LUXEMBURG
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Drei Tage, volles Programm: Staatsbesuch nach Japan

Erstmals wieder nach 1999 findet kommende Woche ein luxemburgischer Staatsbesuch in Japan statt. Im April vor 18 Jahren wurde zuletzt Großherzog Jean und Großherzogin Joséphine-Charlotte die Ehre zuteil, von Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko im Akasaka-Palast empfangen zu werden. Kommende Woche werden Großherzog Henri und Prinzessin Alexandra die Gäste des japanischen Kaiserpaars sein. Der Staatsbesuch dauert von Montag bis Mittwoch. Begleitet werden sie und die offizielle Delegation von einer großen Wirtschaftsdelegation mit Vertretern aus einer Vielzahl von Unternehmen aus den Bereichen Logistik, ICT, Finanzen, Tourismus oder auch Weltraum.

Japan

STECKBRIEF

Der Inselstaat dehnt sich auf 377.835 km² aus. Mit den südlichen Kurilen-Inseln wären es 382.871 km2. Diese Eilande gehören seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu Russland, werden aber von Japan beansprucht. Die Hauptinseln sind Hokkaido im Norden, die zentrale und größte Insel Honshu sowie daran nach Süden anschließend die Inseln Shikoku und Kyushu. Dazu kommen nicht weniger als 6.848 kleinere Inseln.
Japan liegt auf einer geologischen Bruchzone, wo vier tektonische Platten aneinanderstoßen. Ihre Bewegungen lösen immer wieder Erdbeben und Tsunamis aus.
Die Bevölkerungszahl beläuft sich auf knapp 127 Millionen, sie ist seit einigen Jahren rückläufig. Die meisten Einwohner sind Anhänger des Shintoismus und Buddhismus.
Die größten Städte sind Tokio mit knapp zehn Millionen Einwohnern, Yokohama mit knapp vier und Osaka mit knapp drei.
Rein rechtlich gesehen hat der Kaiser von Japan seit der Verfassung von 1946 keine politische Entscheidungsgewalt. Er wird allerdings als Staatsoberhaupt angesehen. Die kaiserliche Familie gilt als älteste Dynastie der Welt, deren Wurzeln bis in 6. Jahrhundert v. Chr, zurückreichen sollen. Seit dem Tod seines Vaters Hirohito 1989 sitzt Akihito auf dem kaiserlichen Thron.
Der Inselstaat, der sich lange vor ausländischen Einflüssen abschottete, öffnete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Meiji-Ära) nach und nach und gab sich erstmals eine Verfassung und ein Parlament. Er wurde zur konstitutionellen Monarchie. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb Japan eine Expansionspolitik, die mit der bedingungslosen Kapitulation des Allierten der Achsenmächte am 8. August 1945 zu Ende ging.
Die Staatsgewalt inne hat allein das Parlament, das in Ober- und Unterhaus eingeteilt ist mit respektive 242 und 475 Abgeordneten. Sie werden direkt gewählt und wählen auch den Premierminister, der seit 2012 Shinzo Abe heißt. Er regiert in einer Koalition aus Liberaldemokraten (LDP) und der konservativeren Komeito (NKP). Die Unterhauswahlen im Oktober hatte Abes Koalition klar gewonnen.  LJ

Für den CEO von „Luxembourg for Finance“ (LFF) besteht kein Zweifel daran, dass Japan „ein wichtiger Markt für den Luxemburger Finanzplatz ist“. Wie Nicolas Mackel von der Agentur zur Förderung des Finanzplatzes Luxemburg dem „Journal“ gegenüber ausführte, sind sechs japanische Banken in Luxemburg angesiedelt. Fünf davon seien „sehr aktiv im Fonds-Geschäft“, während es sich bei der sechsten Bank, Rakuten, um einen E-Commerce-Operator mit Banklizenz handele. Rakuten könne daher verschiedene Bankgeschäfte anbieten, zum Beispiel die Vergabe von Darlehen an Kunden. „Hinzu kommt die gute Nachricht, dass drei japanische Versicherer angekündigt haben im Kontext des Brexit, Luxemburg als ihre zukünftige EU-Plattform ausgewählt zu haben“, führt Mackel aus. Drittes Argument: Unter den ausländischen Fonds in Japan, die insgesamt einen eher kleinen Anteil haben, „haben luxemburgische Fonds bei weitem den größten Marktanteil.“ Für Finanzminister Pierre Gramegna folgen die japanischen Versicherer hier einem breiteren Trend anderer internationaler Versicherungsgruppen, die sich entschieden haben, ein Standbein in Luxemburg auf- oder auszubauen, um von hier aus den europäischen Markt zu bedienen. Für den liberalen Minister „ist dies der beste Beweis dafür, dass dank der konsequenten Politik der letzten Jahre Luxemburg international einen guten Ruf genießt und gerade auch für Versicherungsunternehmen ein kompetitives und attraktives Umfeld bietet“. Auf die Frage hin, mit welchen Erwartungen „Luxembourg for Finance“ jetzt mitreise und ob möglicherweise noch andere japanische Akteure nach Luxemburg kommen könnten, erklärt Mackel: „Die meisten japanischen Banken haben ihre Entscheidungen im Kontext des Brexit getroffen.“ Bei den Versicherern habe das etwas länger gedauert. Zudem finde der Großteil der Aktivitäten in London im Trading-Geschäft statt, für das Frankfurt eher attraktiv sei. Mit konkreten Erwartungen in diesem Sinne geht „Luxembourg for Finance“ also nicht nach Japan. Der Vororttermin wird indes auch eine Gelegenheit zur Kontaktpflege mit im Großherzogtum vertretenen Akteuren sein - aber auch mit den Versicherern, die nach Luxemburg kommen wollen.

„MoU“ im Fintech-Bereich
Vor Ort wird das Finanzministerium im Rahmen eines Seminars vor allem den Aspekt nachhaltige Finanzen in den Mittelpunkt stellen. „Unser Finanzplatz ist in dem Bereich weltweit führend“, sagt Gramegna. Dem stimmt der LFF-Chef zu. In Japan entstehe zunehmend ein Interesse an „sustainable finance“. Zudem soll mit der Unterschrift eines „Memorandum of Understanding“ die Zusammenarbeit zwischen dem „Luxembourg House of Financial Technology“ und japanischen Fintech-Akteuren weiter gestärkt werden, wie es aus dem Finanzministerium heißt.