LUXEMBURG
LUC SPADA

KritikerInnen behaupten gerne, dass ich betrunken schreibe. Das stimmt nicht. Tatsächlich wollte ich über Schmerz, ähnlich wie letzte Woche, weiterschreiben, aber da ich gerade betrunken bin, dachte ich mir: Hey! Schreibe doch endlich mal betrunken. Eine betrunkene Kolumne. Dann sehen sie, SIE!!!, endlich mal, wie es ist, wenn ich betrunken schreibe.

Man rät davon ab, im betrunkenen Zustand Smartphones zu benutzen, um Ex-FreundInnen nicht mit geschmacklosen Angeboten nach Mitternacht zu belästigen. Da ich mich blendend mit meinen Ex-Freundinnen verstehe, bevorzuge ich nach Mitternacht eine betrunkene Kolumne zu schreiben und meine LeserInnen zu belästigen, aber nicht meine Ex-Freundinnen mit geschmacklosen Textnachrichten zu schikanieren. Äh. Dann lieber eine betrunkene Kolumne. Wie oft soll ich das noch schreiben? Betrunkene Kolumne. Klingt aber wirklich gut? Äh. Was kommt nach einer Frage? Ein? oder!? Ein! oder? Äh. Nicht, dass es noch eine geschmacklose betrunkene Kolumne wird. Und warum schreibe ich ständig Äh? Wahrscheinlich um euch allen mitzuteilen, dass ich wirklich betrunken bin.

Ich habe sehr schwarze Schokolade gegessen. Mit ganz wenig Zucker, super gesund, dafür umso mehr Kakao und vielen anderen gesunden Sachen. Dark chocolate ohne Milch. Wiederhole ich mich? Nein. Oder? Wenig Zucker? Sagte ich bereits. Oh! Aber nicht das mit der Milch? Jetzt wiederhole ich mich aber. Schmeckte gar nicht so schlecht, obwohl ich sie bei einem Discounter gekauft habe. Obwohl ich sie bei einem Discounter gekauft habe, schmeckte sie gar nicht so schlecht. STELLT EUCH DAS MAL VOR. Da steht sogar Fairtrade drauf, auf der Verpackung, sonst hätte ich sie natürlich niemals gekauft. Schließlich will ich nicht, dass KinderarbeiterInnen meine Schokolade, die ich esse, zusammengebaut haben. Arschloch, aber FAIR. Ja, das war meine frühere Italienischlehrerin auch. Teile dies in Deinem Newsfeed und Du bist ein guter Mensch.

Eigentlich müsste ich jetzt etwas ganz anderes machen. Und da mich das so dermaßen überforderte, habe ich erst beim Spätkauf eine Flasche Weißwein gekauft, sie viel zu schnell getrunken und kam schließlich auf die glorreiche Idee, betrunken eine Kolumne zu schreiben, damit alle und die KritikerInnen mal sehen, wie das so ist: Eine betrunkene Kolumne. Ich wiederhole mich. Ach KritikerInnen. Süß sind sie. Eigentlich wollten sie alle große Schreiberlinge werden. Und jetzt versauern sie so nebenbei in irgendeiner Kulturredaktion einer luxemburgischen Tageszeitung. Traurig, aber FAIR! (Nichts gegen echte KulturredakteurInnen!!!!)

Könnt Ihr hier schon einen speziellen Ton erkennen? Irgendwas mit Duktus, Metapher? Ist das betrunken genug? Ist das endlich das Image, das Ihr euch von mir wünscht. Hier bitte. Zwei Stunden später: Mir fällt auf, dass ich die Kolumne noch immer nicht beendet habe und reflexartig auf billigste Art und Weise über KritikerInnen herziehe. Acht Stunden später: Ganz lustig, meine betrunkene Kolumne. Habt Ihr auch gelacht?