LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das „House of Automobile“ wurde vor gut einem Jahr gegründet - Kurse für Mitarbeiter

Der Automobilbereich ist in Bewegung, neue Antriebsarten und Mobilitätskonzepte stellen Vertragshändler, Hersteller, Leasingunternehmen und Werkstätten vor Herausforderungen. Deshalb gründeten vier Verbände im September vor einem Jahr das „House of Automobile“. Im Branchenverband, der von Fegarlux, Adal, Mobiz und Febiac ins Leben gerufen wurde, sollen die luxemburgischen Akteure aus Autohandel und -werkstätten, Importeuren, Vermietung und Leasing bis hin zu Herstellern der Autoindustrie auf einer Diskussions- und Koordinationsplattform zusammengebracht werden. Die Verantwortlichen kommen gar nicht dazu, ihren Geburtstag zu feiern. Sie stecken mitten in den Vorbereitungen einer großen Weiterbildungskampagne und der Gründung eines Vereins. Ernest Pirsch, Koordinator des „House of Automobile“ erzählt, was es damit auf sich hat.

Herr Pirsch, seit über einem Jahr arbeiten Sie mit Lieferanten, Konkurrenten und anderen eng zusammen. Was ist im „House of Automobile“ bislang geschehen?

Ernest Pirsch Wir arbeiten seit Jahren in verschiedenen Bereichen zusammen und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Adal und die Fegarlux, die jetzt schon sehr viel kooperieren, dies in Zukunft noch mehr tun werden. Da gibt es schon Gespräche über einen Zusammenschluss. Wir stehen schon länger im Austausch mit den Leasingfirmen, weil es unter anderem um Steuerfragen geht, die sehr aktuell sind. Im „House of Automobile“ haben sich alle zusammengeschlossen, die den Automobilsektor repräsentieren. Wie vertreten 7.000 Mitarbeiter und stehen für 3,6 Milliarden Euro Umsatz. Wir decken den ganzen Sektor ab. Vor der Gründung dachten wir, es könne schwierig werden, insbesondere zwischen Händlern und Herstellern. Aber es lief überraschend gut. Nach zwei, drei Monaten standen schon jede Menge Arbeitsgruppen und unsere Charta. Jetzt läuft es so gut, dass wir einen gemeinnützigen Verein gründen wollen, eine ASBL.

Warum brauchen Sie jetzt eine „Association sans but lucratif“?

Pirsch Das ist eine formalisierte Plattform, die wir dringend für unsere Weiterbildungsinitiative brauchen, unter anderem, weil wir so auch Rechnungen ausstellen können. Darüber hinaus konnten wir so unsere Zusammenarbeit formalisieren und mehr machen als nur eine Charta. Wir planen Weiterbildung für die Mitarbeiter aller Mitglieder. Denn die Schule kommt nach all den Reformen und angesichts oder aktuellen Entwicklungen kaum nach. Egal ob Leasing, Wartung oder Konzession: In allen Bereichen gibt es ein enormes Defizit. Wir wollen uns um Themen wie Digitales, verschiedene Antriebsformen und ihre Vor- und Nachteile, autonomes Fahren und mehr konzentrieren. Dafür schaffen wir das Kompetenzzentrum. Die Ausbildung läuft über Dritte. Noch vor dem Autofestival, das am 27. Januar beginnt, wollen wir die ersten Schulungen beenden. Denn uns ist es wichtig, unsere Kunden gut zu beraten.

Was wollen die Kunden?

Pirsch Vor allem eine neutrale Beratung, denn sie sind verunsichert. Manche wagen nicht, sich einen Diesel zu kaufen, weil die Politik zum Sturm darauf geblasen hat. Er kann aber bei langen Strecken sehr sinnvoll sein und besser als ein Hybrid. Das hängt immer von der Situation des Kunden ab. Deshalb ist das Fachwissen so wichtig. Wir wollen nicht politisch agieren, sondern die Antriebssysteme gut erklären und gut beraten.

Man darf die Anstrengungen der Hersteller nicht unterschätzen. Was da in den letzten Jahren gelaufen ist, ist enorm. Aber auch neue Lösungen wie Wasserstoff-Motoren sind wichtig. Da ist viel in Bewegung, nicht alles ist bekannt.

Wie geht es mit dem „House of Automobile“ weiter?

Pirsch Im März kommenden Jahres reden wir über die Resultate und das Programm und stellen das öffentlich vor. Es passiert ja sehr viel. Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit dem Transport- und Wirtschaftsministerium, aber auch mit ILEA und vielen anderen. Neue Auflagen und geplante Labortests, übergreifende Fragen wie Image, eine veränderte Mentalität junger Käufer oder Steuern, Mobilität und E-Autos stehen an; da gehen uns die Themen nicht aus. Unser Aufsichtsrat trifft sich mindestens einmal im Monat und die Arbeitsgruppen treffen sich wöchentlich.

Was ist bei jungen Käufern heute anders?

Pirsch Für die ist das Auto wie ein Handy. Sie wollen nicht mehr das Image, sondern Mobilität. Deshalb suchen sie nach einem All-in-one-Vertrag, der auch die Nutzung von Leasing oder öffentlichen Verkehrsmitteln einschließt.