AGUAS CALIENTES/MACHU PICCHU
SIMONE MOLITOR

Der Besuch der Ruinenstadt Machu Picchu gilt als Höhepunkt jeder Perureise

Machu Picchu. Und Lamas. Ganz klar sind dies die Begriffe, die beinahe jeder wohl spontan auf die Frage „Was bringen Sie mit Peru in Verbindung?“ nennen würde. Tatsächlich gilt der Besuch der sagenumwobenen Inkastätte als absoluter Höhepunkt jeder Perureise und steht natürlich auch auf unserer Liste. Die Eintrittskarten haben wir lange vor unserem dreiwöchigen Trip organisiert und Plätze im Panoramazug reserviert. Immerhin sind wir nicht die einzigen, die dieses Weltwunder in der Hochsaison besuchen wollen.

Der lebhafte Touristenort Aguas Calientes ist der Ausgangspunkt für alle Erkunder der hoch oben in den Anden liegenden Ruinenstadt. Da die Ortschaft an keine Straße angebunden ist, erreicht man sie nur mit der Bahn. Wir steigen in Ollantaytambo ein, wo wir uns am Vortag bei der Besichtigung des dortigen imposanten Inka-Komplexes schon auf den Höhepunkt unserer Reise in die peruanische Vergangenheit eingestimmt hatten. Bereits die einstündige Zugfahrt ist ein faszinierendes Erlebnis. Gemächlich geht es mit Blick durch das gläserne Waggondach entlang des Río Urubamba mitten durch das satte Grün des Bergregenwalds, vorbei an kleinen Dörfern, schroffen Felsen und schneebedeckten Bergriesen. Eine wirkliche Schönheit ist Aguas Calientes nicht. Zu schnell musste der einst verschlafene Ort wachsen, um die Touristenmassen auf ihrer Zwischenetappe aufzufangen.

Aufbruch noch vor Sonnenaufgang

Zum Machu Picchu kann man übrigens auch über den Inkatrail - der ehemalige Versorgungs- und Nachschubweg der Inka - wandern. Für die mehrtägige 45 Kilometer lange Strecke in dieser Höhe muss man allerdings sehr fit sein. Das sind wir eindeutig nicht, verzichten deshalb auf die Tortur und verbringen die Nacht stattdessen in einem der vielen Hotels in Aguas Calientes. Zwei Stunden vor Sonnenaufgang reihen wir uns in die Schlange ein, die sich bereits vor der Busstation gebildet hat und stehen uns die Füße in den Bauch, bevor sich die ersten klapprigen Transportmittel gegen 5.30 Richtung Machu Picchu in Bewegung setzen. Hatten wir auch einen kurzen Augenblick darüber nachgedacht, zu Fuß hochzulaufen, so wird uns jetzt klar, dass es eine weise Entscheidung war, auf den Bus zu warten. Wahrscheinlich wären wir nie an unserem Ziel in 2.400 Metern Höhe angekommen.

Etwas skeptisch reihen wir uns erneut ein. Der Tumult ist bereits in den frühen Morgenstunden enorm. Uns schwant Böses. Werden wir die Inkastadt inmitten dieser Touristenscharen überhaupt genießen können? Im Gänsemarsch nehmen wir einer hinter dem anderen die ersten Stufen in Angriff. Und dann sehen wir ihn endlich vor uns: Umgeben von tropischen Wäldern ragt der dicht bewachsene, imposante Berg „Huayna Picchu“ (oder „Wayna Picchu“) 300 Meter hoch in den Himmel, eingehüllt noch in eine dichte Nebelwand. Still liegt in dessen Schatten die geheimnisvolle Felsenstadt.

Zu unserer großen Überraschung verteilen sich die zahlreichen Besucher schnell über das gesamte Areal der Stadtanlage, die von terrassierten Hängen umgeben ist. Wir bezwingen weitere Stufen und finden einen ruhigen Platz, um in schwindelerregender Höhe die Aussicht auf uns wirken zu lassen. Im weichen Licht der aufgehenden Sonne steigt der Morgennebel langsam empor und wird schließlich wie ein Vorhang weggezogen, fast so als würde die Ruinenstadt sagen: „Tadaa, da bin ich, in meiner ganzen Pracht, bestaunt mich, ergötzt euch an meiner Schönheit, nie wieder werdet Ihr etwas Prachtvolleres sehen!“. Wie eine kleine Diva. Und sie darf sich brüsten und eingebildet sein. Nie wieder werden wir diesen Anblick vergessen.

Rätselhafte Geschichte

Unzählige Fotos und zufriedene Seufzer später verlassen wir unsere Aussichtsplattform und steigen hinab, um die beeindruckenden Ruinen der Gebäude mit ihren fugenlosen Mauern und trapezförmigen Türen zu erkunden. Durch das gut erhaltende Tor „Huaca Punku“ - das „Heilige Tor“ - führt der Weg über Treppen zu den Wohnhäusern und schließlich weiter in das Palastviertel. Zwischendurch bleiben wir immer mal wieder kurz stehen, um unbemerkt den Erklärungen einer der vielen „Guides“ anderer Touristengruppen zu lauschen. Ungern hätten wir uns die ganze Zeit selbst von einem solchen weiterschleusen lassen. Ein paar aufgeschnappte Informationen zwischendurch schaden aber nicht. Bis heute ist übrigens wenig über die Inkastadt bekannt. Die Geschichte bleibt rätselhaft, auch wenn viele, teils sehr abenteuerliche Theorien kursieren. Auch wir fragen uns, wie man nur auf die Idee kommen konnte, in einer solchen Höhe eine ganze Stadt aufzubauen. Und wie das im 15. Jahrhundert überhaupt möglich war. In ihrer Hochblüte sollen bis zu 1.000 Menschen dort gelebt haben. Einer Theorie zufolge wurde sie um 1450 auf Befehl des Inka-Herrschers Pachacútec Yupanqui gebaut. Er regierte von 1438 bis 1471 und schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des mächtigen Inkareiches. Eine wenig spektakuläre Erklärung ist die, dass die in gemäßigtem Klima errichtete Stadt dem Inka-König in den kalten Andenwintern als Rückzugsort gedient haben soll. Natürlich war der Ort auch für eine Festung optimal gewählt, immerhin ist er an drei Seiten von steilen Felsen umgeben. Dem Geheimnis kommen auch wir an diesem Tag nicht auf die Spur, dafür hat die bekannteste Inkastätte überhaupt aber auf ewig ihre Spur in unserem Gedächtnis hinterlassen.


Die Tickets sollte man im Voraus kaufen (auch für die Zugfahrt), da die Anzahl der Besucher täglich auf 2.500 begrenzt ist. Geht es nach dem Willen der UNESCO, die das Machu Picchu-Gebiet 1983 zum Weltkulturerbe der Menschheit erhoben hat, soll die Zahl sogar auf 800 herabgesetzt werden, um weitere negative Auswirkungen auf die Inkastadt und ihre Umgebung zu vermeiden