LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwalt beantragt zwölf Monate Haft für uneinsichtigen Bettler

Am Donnerstag stand der aggressive Bettler Nicolae R. vor Gericht. Wegen Drohungen und Beleidigungen gegen Beamte war der Bettler im August 2016 verhaftet und angezeigt worden. Vierzig Tage saß er in Untersuchungshaft.

Ob er ein möglicher Hintermann einer aktiven osteuropäischen Bettler-Bande in Luxemburg ist, könnte möglich sein. Der Mann ist stadtbekannt. So bekannt, dass sein Rechtsanwalt sogar vor Gericht von ihm sagt: „La Police le voit tous les jours.“

Mit allerlei Tricks an Geld kommen

Er stammt aus Osteuropa und ist bekannt für die äußerst aggressive Art und Weise mit der er die Passanten anbettelt. Wenn ein Passant ihm nichts gibt, dann hält er ihn fest, wirkt offensiv, oft aggressiv und spuckt den Passanten an. Der aufdringliche Schnorrer bettelt um Münzen, versucht mit allerlei Tricks an Geld zu kommen. Zum Beispiel indem er sich als Taubstummer ausgibt. Er ist eigentlich obdachlos, kommt aber aus Longwy.

Am 5. März 2016 fährt der Bettler mit dem Zug auf der Linie 7 von Luxemburg nach Petingen. Er ist in Begleitung von drei Frauen. Vor Gericht gibt er zu Protokoll, dass er gerade noch den Zug erwischen konnte und keine Zeit mehr gehabt hätte, sich eine Fahrkarte zu besorgen. Doch anstatt bei der Kontrolle eine Zugkarte zu kaufen, hält er dem Schaffner seine Hand mit ein paar Cent hin. Diese Geste interpretiert der Schaffner als Kontrollverweigerung. Der Schaffner muss seine Personalien aufnehmen - und ein Strafgeld von 150 Euro kassieren. Doch der Zugbegleiter versteht nicht, mit wem er es zu tun hat, begreift aber, dass der Kunde nicht ganz einfach ist. Der ranzt ihn nämlich an und sagt: „Va voir autre part.“

Vor Gericht behauptet der Bettler, dass er der französischen Sprache nicht mächtig ist und dass seine Frau das Ticket bezahlen wollte. Sie hätte ihm sogar fünf Euro geben wollen, doch der Schaffner habe von ihm verlangt, dass er in Leudelingen aus dem Zug steigt. „Moi toujours gentil. Je vais te tuer et ta famille“, hätte er dem Schaffner dann gedroht.

Wiederholt ist der Schaffner dem ungebührlichen Verhalten des Bettlers am 16. März 2016 ausgesetzt. Er spuckt den Schaffner an. Beschimpft ihn als „Hurensohn“ und dabei soll der Name Hitler gefallen sein. Doch der Bettler bestreitet die Beschimpfung und beteuert, er hätte vorbeigespuckt.

Premier Bettel belästigt

Am 11. Juni 2016 spricht er zu dem gleichen Zweck in der Großgasse in der Oberstadt Premierminister Xavier Bettel massiv an. Versperrt ihm den Weg. Doch der Bettel begleitende Polizist stoppt den Mann. Als der Bettler sich aus dem Staube machen will, hält der Polizist ihn fest und verständigt seine Kollegen. „Moi, ma famille malade. Toi flic, tu me fais problème pour rien. Laisse venir les autres connards de flics. Je ne vais pas avec“, beschimpft er den Polizisten

Auf der „Place d’Armes“ bettelt er am 9. August 2016 im Minutentakt Passanten an, indem er eine taubstumme Behinderung simuliert und Flyer vorzeigt. Damit will er die angesprochenen Passanten zum Helfen anspornen. Als die Polizisten ihn in Gewahrsam nehmen, rastet er aus. Einem Polizisten droht er mit den Worten „Fais attention un jour à la gare“. In der Zelle schlägt er mit dem Kopf gegen die Wand. Vor Gericht berichtet er von gewalttätigen Übergriffen durch Polizisten auf seine Person.

In der Kathedrale gebettelt

Am 10. August 2016 bettelt er gegen 17.00 in der Kathedrale in Luxemburg. Er ist so nah am Altar, dass ein Kirchgänger ihn zur Rede stellt. Er hätte vier Kinder zu ernähren, sagt er, stellt sich vor den Mann und schubst ihn weg.

Vor Gericht beteuert der Bettler, der Mann habe ihm den Zugang zur Kathedrale verweigert. Das hätte ihn gestört. Den Mann soll er eingeschüchtert haben, um ihn davon abzuhalten die Polizei zu rufen. „Wenn Du die Polizei rufst, dann musst Du aufpassen.“

Für den Anklagevertreter ist der Bettler kein Opfer. Sein Verhalten widerspreche grundlegenden Prinzipien der geltenden Rechtsordnung. Wegen öffentlicher Ruhestörung beantragt der Anklagevertreter zwölf Monate Haft ohne Bewährung und eine Geldstrafe.

Das Urteil fällt am 30. November.