MARCO MENG

Juncker tritt aus dem Euro aus. Ein Nachfolger ist aber noch immer nicht in Sicht, da man den Deutschen nicht haben will, trotz Rollstuhl. Derweil will Griechenland seine Schulden zurückkaufen, indem es für geliehene 100 Euro ganze 30 Euro bezahlt. Tolles Geschäftsmodell. Ein Beispiel für Luxemburg? Das Land - Staatsreligion: Pessimismus; oft anzutreffende Konfession: Wunsch nach Verstaatlichung - hat zwar seit neuestem seinen gepolsterten Sitz im UN-Sicherheitsrat, die Stimme des Landes ist aber nur ein Pieps im Vergleich zu dem Bariton der großen anderen.

Minister Schank, soeben in der Hauptstadt Katars zur Klimakonferenz eingetroffen, wird davon ein Lied singen können, zumal er ja Zeuge davon wird, was in Bezug auf das Klima falsch läuft: sein Hotelzimmer in der Wüstenstadt Doha wird mit angenehmen 20 Grad vollklimatisiert sein, und vielleicht geht er am Abend mit dem Halb-Schwager zwölften Grades des katarischen Außenshoppingministers Scheich ibn Al-Barrel bei angenehmen Null Grad im Indoor-Skiparadies Schlitten fahren. Viele in Luxemburg fürchten, ja zittern davor, dass der Minister meinen könnte, mit einer Erfolgsmeldung zurückkommen und einen neuen Investor präsentieren zu müssen.

Trotzdem wird die Auswahl immer kleiner, ja die Frage stellt sich, ob Luxemburg im allgemeinen und im besonderen Cargolux - heute soll die Verhandlung zu einem neuen Kollektivvertrag beginnen - noch viel auswählen kann, wenn es darum geht, wer investiert. Das Geschäftsmodell Luxemburg geht anscheinend seinem Ende entgegen: zumindest was Steuervorteile anbelangt. Könnten da Armbanduhren made in Luxemburg, also mit besonderen Zusatzfunktionen, zum neuen Exportschlager werden? Hoffen wir, dass nicht demnächst der Grand Duc mit Investoren für die luxemburgische Uhrenindustrie aufwartet. Welche Vorstellungen so mancher Luxemburger allerdings hat, wenn es darum geht, wie es wirtschaftlich laufen soll, kann mitunter schon erschrecken: bei der Diskussion um die Zukunft zweier lothringischer Hochöfen waren Stimmen zu hören gewesen, die allen Ernstes auch hier eine Verstaatlichung und Enteignung vom bösen Mittal gefordert hatten. Würde sich etwas wirtschaftlich lohnen, wäre Herr Mittal sicher der letzte, der es aufgeben würde. Dabei weiß ein jedes Kind, dass in verstaatlichten Frittenbuden die Pommes am schlechtesten schmecken. Wunsch-Wunschvorstellung-Realität: Ende November hatte der LCGB an Transportminister Wiseler und Wirtschaftsminister Schneider einen Katalog von 42 Fragen über die Situation von Cargolux, Luxair und den Findel geschickt - und wundert sich nun, dass diese Fragen noch immer nicht beantwortet sind. Andere wundert da nur, dass die Gewerkschaftler tatsächlich glaubten, ihre Fragen würden - am besten postwendend und detailliert - beantwortet werden.