LUXEMBURG
INGO ZWANK/SOPHIA SCHÜLKE
Vor 40 Jahren starb René Goscinny

Ausnahmekünstler

Er gab Asterix die Stimme - und wenn Obelix einen über den Durst getrunken hatte, ließ er ihn „Farpaitement“ statt „Parfaitement“, also „latürnich“ anstelle von „natürlich“ sagen. Er verlieh den Helden ihren Humor, auch Lucky Luke bekam von ihm seine scharfe Zunge. Die Rede ist von René Goscinny, einem der bedeutendsten Comic-Autoren unserer Zeit, der am 5. November 1977 starb und von seinem engen Freund und Weggefährten Albert Uderzo immer noch schmerzlich vermisst wird.
„Es war immer mein Wunsch, Goscinny zu würdigen, weil er es verdient. (…) Er fehlt uns, er fehlt mir, mein Leben als Künstler ist seit seinem Tod nicht mehr dasselbe. Diese Tragödie, mit der niemand gerechnet hatte, hat mich tief getroffen“, sagte Uderzo in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag. Uderzo führte zu Ehren seines Freundes die Asterix-Serie alleine fort. Der Erfolg gab ihm Recht. Mit den beiden aktuellen Asterix-Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad lebt Goscinny’s Vermächtnis weiter, wie der Erfolg des kürzlich erschienenen 37. Asterix Bandes „Asterix in Italien“ zeigt.
Anlässlich des 40. Todestages gibt es in Paris zwei Ausstellungen: Das Museum für Jüdische Kunst und Geschichte zeigt die erste Retrospektive für den Drehbuchautor und Schriftsteller René Goscinny.
„Le musée de la cinémathèque“ präsentiert eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem „René Goscinny Institute“, denn 40 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers sind Asterix, Lucky Luke, Dalton, Iznogoud und Little Nicholas zu eigenen Charakteren geworden.
Noch bis zum 4. März 2018 können Goscinny-Fans die beiden Ausstellungen in Paris besuchen.
www.tinyurl.com/Asterix-Expo

Er traf die Beatles, Laurel & Hardy oder auch Kirk Douglas: Am 29. Oktober 1959 begann die Karriere des kleinen Galliers Asterix in der Erstausgabe der Zeitschrift „Pilote“. Er trat recht klein, keinesfalls attraktiv auf, mit einer recht knubbeligen Nase und Helm - als typischer Anti-Held, aber doch getreues Abbild eines Galliers. Dazu „nörgelig, streitsüchtig, dickköpfig, aufbrausend, aber auch sympathisch, mutig, ehrlich, listig und mit dem Herz auf dem rechten Fleck“, so beschreibt René Goscinny, neben Albert Uderzo einer der beiden Väter von Asterix, den gallischen Charakter.
Mit dem weiteren Hinweis, dass jeder Asterix gerne zum Freund hätte, gehe der kleine Gallier aus den schwierigsten Situationen stets siegreich hervor und überliste alle seine Widersacher äußert trickreich. „Albert wollte Asterix zunächst nach traditioneller Vorstellung als heldenhaften Muskelmann zeichnen, mit aufgeblasenem Körper wie beispielsweise Belloy oder Umpah-Pah. Meine Idee war genau das Gegenteil: Ich wollte einen Antihelden, einen kleinen Kerl. Asterix sollte ein Knirps sein, so wahrnehmbar wie ein Satzzeichen. Es war mir wichtig, dass die Figur in sich drollig war“, erzählte einst Goscinny. Der Name Asterix (inspiriert von dem französischen Schriftzeichen „astérique“) leitet sich übrigens von dem griechischen Wort „aster“ für Stern und dem keltischen Wort „rix“ für König ab. Der Name wurde von Goscinny gewählt und beginnt auch deshalb mit dem Anfangsbuchstaben „A“, was „einen unleugbaren Vorteil in der alphabetischen Aufstellung in einem späteren Comic-Lexikon mit sich bringt“, so die Erklärung von René Goscinny.  Wir hatten jetzt die Möglichkeit, mit Asterix, dem kleinen Gallier, exklusiv ein kleines Interview über sein Leben, seine Abenteuer mit den Römern und gallischen Freunden zu führen.
Herr Asterix, wie ist die aktuelle Situation für Sie in Ihrem gallischen Dorf?
Die Lage ist unverändert: Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ... Ganz Gallien? Nein! Das von uns unbeugsamen Galliern bevölkerte Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten... Der lateinische Ausspruch „Redde Caesari quae sunt Casaris - Gib dem Cäsar, was des Cäsars ist“ gilt für uns immer noch nicht.
Erklären Sie uns doch bitte kurz, wo genau Ihr Dorf liegt!
Ja, weißt Du, keiner weiß so genau, wo es liegt - und so soll es auch bleiben - irgendwo an der Küste von Aremorica, ich glaube, bei Euch heißt das heute Bretagne.
Viele Charaktere sind uns natürlich aus Ihrem Dorf bekannt. Aber ein Abenteuer von Ihnen und Obelix wäre ohne Ihren kleinen Hund nicht denkbar…
Ja, bei unserem Abenteuer „Le tour de Gaule d’Astérix“ stoßen wir auf den Kleinen, unseren Idefix - vor einer Metzgerei in Lutetia, er ist seither immer dabei (Anmerkung: Lutetia ist der antike Name von Paris).
Uns alle würde etwas interessieren: Können Sie uns etwas über den Zaubertrank Ihres Stammes erzählen?
Wenn es den Zaubertrank und unseren Braumeister, den Druiden Miraculix, nicht gäbe, hätte Caesar die Macht über ganz Gallien! Doch nur der geniale, weise Miraculix kennt die geheime Zusammensetzung des Zaubertranks, der uns übermenschliche Kräfte verleiht. Es ist eine komplexe Mischung aus vielen Zutaten. Diese werden ab und an von unserem Druiden gerne mal etwas abgeändert, um das Kraftsüppchen schmackhafter zu machen: Misteln, die natürlich mit der goldenen Sichel abgeschnitten werden, um ihre magischen Eigenschaften zu erhalten, Hummer, Möhren, Zwiebeln, Salz, Feldblumen, vierblättriger Klee, einigermaßen frischer Fisch und ein Tropfen Steinöl, das auch durch Rübensaft ersetzt werden kann. Hört sich an, als ob der Zaubertrank nach Gemüsesuppe schmecken würde. Aber weit gefehlt: So nimmt der Zaubertrank schon mal die Geschmacksrichtung ähnlich einer Fischsuppe, eines Käseomelett, einer Orangenente oder von Nougat an. Das genaue Rezept bleibt geheim und Du müsstest dazu Miraculix fragen, nur er darf es weitergeben.
Verwegen für uns immer die verzweifelten Versuche Ihres Freundes Obelix, einen Schluck davon zu bekommen…
Wie alle Bewohner des gallischen Dorfes verdankt auch Obelix seine übermenschlichen Kräfte der Geheimmixtur von Druide Miraculix. Einziger Unterschied: Da er als Kind in den Kessel mit Zaubertrank gefallen ist, hält bei ihm die Wirkung dauernd an. Und nein, er bekommt nichts mehr…
In Ihren Abenteuern treffen Sie auch immer auf Persönlichkeiten, sagen wir aus unserer Neuzeit…
Ja, die Beatles, Laurel & Hardy, Jean Gabin, Sean Connery oder auch Kirk Douglas haben in den Abenteuern mitgewirkt. Sie alle und noch viele mehr haben uns in entsprechender Form als bekannte Sänger, römische Legionäre, römischer Statthalter, Druidenspion oder Rebell einen Besuch abgestattet.
Wie werden Ihre Abenteuer eigentlich ausgewählt?
Alles in allem haben ich und meine Gefährten viele Länder und Kulturen erkundet und große Abenteuer hier bestanden. Es ist eine gewisse Tradition, dass wir wechselweise mal rund um unser gallisches Dorf, mal in der Weite der antiken Welt aktiv sind. In unserem aktuellen Abenteuer sind wir ja in Italien unterwegs. Was bei uns zum guten Ton gehört, das ist das große Festbankett, mit dem unser Dorf stets den guten Ausgang unserer Abenteuer feiert.