LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Mobilitätsstudie „Luxmobil 2017“ liefert zum Teil überraschende Ergebnisse

Die Situation vor dem Ministerium für Nachhaltigkeit und Infrastruktur zeigte gestern Nachmittag deutlich, dass sich dringend etwas tun muss. Eine Verengung von zwei auf eine Fahrspur Richtung Oberstadt kurz vor der Roten Brücke sorgte für einen Stau, der zu einer „Fahrt“-Dauer von 50 bis 60 Minuten zwischen der „Auchan“-Tiefgarage und dem Parkhaus unter dem Europlatz führte…

Erste Studie seit 1996

Infrastrukturminister François Bausch wusste schon seit längerem, dass viele Verkehrsplanungen auf alten Zahlen beruhten, auf sehr alten Zahlen, die letzten stammten von 1996/1997.

Bausch hatte seinen Weg, dieser Misere eine Ende zu machen, im Februar der Presse vorgestellt. Um die Situation zu ändern, hatte er das Bonner Institut „Infas“ mit der Durchführung einer Mobilitätsbefragung beauftragt, das Erfahrung mit entsprechenden Befragungen in Deutschland und Österreich hatte. Es handelte sich um eine der größten Befragungen, die bisher in Luxemburg durchgeführt wurde. Im Inland wurden 40.000 Haushalte, die nach einem wissenschaftlichen Schlüssel ausgewählt wurden, angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen.

Von den rund 180.000 Grenzgängern wurden 45.000 einzeln angeschrieben. Die Kernfrage lautete vereinfacht: „Wer fährt wann warum womit wohin?“ Die Fragebögen wurden in fünf Sprachen (Luxemburgisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch und Englisch) vorgelegt. Der Aspekt der Einbeziehung der Grenzgänger war auch für „Infas“ Neuland. Das ganze erhielt den schicken Namen „Luxmobil.“ Die Rückläufe der Fragebögen aus den vier Ländern waren so hoch, dass die Umfrage auf jeden Fall repräsentativ ist.

Positives und Negatives

Für Minister Bausch gab es sowohl positive, als auch negative Überraschungen. So wurde der schon lange angestrebte Modalsplit 75/25 (Individualverkehr/Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) plus Rad) in verschiedenen Bereichen erreicht. Ein Problem ist die hohe Zahl von „Mami-Taxis.“ Allgemein steigt die Nutzung des ÖPNV seit 2012 an. Für Bausch ist klar: Ein gutes Angebot an Bus und Bahnen zieht eine gesteigerte Nutzung nach sich. Er rechnet übrigens damit, dass die Eröffnung des Bahnhofs „Paffenthal“ für Kapazitätsprobleme in den CFL-Zügen auf der Nordstrecke sorgt.

75/25 im Berufsverkehr

Der schon vor Jahren für 2020 angestrebte Modalsplit von 75/25 wurde im Berufsverkehr bereits erreicht. Die Quote des motorisierten Individualverkehrs liegt bei 73 Prozent, Nutzer des ÖPNV machen 19 Prozent, Radfahrer und Fußgänger zusammen acht Prozent aus. Die Spitzenzeiten mit rund 100.000 Einzelfahrten liegen zwischen 06.30 und 08.30.

Bei dienstlichen Fahrten hat das Auto immer noch den absoluten Vorrang mit 90 Prozent, allerdings verteilen sich die Fahrten gleichmäßig über den Tag und machen gegenüber dem Berufsverkehr nur einen Bruchteil des Verkehrsaufkommens aus. Eine negative Überraschung kam bei der Frage nach dem Schulweg zu Tage: 39 Prozent der Schulkinder nutzen Mamis Taxi, werden also mit dem Auto zur Schule gebracht. Ausgerechnet zu den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs. Hier sind nach Ansicht von Minister Bausch auch die Gemeinden in der Pflicht für bessere Schul- und Radwege für die Schüler zu sorgen. Natürlich sollte man auch das Problembewusstsein bei den Eltern wecken.

Auch die weiteren Zahlen zeigen, dass Luxemburg beim Modalsplit auf einem guten Weg ist und gerade das Fahrrad im urbanen Raum noch über ein hohes Zuwachspotenzial verfügt. Ganz unabhängig von der Umfrage verwies Bausch auch auf das weiterhin rasant steigende absolute Verkehrsaufkommen, das ein Problem ist. Auf den Autobahnen hat in diesem Jahr der Verkehr schon um acht Prozent zugenommen.

Laut François Bausch werden die Ergebnisse im April 2018 im Parlament diskutiert werden und im Mai werde er dann das Verkehrskonzept MODU 2.0 vorstellen.