Da kann sich die LSAP-Parteispitze gegenüber der Öffentlichkeit noch so sehr bemühen, so zu tun, als komme ein Streit, wie er aktuell mal wieder parteiintern tobt, in den besten Familien vor, sei aber ansonsten nicht der Rede wert, wenn der Fisch - wie so oft - auch hier vom Kopf her stinkt. Die Parteihäuptlinge - in diesem Fall das Triumvirat um Präsident Alex Bodry, Fraktionschef Lucien Lux und Vizepremier Jean Asselborn - also nicht mehr wahrnehmen (wollen), was die Indianer im Alltagsleben überhaupt berührt und umtreibt, wobei ein Großteil dieser Indianer sowieso schon seit längerem nicht mehr wissen dürfte, warum es diesem komischen Stamm der Sozialistenmenschen immer noch angehört.

Das wird sich auch die langjährige Parlamentarierin Vera Spautz gedacht haben, die in dieser Hinsicht jetzt Nägel mit Köpfen machte und ihr Abgeordnetenmandat an den Nagel hängte - hauptsächlich wegen politischer Meinungsverschiedenheiten. Wäre sie konsequent, so hätte sie natürlich auch aus der Partei austreten müssen, aber das traute sich die Escher Sozialschöffin dann doch nicht. Dafür goss sie gestern aber zusätzliches Öl ins Feuer, als sie in einem Gespräch mit dem „Quotidien“ monierte, dass innerhalb der LSAP nicht diskutiert und alles von oben herab beschlossen werde. Die parteiinternen Arbeitsgruppen würden zur Diskussion nicht ausreichen, und die Parteikongresse seien so gestaltet, dass der Parteipräsident, der Fraktionschef und der Vizepremier stundenlang das Wortmonopol hätten, derweil die Parteidelegierten nur fünf Minuten das Wort bekämen. Den gleichen Vorwurf hatte zuvor auch schon der ebenfalls als gewerkschaftsnaher Parteirebell gefürchtete Dan Kersch (der von der Parteispitze zwar in den Staatsrat abgeschoben wurde, aber trotzdem nicht ruhiger geworden ist) geäußert: „Do ass een System hannendrunn, deen eis Partei futti mecht!“.

Was die Parteioberen besonders beunruhigen dürfte, ist indes die Spautz’sche Aussage, dass ihre Kritik an der aktuellen Richtung der LSAP und der mangelnden Dialogbereitschaft der Parteiführung von vielen Militanten in der Partei geteilt werde. Entsetzt zeigt sich Vera Spautz aber auch über die Ankündigung ihrer Partei, das Thema Wohnungsbau (wieder) zu einem der Kernthemen für den 2014er Wahlkampf zu machen. „Je me demande simplement: mais qu’est-ce qu’ils ont fait ces dix dernières années?“ Eine gute Frage.

Mit dem Rückzug von Vera Spautz aus dem Parlament ist der Gewerkschaftsflügel, resp. der linke Flügel der Partei, jedenfalls nun dort gar nicht mehr vertreten, auch wenn der Nachfolger von Vera Spautz, Roland Schreiner, eigentlich vom Landesverband kommt und vor einigen Wochen noch gegen die Pensionsreform von Sozialminister Di Bartolomeo protestierte. Spätestens beim demnächst anstehenden Votum muss Schneider dann wirklich Farbe bekennen.

Wenn die ehemals stolze Arbeiterpartei jedoch keinen einzigen Linken mehr in ihren vorderen Reihen zählt, dann hat sie auch keine Daseinsberechtigung mehr, tummeln sich in der Mitte doch auch jetzt schon genug Parteien, die mit der CSV ins Bett wollen.