CORDELIA CHATON

Sehr häufig sagt ein Gesprächspartner im Interview: „Ja, als ich jung war, wollte ich auch mal Journalist werden!“ Dann sind sie etwas anderes geworden: Rechtsanwältin, Unternehmensberater, Wirtschaftsprüferin oder Banker. So gesehen habe ich also einen Traumberuf. Leser gibt es auch noch. Solche wie ein in Luxemburg bekannter Unternehmer und Vielfach-Verwaltungsrat, der jeden Tag mindestens eine Stunde lang verschiedene Zeitungen liest, sind jedoch rar. Weitaus häufiger ist die Gruppe der Schnellleser, Zapper und Noch-Abonnenten. Deren Kinder lesen übrigens gar keine Zeitung mehr. Sie suchen sich ihre Informationen aus Facebook und Internet, Twitter und Instagram zusammen. Das ist häufig zufällig und meistens stark emotional gefärbt.

Dabei gibt es ein sehr breites Angebot an Informationen. Gerade auch in Luxemburg, das bis jetzt seine sprachliche Vielfalt auch in den Medien erhalten hat. Das spielt mit Sicherheit eine Rolle, wenn Donald Trump hier weniger als 30 Prozent der Stimmen bekommen hätte.

Die USA sind im Hinblick auf Medien alles andere als ein Vorbild. Für ein Volk von 320 Millionen Einwohnern haben sie nicht mal ein Dutzend wirklich namhafter Zeitungen. Selbst angesehene Blätter wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“ aber kämpfen um ihre Leserschaft und ihr Überleben. Bislang haben sie den Stein des Weisen nicht gefunden. Derweil regiert das Fernsehen die öffentliche Meinung mit Bildern, die oft genug gefälscht sind. Hier sei nur an die unsäglichen „Foxnews“ erinnert, die bewusst Falschmeldungen über gefährliche Orte in Paris brachten - und sich anschließend nach zahlreichen Beschwerdemails aus Frankreich entschuldigen mussten. Wäre Trump in den USA möglich gewesen, wenn die Leute besser informiert gewesen wären? Umgekehrt: Wird ein solcher Populist hier seinen Weg in der nächsten Generation leichter finden, weil Fakten weniger gefragt sind als Meinung?

Es gibt noch einige Orte auf der Welt, an denen Zeitung Hoffnung ist. In Indien beispielsweise bringen Straßenkinder seit 2003 in Neu Delhi die Zeitschrift „Balaknama“ heraus. Auf acht Seiten reden sie über sich. Das hat einigen den Weg zurück in die Schule ermöglicht.

Derweil geht es in Europa um Daten, Datenschutz und Datennutzung. Google wird aus seinem Innovationsfonds für Medien in der zweiten Runde 24 Millionen Euro an 124 Projekte aus ganz Europa ausschütten, wie der Konzern gestern bekannt gab.

Damit reagiert Google auf Vorwürfe, er würde das Geschäft der Verlage aushöhlen. Bald sollen Label für Faktenchecks, Lokales oder Meinungsartikel folgen. Es ist ja schön, dass Google Geld verteilt. Aber das ist eben auch eine Auswahl nach Auflage, bei der Luxemburg leer ausgeht.

Die Vielfalt der Medien hier ist bedroht. Das wird Folgen haben für die Aufarbeitung und Verbreitung von Informationen, aber auch für die Politik, die sich schon jetzt zu Recht gegen Hassreden aus dem Netz wehrt. Als Obama in Berlin von einer „untergründigen gesellschaftlichen Spaltung“ sprach, hat er zwar die USA gemeint. „Aber viele Gründe, die dazu führen, bedrohen auch die Demokratien in Europa“, stellte er fest.