NIC. DICKEN

Auf die Frage, was im Lande Luxemburg derzeit noch rund läuft, findet man sehr schnell und ohne fremde Hilde eine Antwort: Nichts mehr! Mit der unrühmlichen Abhör-Affäre um Großherzog und Staatsminister hat die „Gouvernance“ auf höchster Ebene eine gehörige Schlappe erlitten, Streitereien um Cargolux, Banken und Stahlbetriebe zeigen, dass wir uns wirtschaftlich das Heft aus der Hand haben nehmen lassen, im Bildungswesen wird um Konzepte gestritten, anstatt dass Werte, Wisssen und Denkvermögen vermittelt werden, im Sozialbereich wird der Zwist zwischen den Generationen geschürt anstatt endlich die verfügbaren Mittel auf die wirklich Bedürftigen zuzuschneidern, führt die Beschäftigungspolitik weiter an den Realitäten des Arbeitsmarktes vorbei. Und die jüngste Entwicklung der Staatsfinanzen, als Basis für eine entschlossene und effiziente Zukunftsgestaltung, lässt auf Jahre hinaus jegliche Hoffnung auf eine dauerhafte Sanierung schwinden.

Nein, es ist Ende 2012, für das uns ja auch schon mal der Untergang der Welt prophezeit worden war, um das reiche und nach innen doch so uneinige Luxemburg nicht sonderlich gut bestellt, die weiteren Aussichten bleiben sehr bescheiden. Das Schlimme an all diesen unerfreulichen Tatbeständen ist nämlich der Umstand, dass es sich in den allermeisten Fällen keineswegs um unausweichliche Fatalitäten handelt, sondern vielmehr um das Ergebnis der völlig falschen Orientierung einer Politik, die sich seit einigen Jahrzehnten daran gewöhnt hatte, den wie selbstverständlich auf das Land hereinprasselnden Reichtum zu verwalten, anstatt frühzeitig mutige und klare Schritte für die Zukunft unter völlig neuen Voraussetzungen in die Wege zu leiten.

An warnenden und mahnenden Stimmen hat es in den letzten Jahren nicht gefehlt, selbst wenn man auf politischer Ebene die in eigenen Verwaltungen und in eigens bestellten Studien und Untersuchungen festgestellten Realitäten übersehen haben sollte. Nicht nur Berufskammern und Verbände, sondern auch Statec und BCL wurden nicht müde, vor der heute erreichten Lage zu warnen und immer wieder den notwendigen Reformeifer anzumahnen.

Es mutet an wie blanker Hohn, wenn derzeit maßgebliche Mehrheitspolitiker glauben unterstreichen zu müssen, sie wollten auch weiterhin der Generation der heutigen Jugendlichen in die Augen blicken können. Wohl selten zuvor wurden Jugendliche in entscheidenden Bereichen auf so unverschämte Weise belogen und irregeführt, wie dies im Augenblick geschieht.

Man wird ganz einfach den Eindruck nicht los, als hätte die aktuelle Regierungsmehrheit längst schon die Suche nach wirksamen Lösungen aufgegeben und einzelne, zumindest im Ansatz erkennbare Bemühungen um nachhaltige Reformen wieder eingestellt. Nach uns die Sintflut!

Das Ziel ist nur noch der Wahltermin in knapp 18 Monaten, wenn man sich beim Wähler die Zustimmung zu einem weiteren Mandat abholen will und dabei vor allem auf dessen leider weit verbreitete Vergesslichkeit setzt. Augen zu und durch!