LUXEMBURG
DANIEL OLY

Saisonfinale: „Hitman“ bringt sein erstes Jahr erfolgreich hinter sich

Viel wurde aus der Entscheidung gemacht, den neuen „Hitman“-Titel in einem Abo-Modell zu veröffentlichen und damit jeden Monat neue Inhalte zu bieten, statt alle Levels und Missionen auf einen Schlag zu bringen: So konnten Nutzer einen „Season Pass“ kaufen, der Monat für Monat neue Missionen freischaltete. Im März hatte das „Journal“ bereits einen ersten Blick auf den Titel geworfen und konstatierte damals neben einer soliden Basis viel Potenzial, um aus dem Auftragskiller-Spiel einen der richtigen Kracher des Jahres zu machen. Die Season endete vor knapp einem Monat; Grund genug, das Jahr Revue passieren zu lassen.

Kreativer Freiraum zum Morden

Erste Bestandsaufnahme: Für Abwechslung war auf jeden Fall gesorgt. Nach der ersten Mission in Paris, die dereinst den Auftakt gab, ging es unter anderem an die italienische Mittelmeerküste, nach Marrakesch, Bangkok und jüngst nach Japan, zum Berg Fuji. Jede neue Location setzte dabei den Trend fort, der damals in Paris vorgelegt wurde: Die Levels sind riesengroß, erstrecken sich über große Außen- und Innenareale, verwinkelte Geheimverstecke und bieten mehr als genug Möglichkeiten, die Auftragsmorde Wirklichkeit werden zu lassen. Ob mit explodierenden Kameras, mit der Garrotte aus dem Hinterhalt, durch herunter stürzende Lautsprecher oder als Axtmörder - oder ganz klassisch als Schütze - die „Hits“ haben mehrere Lösungsmöglichkeiten, die der Spieler kreativ nutzen kann. Spezielle Achievements für besonders kreative Morde erhöhen den Wiederspielwert.

Beim Release vor fast neun Monaten war denn auch die größte Befürchtung, dass sich die einzelnen Missionen nur geringfügig voneinander unterscheiden könnten - eine Befürchtung, die sich zum Glück nicht bewahrheiten konnte: Die Zielpersonen verhalten sich allesamt unterschiedlich, sind mal ständig unterwegs oder halten sich immer in einem stark gesicherten Raum auf. Das macht unterschiedliche Taktiken notwendig, kein Level spielt sich gleich. Das liegt auch daran, dass die Architektur immer mal anders ist: Mal geht es mehr in die Höhe (wie im Hotel in Bangkok), dann erstreckt es sich wieder über eine riesige Fläche.

Auch gut: Die Szenarien werden immer ausgefallener, die Aufträge immer schwerer. Es gibt eine klar erkennbare Lernkurve, die neue Features langsam, aber stetig einbaut: Ging es in der ersten Mission noch „nur“ um einen Doppel-Auftragsmord, muss in der zweiten Mission schon zusätzliche Drecksarbeit erledigt, wichtige Forschungsarbeit entwendet werden. Zugegeben: Da wildert „Hitman“ ein bisschen zu sehr in Spionage-Thriller-Gewässern, verkehrt ist der Ansatz aber nicht.

Lebendige Community

Damit auch nach „getaner Arbeit“ keine Langeweile aufkommt, gibt es benutzergenerierte Aufträge und auch Zusatzmissionen wie die „Elusive Targets“, bei denen man nur einen Versuch hat - und unter Zeitdruck steht. Während diese Missionen offiziell eingereicht werden, lassen sich mit einem Missionsgenerator auch für andere Mitspieler selbst Aufträge fertigen. Das Resultat: Wer von den „Hits“ nicht genug kriegen kann, aber schon alle erdenklichen Szenarien durchgespielt hat, der findet mehr als genug zusätzliche Inhalte, um am Ball zu bleiben. Ein Ranglistensystem, das Punkte untereinander vergleicht, spornt dabei fast zum Wettbewerb an. Die Community um das Spiel lebt also durchaus, was sich auch an den vielen veröffentlichten „YouTube“-Clips zeigt, die bestimmte Taktiken und Szenarien zeigen: Die „Suit Only“-Errungenschaften beispielsweise, also den erfolgreichen Abschluss ohne Verkleidungen. Das System, das sich die Entwickler einfallen ließen, kann sich also durchaus sehen lassen. Die erste Season: Durchaus ein Erfolg.

Gute Aussichten

Vor einigen Wochen stellten die Entwickler deshalb bereits eine zweite Season in Aussicht: Weitere Missionen sollen folgen, die Geschichte soll weiter erzählt werden. Das macht Sinn, schließlich hat man mit dem bestehenden System eine mehr als solide Grundlage und kann sich eine radikale Neuentwicklung sparen: Statt um der Evolution Willen etwas zu verändern, was ohnehin gut funktioniert, baut man lieber neue Inhalte ein - grundsätzlich also nicht verkehrt. Wenn der Preis dann auch wieder stimmt, spricht für Fans des Titels nichts mehr gegen einen Kauf. Die Angst, ein Jahrespass könne letztlich nicht die nötige Qualität bieten, kann nach der erfolgreichen ersten Season durchaus begraben werden. Für Action-Fans unbedingt zu empfehlen.