LUXEMBURG
SVEN WOHL

Auch Kunsttherapie kann vielen Menschen helfen

Die Kunsttherapie gehört zu den alternativen Therapien, die es bereits länger gibt. Wir haben ein Gespräch mit der Kunsttherapeutin Ania Polfer geführt.

Wie funktioniert die Kunsttherapie?

ANIA POLFER Es handelt sich um eine Therapie, die Kunst als Medium hat. Zuerst findet ein Vorgespräch statt, um herauszufinden, welche Probleme der Kunden beziehungsweise Patienten hat und wie man am besten mit diesen umgeht. Es ist dann der Kunde, der künstlerisch aktiv wird, der Kunsttherapeut funktioniert hier eher als Begleiter. Oft hilft es, die Probleme künstlerisch zu visualisieren. Eine Veränderung im Visuellen kann eine Veränderung im Unterbewusstsein nach sich ziehen.

 

Was ist das angestrebte Resultat?

POLFER Das hängt von den Problemen ab, mit denen die Kunden beziehungsweise Patienten zu mir kommen. Die einen sind lösbar, bei anderen muss man lernen, mit ihnen umzugehen. Ich kann keine körperlichen Krankheiten heilen, aber ihnen helfen, damit umzugehen.

 

Welche Probleme sind am häufigsten?

POLFER Tendenzen kann ich nicht wirklich feststellen, doch ich habe mich spezialisiert, um mit Hochbegabten zu arbeiten.

 

Wie verträgt sich Kunsttherapie mit anderen Therapieformen?

POLFER Ganz gut. Einige Zeit gab es das Gerücht, Kunsttherapeuten würden den Psychologen Arbeit wegnehmen, aber das stimmt nicht. Tatsächlich können Kunden beziehungsweise Patienten von einem Austausch zwischen dem Kunsttherapeuten und den Psychologen profitieren.

 

Wie sind Sie dazu gekommen, diese Ausbildung zu absolvieren?

POLFER Die ist während meines Kunststudiums gekommen. Da habe ich schon bemerkt, dass der Ausdruck durch die Kunst einem richtig gut tun kann. Zusätzlich hat mich der Options-Kurs „Interprétation de dessins d’enfants“ in die Richtung gebracht. Als ich wieder nach Luxemburg gekommen bin, habe ich in der Zeitung ein dementsprechendes Angebot gesehen.

Leider fehlt der Ausbildung, die ich an der Universität Luxemburg absolviert habe, weiterhin die Anerkennung: Das Diplom ist staatlich anerkannt, der Berufszweig jedoch nicht. Dabei wurde das versprochen! All jene, die diese Ausbildung absolviert haben, hängen aktuell ziemlich in der Luft.

 

Gibt es unter Ihren Kunden Menschen, die Vorurteile gegenüber der Kunsttherapie haben?

POLFER Durchaus. Es gibt viele, die glauben dass das nur etwas für Kinder ist. Auch muss ich Kunden beziehungsweise Patienten davon überzeugen, dass Kunsttherapie eine seriöse Arbeit ist, bei der wir keine Malbücher ausmalen, die aus reinen Marketinggründen den Titel „Art-Thérapie“ tragen.

 
Was passiert mit den Werken?

POLFER Die gehören den Kunden beziehungsweise Patienten. Deren Zukunft hängt von ihnen ab: Manche nehmen sie mit, andere nicht, einige zerstören sie sogar. Die Zerstörung kann da durchaus Teil der Therapie sein. Es geht hier nicht darum, schöne Bilder zu malen – es sind alles Therapiebilder!  sven wohl