CORDELIA CHATON

Wer in Kambodscha vom Flughafen der Hauptstadt ins Zentrum fährt, sieht überall leere Neubauten, manche noch im Rohbau. Die Einheimischen wissen, warum: Chinesen bestechen Politiker und waschen ihr Geld. Und sie legen es an, kaufen Firmen, Boden, Land.

Nun ist Kambodscha klein und weit weg und so mancher Politiker mag es nicht glauben. Schließlich wirkt Xi Jinping bei Auftritten immer leutselig lächelnd, gar nicht so wie ein furchteinflößender Bedroher. Dabei kommt das der Realität viel näher.

Der 64-Jährige, der gerade zum mächtigsten Mann des 1,3-Milliardenvolkes gewählt wurde, hat alle Gegner vorher schachmatt gesetzt und klar gemacht, dass es nichts wird mit der Idee, dass freier Handel auch zu freier Meinungsäußerung führt. Tatsache ist: Die Partei hat den Staat übernommen. Gnade den Kritikern.

China wird von einem Autokraten regiert, so lange dieser es will. Es wird weiterhin Rohstoffe, Technologieunternehmen und Land aufkaufen und seine Vertreter werden dabei höflich lächeln, nicken und auf die Seidenstraßeninitiative verweisen. Doch hinter dem Handelsangebot mit dem soften Namen verbergen sich knallharte nationale Interessen. Damit die auch anderweitig durchgesetzt werden, will China will bis zum Jahr 2049 ein Militär der „Weltklasse“ aufbauen, das „Kriege führen und gewinnen“ kann. Kein Wunder also, dass Chinas Militärausgaben auch dieses Jahr wieder kräftig steigen: Um 8,1 Prozent. Indien, mit dem es einen Grenzstreit vom Zaun gebrochen hat, fürchtet die Leute aus dem Land des Lächelns ebenso wie Japan, mit dem schon lange ein Inseldisput tobt. Selbst Nordkorea scheint Hilfe bei Trump zu suchen, weil der einstige Freund China die Genossen jetzt im Würgegriff hält. Nichts, auch nicht deren Atommacht, soll den chinesischen Machtanspruch in Frage stellen. Anders ist die Einladung an Trump kaum zu erklären.

Neben Xi Jinping gibt es noch den Autokraten Putin, der Russland seit 18 Jahren zeigt, wie Demokratie nicht geht, massiv aufrüstet und alles tut, um Europa zu destabilisieren. Das reicht von Wahlfälschungshilfe über die Unterstützung von Brexit-Gegnern, Kredite für französische Populisten unter Le Pen oder Lustreisen deutscher AfD-Kader zum syrischen Diktator. Europa schaut zu, wie Russland in Syrien seine Interessen militärisch durchsetzt und prahlt, die Krim gäbe es nie wieder zurück.

In einem solchen Umfeld wünscht man sich Freunde. Nur haben die Amerikaner - mit russischer Hilfe? - eine intellektuell beschränkten Tweeter zum Präsidenten, der gerade das ganze Anti-Europa-Programm abspielt, von Stahl bis Auto, als wolle er seine deutschen Vorfahren dafür bestrafen, dass er keinen längeren US-Stammbaum hat.

Also muss Europa sich selbst helfen. Langsam setzt sich die Einsicht durch, dass China nicht alles kaufen sollte und dass es zu einem größeren Problem als Flüchtlinge werden könnte. Sogar von einem Gesetz ist in Brüssel die Rede. Luxemburg ist durchaus von dieser Diskussion betroffen, dient das Land doch als Tiefsteuer-Abwicklungsplattform für in Europa gekaufte Unternehmen. Da könnte sich ein Lux-Chinaleaks anbahnen. Allerdings ist das gar nichts im Vergleich mit der Bedrohung durch China, das durch seine Größe, mehr noch aber durch seine Pläne besorgt. Davor sollte keiner mehr die Augen verschließen.