ROSPORT/BORN
INGO ZWANK

Aktionsplan für Äpfel, Birnen und Co.: Das einzigartige Kulturgut muss gesichert werden

Rund 2.000 neue Obstbäume wurden in den letzten 15 Jahren in Rosport und Mompach angepflanzt, rund 10.000 stehen nun in der Gemeinde Rosport-Mompach, was rund zehn Prozent der ganzen Bäume im Land ausmacht. Im Osten des Landes stehen rund 50 Prozent der Obstbäume des Großherzogtums. Hier lebt der Obstanbau noch - und er soll weiter gefördert werden.

Der Aktionsplan „Bongert“ der Regierung soll helfen, das landschaftliche Charakterelement im Osten Luxemburgs auf mehreren Ebenen wieder mit neuem Leben zu erfüllen, wie gestern Umweltministerin Carole Dieschbourg und Rosports Bürgermeister Romain Oswald auf einer Pressekonferenz in einer Streuobstwiese in Born ausführten. „Für diese Vorstellung gibt es wohl keinen schöneren Platz als hier oberhalb des Sauertals“, schwärmte der Bürgermeister über seine Gemeinde.

Renaissance einer fast vergessenen landwirtschaftlichen Aktivität

Das Ziel: „Die Renaissance einer fast vergessenen landwirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aktivität und einer wichtigen Kulturlandschaft“, wie Dieschbourg sagte.

Die Bongerten stellen bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine wichtige ökonomische Einkommensquelle für die Landwirtschaft dar, „besonders im klimatisch begünstigten Osten Luxemburgs prägten die Hochstammobstbäume die Landschaft und brachten Früchte bester Qualität hervor“, so Oswald. Gar ins Ausland wurde diese Qualität exportiert. Im Lauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderten sich die Produktionsschwerpunkte aber. Der Plantagenobstanbau wurde auf Kosten der Bongerten gefördert. Mehr und mehr dehnten sich die Siedlungsgebiete aus, was den Rückgang des „Kulturguts Bongert“ zur Folge hatte. So war der Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu größeren und leistungsfähigeren Maschinen ein weiterer Grund für den Rückgang.

„Denn wenn ein Obstbaum verschwunden war, wurde er nicht mehr ersetzt“, sagten Marc Thiel von der biologischen Station SIAS als auch Mikis Bastian von der biologischen Station Naturpark Mellerdall. Dies hatte zur Folge, dass sich der Luxemburger Bongertenbestand von etwa 1,2 Millionen Bäumen Anfang des 20. Jahrhunderts sehr stark reduziert hat. „Damit ging der typische Aspekt der Landschaft und auch der Reiz verloren, auch Tier- und Pflanzenarten drohten, auszusterben.

Ein guter Grund also für das Projekt „Bongerten“. Seit Beginn der ersten Pflanzaktion - vor mehr als 15 Jahren - wurden auf diese Weise zwischen 10.000 und 12.000 Hochstammbäume im Osten gepflanzt. In den letzten Jahren wurden über die biologischen Stationen in den 27 teilnehmenden Partnergemeinden jährlich zwischen 1.000 und 1.300 Bäume gepflanzt.

Die biologischen Stationen Naturpark Mellerdall und SIAS haben so zusammen mit natur&ëmwelt ein Netzwerk verschiedener Obstsortenbongerten gepflanzt, in denen seltene Obstsorten in einem Bongert vereint sind. „Nach Auswertung alter Obstbaumkataloge wurden in Luxemburg etwa 400 Obstsorten kommerzialisiert“, sagte Thiel.

Darunter eben Apfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und auch Mirabellen. Daneben wurden rund 130 Obstsorten in Umlauf gebracht, die eher in Gärten gepflanzt wurden: Quitten, Sauerkirschen, Pfirsiche oder auch Aprikosen. So wurden aufgrund der Erhebung bis dato landesweit 750 Obstsorten erfasst, wie Thiel weiter erzählte. Davon wurden in Baumschulen rund 400 Sorten vermehrt, die wieder angepflanzt werden konnten, „was dem Erhalt der alten Sorten dient.“ Doch der Erhalt der Sorten stelle auch einen guten Aspekt für den Konsumenten dar. „Stichwort Unverträglichkeit“, sagte Georges Moes von „natur&ëmwelt/SEED“.

So soll die Moderne mit der alten Kultur des Obstanbaus kombiniert werden, was durch die biologischen Stationen umgesetzt wird, „damit unser Reichtum - an Bongerten und Sortenvielfalt - erhalten bleibt und die aktuelle Dynamik weiter vorangetrieben wird“, sagte Dieschbourg - dies nicht zuletzt mit den lokalen Anbietern.

Neben der Beratung bieten die Stationen Weiterbildungskurse an, darunter Schnittkurse für Jung-, Alt- und Spalierbäume sowie Veredelungskurse; damit soll das Wissen um die Bongertenpflege vor dem Aussterben bewahrt werden. Auch wurde eine Broschüre aufgelegt, die die Vielfalt der Nutzpflanzen in Luxemburg darstellt.