ETTELBRÜCK
DANIEL OLY

Neue Einrichtungen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung offiziell eröffnet

Fast zwanzig Jahre hat es gedauert, aber seit gestern ist es soweit: Die Einrichtungen des „De Park“-Projektes in Ettelbrück, die die Leistungen des direkt gegenüber liegenden „Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique“ (CHNP) ergänzen sollen, sind endlich eingeweiht worden und sind demnach ab sofort bezugsfertig. Deshalb feierten gestern auch Familienministerin Corinne Cahen und Gesundheitsministerin Lydia Mutsch, die das Projekt nach einer endgültigen Gründungsentscheidung 2016 jetzt quasi finalisiert sehen.

Die neue Infrastruktur hat ein eigentlich recht simples Ziel, das jedoch wichtiger kaum sein könnte: Es bietet Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit, auch außerhalb der Psychiatrie ihre passende Betreuung zu erhalten. „Das ist eine moderne Psychiatrie“, meinte so Dr. Michel Nathan, Präsident des Verwaltungsrats des CHNP. Jean Feith, Direktor für Empfang und Unterbringung beim CHNP, bracht es auf den Punkt: „Wir behandeln Menschen ganzheitlich und persönlich und bieten ihnen damit die Chance auf genau die Betreuung, die sie brauchen“, erklärte er gestern. „Wir passen uns den Menschen an, nicht umgekehrt.“

Paradigmenwechsel bei der Betreuung

Ein Blick auf das herzerwärmende Erklärvideo, das begleitend zur Eröffnungszeremonie präsentiert wurde, reicht vollkommen, um zu verstehen, dass es den Betreibern ernst ist. „Dieses Projekt ist extrem wichtig - nicht nur für uns, sondern auch für die Bewohner“, meinte Feith demnach.

Das Haus hat sich deshalb einem Paradigmenwechsel unterlegt, ist weg von einem psychiatrischen Pflegemodell und hin zu einem soziopädagogischen Versorgungsmodell, das jedem Bewohner mehr Freiheiten zur Selbstverwirklichung einräumt - das unterstrichen deshalb auch beide Ministerinnen. „Mit einer ganzheitlichen Betreuung, zugeschnitten auf den individuellen Menschen, erreichen wir mehr“, meinte Ministerin Mutsch etwa. Und auch die Familienministerin betonte, dass in den neuen Einrichtungen jeder „die Möglichkeit hat, sich selbst zu verwirklichen; wir bieten hier Perspektiven, Lebensaussichten, die Möglichkeit, an seinen Träumen zu arbeiten - kurzum, ein lebenswertes Leben zu führen.“ So werde es beispielsweise ein Bewohner zu den kommenden „Paralympics“ als Schwimmer schaffen - und damit seinen Traum verwirklichen.

Die Notwendigkeit einer neuen Einrichtung habe das CHNP schon 1999 dadurch feststellen müssen, dass vermehrt Menschen in die Psychiatrie verwiesen wurden, die aber im klassischen Sinn nicht in die Einrichtung passten. „Es fehlte an einer Zwischenstruktur für Menschen mit Beeinträchtigungen“, meinte Feith. „Die bieten wir damit jetzt endlich.“ Denn in den 1980er-Jahren habe die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Menschen mit Beeinträchtigung in der Psychiatrie mehr als 20 Jahre betragen.

„Wir haben diese Struktur dringend gebraucht“, meint deshalb Ministerin Mutsch. Nur durch eine komplette und kompetente Betreuung aller Menschen, die ansonsten wegen ihrer Verhaltensauffälligkeit in der Psychiatrie untergebracht werden müssten, könne diesen auch wirklich geholfen werden. „Es nützt niemandem, wenn wir kranke Menschen und Menschen mit Verhaltensauffälligkeit gleichstellen“, sagte sie. Stattdessen brauche es mehr Respekt, Aufmerksamkeit und Verständnis für alle Menschen. „Wir müssen uns die Mühe machen, weiter vorsichtig zu handeln und nicht vorschnell zu urteilen oder Menschen in feste Rollen zu zwängen“, meinte sie.

Die Arbeit sei aber nicht zu bewerkstelligen Gewesen, ohne die Politik als stärkende Kraft im Rücken zu wissen: „Wir haben gemerkt, dass diese Minister den Menschen in den Mittelpunkt der Arbeit stellen, Respekt für die Arbeit der Mitarbeiter haben und sich für das Schicksal anderer interessieren“, meinte Feith. „Wir hätten das Projekt nicht, wenn es Sie und Ihre Vorgänger nicht gäbe“, sagte er an die Familienministerin gerichtet. Die Dezentralisierung habe natürlich neuer Infrastrukturen und neuem Personal bedurft; entsprechend mussten insgesamt 26 Millionen Euro investiert werden. „Extrem gut investiertes Geld“, meinte Ministerin Cahen nur. Sie freue sich darauf, die Einrichtungen, sobald sie tatsächlich bezogen sind. Insgesamt hundert Plätze entstehen im „De Park“, in mehreren Gebäuden wie der „Villa Sonneblumm“. 82 Erwachsene und 18 Jugendliche kommen hier unter, haben Platz für sich selbst und ihr Privatleben, haben ihr eigenes Badezimmer und sind dennoch bestens integriert in die Betreuung. „Uns war auch wichtig, einen separaten Teil für Jugendliche zu schaffen“, sagte Cahen.