LUXEMBURG
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Mit diesem Interview starten wir unsere Serie „Kandidatengespräche“. Bis zu den Wahlen werden an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen Anwärter Rede und Antwort stehen. Den Anfang macht Nicole Sibenaler, 42, aus Mamer. Sie ist Angestellte bei „Ponts&Chaussées“ und Präsidentin von „Daaflux“ und tritt für die DP im Bezirk Süden an.

Was hat Sie dazu motiviert, Ihre Kandidatur für diese Parlamentswahlen zu stellen?

Ich setze mich seit vielen Jahren aktiv für die Inklusion in der Gesellschaft ein. Das Zusammenleben/Zusammenarbeiten/Zusammenlernen von Menschen mit und ohne Behinderungen muss vielmehr zur Selbstverständlichkeit werden, mehr Menschen mit Behinderungen sollten in der Politik mitmachen und Menschen mit Behinderungen sollen Zugang zu einer bestmöglichen Bildung bekommen. Die Kandidatur bei den Parlamentswahlen ermöglicht es mir, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren im Umgang mit Menschen mit Behinderungen und sie auf die Barrieren aufmerksam zu machen, denen diese Menschen im Alltag begegnen und die sie immer wieder bewältigen müssen.

Warum gerade in der Demokratischen Partei? 

Die DP hat sich sehr für Gehörlose eingesetzt und setzt sich für eine inklusive Gesellschaft ein, in allen Bereichen! Die DP fragte mich, ob wir zusammenarbeiten. Das gefiel mir sehr gut. Zusammenarbeiten und nicht einfach „ohne uns über uns“. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, in der ich nicht mehr am Rande der Gesellschaft lebe, sondern mittendrin, wo meine Meinung gefragt, geschätzt und auch teilweise umgesetzt wird! In den letzten fünf Jahren hat die DP sich viel für Behinderte eingesetzt und hat es in der Zeit geschafft, dass die deutsche Gebärdensprache endlich anerkannt wurde, nachdem wir jahrelang dafür gekämpft und uns dafür eingesetzt haben.

Weshalb ist es für Sie wichtig, dass das Wahlprogramm in Leichte Sprache übersetzt wird?

Die Leichte Sprache ist sehr wichtig, weil jeder das Recht hat, alle Informationen zu erhalten! Jeder Bürger hat das Recht, selbst Informationen zu holen, um herauszufinden, welche Partei er gut findet und wählen will. Das Wahlprogramm wird so zugänglicher für alle, egal ob mit oder ohne Behinderung. Für die DP ist Inklusion ein Menschenrecht. Es ist zentral, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Jeder Bürger soll überdies ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Das DP-geführte Familienministerium hat den Inklusionsgedanken in der vergangenen Legislaturperiode weiter vorangetrieben und die im Jahr 2011 ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention konsequent umgesetzt. 

Müssten nicht mehr politische Inhalte für Bürger mit einer Behinderung zugänglich gemacht werden, nicht nur Wahlprogramme, sondern auch etwa die Inhalte auf den Webseiten des Parlaments und anderer Institutionen sowie auf den Seiten der Parteien?

Ja, es muss noch viel aufgebaut werden. Unsere Gesellschaft muss offener, toleranter und barrierefrei zugänglicher werden - so muss noch viel von UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt werden. Viele sind sich dieser Problematik nicht genug bewusst oder nehmen sie nicht ernst. Die Menschen mit Behinderungen sollten in der digitalen Welt die gleiche Chance zur Nutzung des Internets haben. Die Vereinten Nationen haben bereits im Juni 2016 den Zugang zu Informationen im Internet zu einem Menschenrecht erklärt. Informationen sind wichtig, um Wissen zu erlangen! So habe ich bereits oft unterschiedliche Parteien und Gemeinden darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Internetseiten beispielsweise nur auf Französisch sind. Gehörlose, aber auch andere Menschen, können das nicht unbedingt verstehen. Luxemburg hat drei Amtssprachen, so sollen diese auch zugänglich sein auf den unterschiedlichen Webseiten! Wichtig finde ich auch Untertitel für alles! Das ist nicht nur hilfreich für Hörgeschädigte, sondern generell für Senioren mit nachlassender Hörfähigkeit oder für Ausländer, die eine fremde Sprache lernen wollen. Wir leben in einer digitalen Welt und es gibt viele Möglichkeiten mit vielen Zugänglichkeiten.