CORDELIA CHATON

Jetzt sind sie raus, die neuen iPhones, und kosten teils mehr als tausend Dollar. Eine hohe Summe, wenn man überlegt, dass die meisten Nutzer damit nicht viel mehr machen werden als mit dem Vorgängermodell. Aber es hat etwas, ein neues Handy zu haben. Das wirkt noch schicker als eine neue Handtasche und ziemlich sicher moderner als ein nagelneuer Diesel.

Für Artikel wollen die meisten Leser nicht so gern zahlen. Warum auch, denken sie sich, wenn es doch woanders auch umsonst ist. Und schreiben kann schließlich jeder; das hat was von Hobby. Tatsache ist, dass Leute dafür ausgebildet werden, Nachrichten zu erkennen, zusammenzufassen, zu bewerten und lesbar zu machen. Ein Artikel ist eben nicht das Bonbon, das der Apotheker großzügig verschenkt. Es ist ein Produkt, hinter dem Arbeit steckt.

Einige Online-Leser argumentieren, dass sie ohnehin keine Zeitung wollen, weil sie höchstens zehn Prozent des Inhalts interessiert. Aber: Wer entscheidet über die Realität? Wer nur Infos der Bereiche „Kultur“ und „Musik“ will, der hätte 2010 den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull verpasst. Oder jene Nacht 2008, in der in Luxemburg wegen Glatteis nichts mehr ging. Das Leben ist eben eine Wundertüte, die sich nicht filtern lassen will.

Diejenigen, die heute am meisten Geld mit Artikeln aus Zeitungen verdienen, sind weder die Verleger noch die Journalisten, sondern Facebook, Google, Apple & Co.. Noch reicht das nationale Besteuerungsrecht nicht dafür aus, dass sie davon einen Teil abgeben. Zwar hat Spanien diese Woche erst eine Millionenstrafe gegen Facebook wegen Datenmissbrauchs verhängt und Google angekündigt, eine Milliarden-Strafe wegen Marktmacht nicht zahlen zu wollen. Aber da geht es um Macht und Missbrauch. Medien jedoch stellen alles selbst auf die entsprechenden Seiten.

Nach dem immer mehr Redaktionen schließen und Zeitungssterben ein ebenso geläufiger Begriff geworden ist wie Kükenschreddern, haben die Chefs der Internetkonzerne sich gefragt, woher denn die interessanten Inhalte kommen sollen. Immerhin hat Google daraufhin die „Google Digital News Initiative“ gestartet. Da kann sich dann beispielsweise eine Zeitung um ein Stipendium bewerben, mit dem sie eine Bezahlschranke einrichtet.

Das wird wohl nicht reichen und zu spät kommen. Die Zahl der Kanäle ist zu vielfältig: Push-Nachrichten auf Internet, News auf Facebook, Fotos auf Instagram, Schlagzeilen auf Whats-app und Vergängliches auf Snapchat, Palaver auf Youtube und Blogs. Soziale Medien - vor allem Facebook - fördern kurze, emotionale Boulevardtitel, die schnelle Hype, den Aufreger.

Die Folge: Eine andere Kommunikationskultur; es geht nicht mehr um Fakten und Hintergrund, sondern um Gefühl, Likes und Links. Die, die die Inhalte schaffen, haben nichts davon. So wird der Beruf immer unattraktiver. „Irgendwas mit Medien“ ist heute anziehender für den Nachwuchs als Journalismus. Die Leute zahlen für das Fernsehen, Zeitungen sind ihnen zu teuer. Das erzeugt eine ganz neue politische Kultur, macht Typen wie Trump hoffähig. Darum brauchen wir eine andere Finanzierung. Nicht, weil die Zeitung ein Luxus-Accessoire werden soll, sondern weil sie ein wichtiger Teil der Demokratie und des Alltags ist.