LUXEMBURG
INGO ZWANK

Reittherapeutin Sabine Baumeister über tiergestützte Therapieformen

Alternative Medizin und Therapieformen sind Begriffe, denen lange Zeit viele Menschen skeptisch gegenüberstanden. Dabei können alternative Heilmethoden durchaus Wirkung zeigen. Ein Zweig ist die „tiergestützte Therapie“. Wir haben uns mit Sabine Baumeister unterhalten. Sie ist zertifizierte Reittherapeutin und schließt aktuell ihre traumatherapeutische Ausbildung ab, die sie in ihre Arbeit mit einfließen lassen will.

 

Frau Baumeister, was versteht man unter „tiergestützte Therapie“?

Sabine Baumeister Der Einsatz von Tieren in der Therapie hat eine sehr lange Tradition. Erste Berichte hierzu sind bereits im späten 8. Jahrhundert dokumentiert. Die „tiergestützte Therapie“ umfasst bewusst geplante pädagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren für Kinder, Jugendliche, Erwachsene wie Ältere mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen, Verhaltensstörungen und Förderschwerpunkten. Sie beinhaltet auch gesundheitsfördernde, präventive und rehabilitative Maßnahmen - dies aber immer begleitend, zusätzlich zu einer klassischen Therapie. Basis der tiergestützten Therapie ist die Beziehungs- und Prozessgestaltung im Beziehungsdreieck Patient, Tier und Bezugsperson. Sie beinhaltet Methoden, bei denen die Betroffenen mit Tieren interagieren, über Tiere kommunizieren oder für Tiere tätig sind. Ziele sind, die körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen wiederherzustellen und zu erhalten, sowie die Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung von Aktivitäten und Handlungen zu fördern. Natürlich ist hier der Umstand, das subjektive Wohlbefinden zu verbessern, ebenso ein Hauptziel der Therapie.

 
Sie selbst sind zertifizierte Reittherapeutin, haben fünf Pferde, die Sie in der Therapie einsetzen...

Baumeister Die Reittherapie nimmt eine besondere Stellung unter den tiergestützten Therapien ein. Zunehmend erkennen Ärzte, Pädagogen, Psychologen, Sprachtherapeuten und Krankengymnasten auch in Luxemburg beispielsweise bei ihrer täglichen Arbeit mit behinderten Menschen oder entwicklungsgestörten Kindern die heilenden Kräfte des Pferdes - auch wenn es immer schwer ist, den Erfolg unserer Therapiearbeit zu erfassen. Alle unsere Pferde werden daher intensiv auf ihre Aufgaben vorbereitet und nach ihren besonderen Talenten in der therapeutischen Arbeit von mir eingesetzt. Sie werden regelmäßig trainiert, damit sie selbst fit sind und es auch bleiben. Im Sommer leben sie in ihrer kleinen Herde mit ganztägigem Weidegang und auch im Winter verbringen sie ihren Tag gemeinsam draußen, auf einem befestigten, großen Paddock.

 

Warum setzten Sie Pferde ein? Was ist das Besondere an dieser Arbeit?

Baumeister Ein Aspekt ist hier die gemeinsame Geschichte von Mensch und Pferd. Pferde haben Menschen auf ihrem Weg zur Zivilisation begleitet und diese in großen Teilen sogar erst ermöglicht. Sie sprechen unsere Emotionen in ganz besonderer Weise an. Vom Rücken eines Pferdes übertragen sich darüberhinaus Schwingungsbewegungen auf den Reiter, die zu einem Bewegungsdialog zwischen Mensch und Pferd führen. Die rhythmische Bewegung des Pferdes stimuliert auf körperlicher wie auf geistiger Ebene und integriert den Bewegungsablauf in der Dreidimensionalen. Durch Bewegungsübungen auf dem Pferd verbessert sich der Muskeltonus, ohne dass sich der Patient allzu sehr anstrengen muss. Haltung, Gleichgewicht und Koordination werden somit spielerisch trainiert und Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Wir sind in Bezug auf die Therapie dazu da, Räume zu öffnen, damit ein jeder seine eigenen Lösungen finden kann. Dazu muss er therapeutische, pädagogische und psychologische Kenntnisse, aber auch fundierte Erfahrung im Umgang mit dem Pferd sowie umfassende reiterliche Kenntnisse haben.  ingo zwank

 

Mehr über das Angebot von Sabine Baumeister findet man in Netz auf www.equi-motion.lu