LUXEMBURG
INGO ZWANK

MMA-Fighter Julien Gracco bestreitet am 7. April seinen nächsten Kampf in Luxemburg

Wenn er loslegt, kann schon mal Blut fließen: Ursprünglich stammt Julien Gracco aus Eischen, aber es zog ihn nach Belgien und Frankreich, um hier seiner Leidenschaft nachzugehen: „Mixed Martial Arts“, kurz MMA. Gracco hätte am Ende seines Studiums eine Karriere als Immobilienmakler beginnen können, doch er wählte den Weg des Leistungssports.

Im Alter von 14 Jahren nahm er an den Nationalmeisterschaften teil und sicherte sich auch seinen Platz in der Nationalmannschaft - aber in der Sportart Taekwondo. „Wobei ich sagen muss, dass ich Taekwondo gemacht habe, weil mein Vater es wollte, er hat mich hier zum Kampfsport gebracht.“ Doch dann packte ihn MMA, „ich habe es im Fernsehen gesehen und wollte ab 17 diesen Kampfsport ausüben.“

„Mixed Martial Arts“, was man mit „gemischte Kampfkünste“ übersetzen kann, ist eine Vollkontaktsportart, die eigentlich Anfang der 90er Jahre richtig populär geworden ist. Durch die Organisation „Ultimate Fighting Championship (UFC)“, den weltweit größten Veranstalter von Turnieren und deren Übertragung im Fernsehen. „Die Kämpfer bedienen sich sowohl der Schlag- und Tritttechniken des Boxens, des Kickboxens, des Taekwondo, Muay Thai und Karate, sogenanntes ‚Striking‘, als auch der unterschiedlichsten Bodenkampf- und Ringtechniken, ‚Grappling‘, des Brazilian Jiu-Jitsu, Ringens, Judo und Sambo“, wie Gracco erklärt. Dass auch im Bodenkampf geschlagen und zum Teil getreten werden darf, sei das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten - was unter anderem 2010 zu einem mehrjährigen Sendeverbot von MMA-Profikämpfen im deutschen Fernsehen führte.

KO nach 28 Sekunden

Der leidenschaftliche Kampfsportler trainierte in seiner Jugend Taekwondo, bis hin zum schwarzen Gürtel - und schwenkte dann auf „Mixed Martial Arts“ um. „Heute kommt mir Taekwondo im Kampf aber nur noch zu fünf Prozent zugute.“

Als sein Studium beendet war, legte er seine Bücher weg, um sich ganz dem Kampfsport zu widmen. Nach einem Jahr im Amateurlager beschloss er, die nächste Stufe zu erklimmen. Es kam zum ersten Kampf im Juli 2014 und dem ersten Sieg: Technischer KO nach 28 Sekunden!

Julien ist nun seit einigen Jahren Profi. Als aktuelles Mitglied von Team LSA („Lisse Sport Academies“) hat Gracco, der den Fighternamen „Crazy Wolf“ trägt, eine Bilanz von ansehnlichen neun Siegen in der Kategorie bis 66 Kilo (Federgewicht), doch „aktuell trainiere ich auf 63 Kilo und will dann auf 61 Kilo kommen.“

Zwei Rückschläge in der Erfolgsbilanz musste er hinnehmen - einen, der ihn auch heute noch aufregt: „Es war ein Kampf in Flandern, gegen einen Flamen ... mit flämischen Punktrichtern. Eine ungerechtfertigte Niederlage…“, erzählt er. Dieser Zwischenfall hatte aber keinerlei Auswirkungen auf den Ehrgeiz des 26-Jährigen.

Vom „bad boy“-Image in seinem Sport möchte Gracco nichts wissen: „Ich kämpfe, mein Gegner kämpft - das ist unser Beruf. Doch danach können wir durchaus zusammen essen gehen“, erzählt Gracco. Dass wirklich und ernsthaft gekämpft wird, kann man auch schmerzlich daran erkennen, dass Gracco bereits einen Nasenbein- und einen Beinbruch in seiner Krankenakte verbuchen musste. „Den Beinbruch, den ich erlitten habe, habe ich erst gar nicht gemerkt. Erst am Ende des Kampfes - den ich übrigens auch noch gewonnen habe. Doch danach hatte ich leider einige Monate eine notwendige Genesungsphase.“

„Crazy Wolf“

Seinen Sport möchte er noch gerne länger ausüben. Daher achtet Gracco schon darauf, möglichst nicht zu sehr verletzt zu werden. „Vor allem im Kopfbereich. Daher bevorzuge ich auch den Bodenkampf“, erzählt „Crazy Wolf“. Einen Namen, den er wegen seiner Verrücktheit im Training und auch im Privaten bekommen hat. „Und weil ich doch recht behaart bin“, sagt Gracco mit einem breiten Schmunzeln, „vielleicht aber auch wegen meines Hundes, der ist ein Wolfshund…“

Als Ziel für die Zukunft hat er sich sein eigenes „American Gym“ in Luxemburg gesetzt, „darauf möchte ich hinarbeiten“, sagt Gracco, der nach seiner aktiven Tätigkeit gerne in die Coach- und Trainersparte wechseln will. Wobei das eigene Gym nicht ganz einfach ist. Seine Prämien von den Kämpfen variierten bisher zwischen 500 und knapp 1.700 Euro. Bei einem Kampf alle drei Monate ist das eine recht magere Ausbeute. „Zum Glück habe ich einige Sponsoren, aber ich muss immer an meinem Jahresbudget feilen“, sagt der MMA-Fighter. Ein Budget, das gerne zwischen 25.000 und 40.000 Euro anzusiedeln ist, um Reisen, Unterkunft, Ausrüstung oder Registrierung für Turniere bezahlen zu können.

Sein nächster Kampf, den er für „Lisse Sport Academies“ bestreiten wird, steht am 7. April in Mondorf im Rahmen der „Red Lion Fighting Championships“ an, wo Gracco unter Luxemburger Fahne im Casino2000 antreten und einen der Hauptkämpfe bestreiten wird, gegen Carlos De Azevedo. Diese zweite Ausgabe eines absoluten MMA-Fightabends sei den luxemburgischen Athleten gewidmet, denen so die Chance gegeben wird, die MMA-Leiter vor heimischem Publikum weiter zu erklimmen. Nicht weniger als 15 Kämpfe werden mit professionellen und halbprofessionellen Kämpfern aus Frankreich, Belgien, Italien, Holland und Spanien angeboten; auch zwei Gürtel stehen auf dem Spiel. An diesem Abend werden auch drei Frauenkämpfe präsentiert.

Also heißt es am 7. April: Daumen drücken für „Crazy Wolf“!