LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Sébastien Detti war lange Briefträger, bevor er Installateur wurde - und bester Lehrling des Landes

Sébastien Detti ist stolz. Am 7. Dezember ist er in der Handwerkskammer Luxemburg als bester Lehrling Luxemburgs ausgezeichnet worden. Der Franzose, der bei a+p kieffer als Installateur ausgebildet wurde, hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Denn zum einen ist er schon 42 Jahre alt. Und zum anderen war Installateur der Beruf, den er als junger Mann wirklich nicht ergreifen wollte.

Doch zwischen dem Ende der Schule und der Preisüberreichung liegt eine lange Zeit. Detti hat sich entwickelt - und seine Chance ergriffen.

„Nach dem Abitur bin ich Briefträger geworden. Ich hätte schon damals Installateur werden können. Aber das wollte ich nicht“, sagt der höfliche, zurückhaltende Mann. Dafür gab es einen Grund: Sein Vater war Installateur. Und der Sohn wollte nicht den gleichen Weg einschlagen. Die Jahre vergingen; Detti gründete eine Familie, kaufte ein Haus und wurde Vater. Eines Tages war ihm klar, dass er nicht ewig Postbote bleiben wollte.

„Ich habe unbezahlten Urlaub genommen und mich bei einer Zeitarbeitsfirma gemeldet. Die haben mich dann auf eine Baustelle von a+p kieffer geschickt“, erinnert er sich. Das Luxemburger Familienunternehmen mit Sitz in Gasperich wurde schon 1924 gegründet und bietet heute alle Aspekte der Gebäudetechnik an. Detti verdiente den luxemburgischen Mindestlohn und stellte sich so geschickt an, dass sein Baustellenleiter eines Tages Claude Schumacher anrief.

Der Ingenieur ist Abteilungsleiter für den Bereich Anlagenbau. „Mein Baustellenleiter sagte, Detti würde sich gut machen und er würde gern eine Lehre machen“, erinnert er sich. Allerdings zögerte Schumacher zunächst aufgrund negativer Erfahrungen. Schließlich stimmte er zu. „Ich wollte ihm eine Chance gegeben“, meint er.

Detti ergriff sie. „Ich hatte Glück, dass mein Arbeitgeber mich unterstützt hat und ich mit Fabrice Vagner einen großartigen Ausbilder hatte“, freut er sich. Mit 39 Jahren saß er dann zwei Tage pro Woche auf der Schulbank und arbeitete die drei anderen Tage auf der Baustelle. „Ich hatte ein Federmäppchen, genau wie mein elfjähriger Sohn und meine siebenjährige Tochter. Das war schon ein bisschen seltsam“, erinnert er sich. Weil er bereits ein Jahr in Luxemburg gearbeitet hatte, erhielt der Lehrling den Mindestlohn weiter. Drei Jahre lang strengte er sich an. „Ich hatte Glück, das Lycée technique du Centre auf Limpertsberg und die ganze Gruppe war großartig“, erzählt er mit leuchtenden Augen. „Außerdem bleibt man bei meinem Unternehmen immer beim gleichen Ausbilder.“

Dann erhielt er die Auszeichnung, für die neben den Noten auch das Benehmen wichtig ist. Bei der Preisverleihung Anfang Dezember war seine Familie dabei. Detti erhielt neben dem Diplom auch einen Geldbetrag vom Rotary Club Esch. Ein besonders stolzer Gratulant war sein Vater. „Er war sehr froh“, sagt Detti - und strahlt.

Der Installateur selbst will nun weiter lernen „Ich möchte gern meinen Meister machen, wenn das Unternehmen einverstanden ist“, verrät er. Sein Vorgesetzter Schumacher findet das super: „Da gibt es auch Fächer wie Pädagogik. Dann kann er bei uns Baustellenleiter werden. Da ist seine Erfahrung und sein Alter auch hilfreich. Und er ist glaubwürdig, weil er es von der Pike auf gelernt hat.“

Für Detti hat das Handwerk goldenen Boden. Er hat einen unbefristeten Vertrag, beste Aussichten und ein Herz voller Dank. „Ich bin wegen der Mittel und Möglichkeiten nach Luxemburg gekommen und hatte mit allem Glück: Mit dem Arbeitgeber, dem Ausbilder und der Schule. Die Lehre war sehr gut.“ Und der Lehrling ausgezeichnet.