LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Govinda Van Maeles „Gutland“ im Wettbewerb des LuxFilmFest

Govinda Van Maele war als Jugendlicher bereits filmbegeistert. Zusammen mit unter anderem Bernard Michaux, Jeff Desom und Vicky Krieps drehte er Filme, die allenfalls sie selbst interessierten. Er wurde als Praktikant bei Pol Cruchtens Filmproduktionsfirma „Red Lion“ angestellt und lernte alle Facetten des Filmemachens. Unter professionellen Bedingungen drehte er die Kurzfilme „Josh“ (2007), „En Dag am Fräien“ (2012), der mit dem „Lëtzebuerger Filmpräis“ für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde, und „Géi du scho mol vir“ (2013) sowie den Dokumentarfilm „We Might As Well Fail“ (2010). Zusammen mit Jean-Louis Schuller und Gilles Chenial gründete er 2014 die Produktionsfirma „Les films fauves“, die seinen ersten Spielfilm „Gutland“ als deutsch-französische Koproduktion produzierte. Der Film war bereits in Saarbrücken im Wettbewerb und ist ebenfalls für den des achten „Luxembourg City Film Festival“ (LuxFilmFest) selektioniert.

Einer von uns

In einem kleinen Dorf sucht der Deutsche Jens (Frederick Lau) Arbeit. Jos (Marco Lorenzini) überzeugt den Bauern Arno (Leo Folschette), ihn anzustellen. Auf dem Hof wohnt er in einem Wohnwagen. Abends lernt er Lucy (Vicky Krieps) auf einer Tanzveranstaltung kennen und landet in ihrem Bett. Jens erweist sich als guter und verlässlicher Arbeiter. Jos nimmt ihn sogar mit in die Probe der lokalen Harmonie und bringt ihm das Trompetenspielen bei. Langsam bürgert sich Jens ein und wird akzeptiert, selbst als sich herausstellt, dass er polizeilich wegen eines Überfalls gesucht wird. Er hilft Lucy, ihr schäbiges Haus aufzupäppeln, entdeckt aber, dass der Besitzer Georges Ostermeyer verschwunden ist. Dieser hatte mit etlichen Frauen aus dem Dorf Affären und fotografierte seine Errungenschaften nackt.

Als Jens’ Komplizen Marcel (Pit Bukowski) und Nikkel (Gerdy Zint) auftauchen und ihren Anteil an der Beute verlangen, spitzt sich die Situation für ihn und auch Lucy zu. Wiederum sind es die Dorfbewohner, die ihm aus der Patsche helfen. Ist man einmal von der Dorfgemeinschaft akzeptiert, dann wacht diese über seine Schäfchen, sogar wenn jemand eine schlimme Schandtat verübt hat.

Eine unsichtbare Verwandlung

Es dauert einen Moment, ehe man Jens’ Situation als Räuber versteht. Unverständlich bleibt der Wandel, den er mitmacht. Er wird gegen seinen Willen zu einem Mann, den er eigentlich für abstoßend hält, was Indizien im Film zu verstehen geben. Hätte Jens das gleiche Schicksal ereilt, wie dieser Mann, wäre das nachvollziehbar gewesen. Komischerweise verändern sich die Aktfotos im Verlaufe der Geschichte und lassen Jens erkennen, wo sie aufgenommen wurden. So scheint es einen Moment so, als würden sie ihn auf die Spur eines Perversen bringen, der möglicherweise nicht nur Fotos gemacht hat. Doch nichts ist so, wie man es annehmen könnte. Am Ende hat sich Jens als dieser andere Mann eingebürgert; eine Situation, die nicht unbedingt logisch erscheint.

Absolut irreal und unverständlich ist die Szene, in der Lucys Eltern (Martine Kohn und Roger Origer) Jens akzeptieren und meinen, dass sie zuvor zu Unrecht etwas gegen eine Beziehung ihrer Tochter mit dem Mann hatten, der auch der Vater von Lucys Sohn Boris (Theo Lieser) ist. Genau so komisch wie der Wandel von Jens, sind auch die Sitten auf Arnos Hof. So wird sein jüngster Sohn Sammy (Sandro Pantanali), als er mit Boris Heuballen in Brand setzt, zur Strafe angekettet und in die Güllegrube eingelassen! Diese Strafmaßnahme könnte auch tödlich enden, jedenfalls für einen, der sich den Dorfregeln widersetzt.