LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwalt fordert zwölf, 15 und 17 Jahre Haft für Home-Jacker

Der 23-jährige Rumäne G. steckte im April 2014 zwei anderen Rumänen die Nachricht zu, dass ein Landwirt in seinem Haus in Berg 100.000 Euro versteckt haben soll. Die Versuchung, dem Glück illegal auf die Sprünge zu helfen, war groß. Das Geld wollte sich das Trio laut Anklage einverleiben. Sie drangen am Ostermontag 2014 nachts gewaltsam in das Einfamilienhaus in Berg ein, so führt es die Anklage aus. Für den Landwirt M. beginnt ein Martyrium.

Als sie in der Wohnung waren, drückte einer der Männer dem Landwirt die Hand auf den Mund, sie warfen das Opfer zu Boden und fesselten die Hände mit Klebeband auf den Rücken. Der Mann wurde an einen Sessel gebunden und der Mund mit Klebeband zugeklebt. Mehrfach traten die Täter auf ihr Opfer ein, bedrohten den Mann mit einem Messer und forderten Geld. Da der Landwirt das Versteck nicht verrät, soll einer der Täter ihn mit einer 60 Zentimeter langen Eisenstange attackiert und geschlagen haben. Der Landwirt ergibt sich seinen Peinigern, diese flüchten mit wenig Bargeld sowie Schmuck und zwei Uhren. Dem Landwirt gelang es, sich selbst zu befreien und Hilfe zu holen. Später werden zwei Räuber in Rumänen und einer in Luxemburg von der Polizei gefasst. Von einem Täter hatte man DNS-Spuren in der Wohnung gefunden.

Bereits ordentlich vorbestraft

Im Prozess konnte sich niemand an eine Eisenstange erinnern. Auch wer den Landwirt geschlagen hatte, war anfangs unklar. Doch die Vorsitzende Richterin der Kriminalkammer Luxemburg wollte es am Dienstag etwas genauer wissen. Der Sachlichste im Einbrecher-Trio ist der 37-jährige M.. Was er am Dienstag sagte, klang durchaus überzeugend. Noch in der ersten Verhandlung hatte er alles bestritten, dann wollte er sich einsichtig zeigen. Am Dienstag gab er sein „Täterwissen“ preis. Er war der Fahrer der Bande. Der Zweite im Bunde ist der 42 Jahre alte Florin S.. Mit den Gerichten hat er seit „ewig“ zu tun. Von seinem bisherigen Leben hat er siebzehn Jahre im Knast verbracht. Er belastete G., den Landwirt brutal geschlagen und mit einem Messer bedroht zu haben, gibt ferner an, den Mann selbst nur mit der Hand geschlagen zu haben. Nicht mit den Fäusten, sagte er – und er bittet für diese Taten im Prozess um Entschuldigung.

Der dritte Räuber G. redete dagegen in der Vernehmung ziemlich hastig drauflos. Auch er ist 19 Mal vorbestraft. Er, der mit dem Spitznamen „Ungar“ versehen ist, ist 23 Jahre alt und soll den Landwirt mit der Eisenstange geschlagen haben. Aggression dürfte hier eine wesentliche Rolle für die Tat gespielt haben.

Am Ende der Verhandlung war auch Verteidiger Pim Knaff nicht überrascht: „Mein Mandant S. war nie der Aggressivste“, sagte er. Sein Mandant hätte ein volles, umfassendes Geständnis abgelegt. Das sollte beim Urteil in Betracht gezogen werden.

Am Mittwoch stellte Philippe Stroesser, Verteidiger von M., in seinem Plädoyer die unterschiedlichen Versionen infrage, die die zwei Angeklagten vor Gericht vorgebracht hatten. Sein Mandant sei der einzige, der vor Gericht die Wahrheit erzählt habe. Er hätte sich verraten gefühlt. Er sei zwar ein Dieb, Home-Jacking sei aber nicht seine Welt. M. sei kein gewalttätiger Mensch. Bewiesen sei auch, dass er das Opfer nicht geschlagen habe. Stroesser forderte mildernde Umstände für seinen Mandanten, denn er hätte keine Waffen bei sich gehabt. Von den drei Angeklagten sei er derjenige, der am wenigsten aggressiv gewesen sei.

Verteidiger Philippe Sylvestre beantragte auch mildernde Umstände für seinen Mandanten. Denn es sei nicht bewiesen, dass G. der Anführer der Bande sei.

Der Staatsanwalt dagegen führte aus, dass die Täterbeschreibung auf die Beschuldigten passe. Darüber hinaus hätten die drei den Raub zusammen begangen und seien ein eingespieltes Team. „Es handelt sich um Berufsverbrecher, die mehrfach einschlägig vorbestraft sind. Diese Leute kennen keinerlei Rücksicht. Die Verbrecher zeigten eine sehr hohe kriminelle Energie“, so der Anklagevertreter. Zugunsten der Beschuldigten spreche eigentlich nichts. Der Staatsanwalt hielt an der Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Gewalt fest. Für den Bandenchef G. beantragte der Anklagevertreter 17 Jahre Haft, für S. 15 und für den Fahrer zwölf Jahre Haft.

Das Urteil fällt am 13. Dezember 2017.