LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Christopher Robin“: Die Ursprünge einer besonderen Freundschaft

In England waren die Geschichten vom Bär Winnie Puuh und seinen Freunden bekannt und beliebt. Der britische Schriftsteller Alan Alexander Milne erfand sie im Jahr 1926 für seinen Roman „Winnie-the-Pooh“, der von Ernest Howard Shepard illustriert wurde. Es folgten drei weitere Bücher mit den Abenteuern des Bären, seinen tierischen Freunden und dem Jungen Christopher Robin im „Hundred Acre Wood“. Walt Disneys Töchter kannten die Geschichten und erzählten ihrem Vater davon. Fünf Jahre nach dem Tod von Milne kaufte Disney 1961 die Filmrechte. Erst sollte ein Spielfilm entstehen, dann aber entschied er sich für einen animierten Kurzfilm, „Winnie the Pooh and the Honey-Tree“, weil die Figur in Amerika nicht so bekannt war.

Erst 2000 kam mit „The Tigger Movie“ ein abendfüllender Animationsfilm in die Kinos. Mit „Saving Mr. Banks“ haben die Disney-Studios die Entstehung des Filmklassikers „Mary Poppins“ erzählt, und nun gehen sie mit dem teils animierten Realfilm „Christopher Robin“ auf die Trennung von Christopher und seinen Freunden ein.

Probleme über Probleme

Christopher Robin (Orton O’Brien) muss seinen tierischen Freunden Winnie, dem Schweinchen Piglet, dem Esel Eeyore, dem Tiger Tigger, dem Hasen Rabbit, der Eule Owl und den Kängurus Kanga und Roo schweren Herzens auf Wiedersehn sagen. Er wird von seinen Eltern auf ein Internat geschickt, wird erwachsen (nun: Ewan McGregor), heiratet Evelyn (Haley Atwell), bekommt eine Tochter Madeline (Bronte Carmichael) und muss in den ersten Weltkrieg ziehen. Nach dem Krieg arbeitet er in der Firma von Giles Winslow (Mark Gatiss), die Koffer herstellt. Winslow beauftragt Christopher damit, sich Sparmaßnahmen einfallen zu lassen, da es sonst zu Entlassungen kommen wird. Zuhause sind die Beziehungen zu Frau und Tochter angespannt, zumal er jetzt nicht mit ihnen übers Wochenende in sein Elternhaus fahren kann.

Emotionen auf der Leinwand

Zeitgleich sind Winnies Freunde verschwunden. Der Bär irrt durch den Wald auf der Suche nach ihnen. Er betritt Christophers früheres Baumhaus, und er kommt in einem Londoner Park heraus, vor Christophers neuem Zuhause. Beide begegnen sich, aber die Freude ist bei Christopher nicht sonderlich groß. Er begleitet seinen einst besten Freund zurück in den Wald, aber anstatt ihm bei der Suche nach seinen vermissten Freunden zu helfen, will er schnellstens zurück nach London. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Regisseur Marc Forster kam in Bayern auf die Welt und wurde durch Filme wie „Monster’s Ball“, „Finding Neverland“, „The Kite Runner“ und „Quantum of Solace“ bekannt. Er weiß unter anderem, wie man Spannung aufbaut, und er versteht es, viele Emotionen auf die Leinwand zu zaubern.

Gefühlvoller Mix aus Ernst und Humor

Die Tiere sind Plüschtiere, die per Hand oder Computer animiert werden. Winnie mit seinen dunklen Glasaugen sieht je nach Gefühlszustand traurig oder erfreut aus, ohne dass groß an seiner Mimik gebastelt wird. So entstehen mit Hilfe klassischer oder digitalee Animation und dem schauspielerischen Talent von Ewan McGregor ein paar großartige Momente, die berühren. Wie die Szene, in der Christopher erkennt, wie sehr er Winnie mag. Schließlich begegnet auch Madeline den Tieren. Ihr wird durch sie bewusst, wie sehr ihr Vater unter dem Druck seines Chefs leidet. Sie und die Tiere wollen Christopher helfen, was zu ein paar turbulenten und lustigen Momenten führt.

Überhaupt ist die Mischung aus Humor und ernsthaften Szenen über die ganze Spielzeit von 104 Minuten ausgezeichnet geglückt, so dass man sich „Christopher Robin“ nicht entgehen lassen darf. Der Film wendet sich eher an ältere Jugendliche und Erwachsene, denn Kinder werden die Geschichte nicht wirklich verstehen.