NIC. DICKEN

Auch wenn die Welt sich unaufhaltsam weiterdreht, so gibt es doch zum Jahreswechsel gewisse Konstanten, die allerdings je nach geographischem Standort deutlich variieren. Während für viele von uns im komfortablen Europa „Dinner for One“ an Silvester und das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu festen, wenn auch oberflächlichen Ritualen geworden sind, müssen viele Millionen Menschen in anderen Regionen der Erde unter deutlich schwierigeren Bedingungen wie Hunger, Not, Bedrückung oder Krieg den Jahreswechsel über sich ergehen lassen, genauso konstant und scheinbar unabänderlich.

In Wahrheit aber sind weder die einen noch die anderen Begleitumstände zwangsläufig, sie entstammen allesamt bewusstem menschlichem Handeln, über das zwar in regelmäßigen Abständen, natürlich auch zum jeweiligen Jahreswechsel, viel gesprochen, wird, an dem sich aber von Jahr zu Jahr nur herzlich wenig, wenn überhaupt, verändert.

Dabei haben Entdeckungen und Entwicklungen in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft eigentlich alle Voraussetzungen geschaffen für würdige Lebensbedingungen für alle Menschen überall auf dem Planeten. Nur das mit dem gemeinschaftlichen, solidarischen und harmonischen Miteinander will einfach nicht klappen. Dem steht vor allem ein wesentlicher Unterschied im Weg, zugleich auch die wichtigste derzeitige Variable: Der Unterschied zwischen Armen und Reichen, ein Graben, der jedes Jahr breiter wird und in dem ein Streitpotenzial liegt, das - schon heute erkennbar - in naher Zukunft zu Auseinandersetzungen von unvorstellbaren Dimensionen führen könnte.

Auch wenn wir Feindbilder gerne auf einige wenige Köpfe à la Trump, Putin, Jong Un oder Kabila reduzieren möchten, so ist das Spektrum des alltäglichen (Größen-)Wahnsinns doch deutlich umfassender und hat nicht etwa nur mit der unstillbaren Gier einiger weniger zu tun, sondern auch mit der quasi stillschweigenden Duldung einer ganzen Reihe von maßgeblichen Lenkern, die sehr wohl an diesen Tatbeständen etwas ändern könnten, dies aber, bedauerlicherweise zumeist aus schierem Opportunismus, nicht tun.

Die Zeit für „gute“ Vorsätze beschränkt sich keineswegs auf den Jahreswechsel, sondern sollte Bestandteil des alltäglichen Lebens sein. Auch die Möglichkeit zum Handeln ist keineswegs einer Minderheit vorbehalten. Jeder hat das ganze Jahr über vielleicht nicht jeden Tag, aber dennoch öfter als man es glauben mag, die Möglichkeit, durch eigenes Verhalten oder Agieren den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Wir wagen es nicht, in dieser Hinsicht höhere Erwartungen an das Jahr 2018 zu stellen als an andere Vorläufer.

Aber lange vor unserer Zeit wusste der (leider nicht zu) oft zitierte chinesische Philosoph Laotse: „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ Es mag weltfremd und sinnlos erscheinen, einen neuen Ansatz für eine bessere Welt, ein besseres Leben für alle Menschen zu unternehmen.

Aber probieren kann man es allemal.