gerne Gin“, begründet Wagner die Entscheidung. Als Partner für das Brennen des Gins entschied sich das Trio für die Brennerei „Diedenacker“ von Camille Duhr. „Camille ist ein exzellenter Brenner, der uns in den praktischen Teil des Brennens eingeführt hat“, erklärt Schammel.

Die drei Nachwuchsbrenner vertieften sich in das Thema, nahmen andere Gins unter die Lupe sowie mögliche Zutaten. Sie erstellten Aromaklassifikationen, um entscheiden zu können, in welche Richtung ihr Gin gehen soll und arbeiteten ein Rezept aus. „Wir haben etwa im Mai mit ersten Tests im Kleinen bei Fränk zu Hause begonnen“, meint Schammel weiter. Nachdem sie etwa ein Dutzend Versuche hinter sich hatten, ging es im Juni erstmals auf die große Anlage von Duhr. „Rund 20 Liter haben wir dort nach unserem Rezept gebrannt und ich war vom Resultat recht enttäuscht“, gesteht Schammel. Und Wagner stimmt zu: „Wir haben festgestellt, dass wir zwar auf dem richtigen Weg sind, aber noch einiges fehlt, bis die Leute von unserem Gin auch mehr als nur eine Flasche kaufen.“

Der etwas andere Gin

Das Rezept wurde überarbeitet, einige Zutaten weggelassen, andere hinzugefügt. „Jim war hierbei eine große Hilfe. Als Sommelier wusste er das Geschmeckte in Wörter zu fassen“, meint Schammel weiter. Nach einigen weiteren Wochen des Testens waren Wagner, Schammel und Wagener mit dem Rezept zufrieden. Unter den insgesamt 26 Zutaten sind auch acht, die aus Luxemburg stammen. Dazu zählen neben Honig, Hagebutten und Schlehen auch Brombeeren, Holunderbeeren sowie Holunderblühten, Rosenblätter und Kiefernsprossen. Diese werden von den dreien selber geerntet, sie bekommen dabei aber auch immer mal Hilfe von Freunde und Familie. „Einiges davon wird von uns eingefroren oder getrocknet, was wiederum Einfluss auf den Geschmack hat“, erklärt Schammel. Dabei seien sie auch immer auf der Suche nach neuen Zuliefern oder Orten, an denen etwa die Beeren wild wachsen.

Ihrem Gin gaben die drei Freunde den Namen „Opus“, da er ihr gemeinsames Werk ist und damit anders als die meisten anderen Gins, die man so bekommt. „Wir stellen uns und unser Werk aber
immer wieder infrage. Daher werden wir gegebenenfalls den Gin auch immer wieder anpassen“, betont Schammel, weshalb in dem Logo auch das Zeichen für Unendlichkeit enthalten ist. Das Werk sei nie wirklich abgeschlossen. Und wie Wagner erklärt, soll das Zeichen außerdem ausdrücken, dass ihr „Opus“ nur ihre Interpretation von Gin ist, es aber noch zig andere gibt.

Zeit, um sich entwickeln zu können

Um eine möglichst hohe Qualität zu erreichen geben Wagner, Schammel und Wagener ihrem Gin Zeit. „Wir brennen verhältnismäßig langsam, etwa doppelt so lange wie wir theoretisch könnten, um das beste Ergebnis zu bekommen. Außerdem lassen wir ihn rund sechs Wochen lang im Edelstahltank lagern“, erklärt Wagner. Erst dann werde nach und nach entmineralisiertes Wasser hinzugefügt, bis der Gin 44 Prozent Alkohol enthält. Des Weiteren werde „Opus“ nicht kältegefiltert, lediglich grobe Partikel würden herausgefiltert werden. „Ansonsten würde der Geschmack leiden.“

Bevor aber die ersten Flaschen im Dezember letzten Jahres ausgeliefert wurden, hatten die Macher schon sehr viele Vorbestellungen. „Wir hatten die Möglichkeit, unseren Gin auf der ‚Porte ouverte‘ des Weinguts ‚Schumacher-Lethal et fils‘ zu präsentierten. Zwar waren wir eigentlich noch nicht ganz fertig, die Flaschen hatten noch kein Etikett, doch wir wollten uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen“, erklärt Schammel. Dort sei „Opus“ so gut angekommen, dass die drei rund 330 Vorbestellungen bekommen hatten. Von da an stiegen Nachfrage und Produktionsvolumen.

Mittlerweile kann man „Opus“ in mehreren Geschäften sowie Lokalen kaufen und trinken. Eine genaue Liste findet man unter der Internetadresse www.opusbeverages.lu. Außerdem wird an diesem Samstag in der Bar „Go Ten“ das „Mini Gin Festival“ organisiert, bei dem man sich von „Opus“ überzeugen kann. Und in diesem Jahr wollen die drei Jungbrenner noch ein neues Produkt auf den Markt bringen. Was genau es sein wird, wollten die Macher noch nicht verraten.