LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwalt fordert einmal Freispruch und einmal zehn Jahre auf Bewährung

Seit Donnerstagmorgen stehen zwei junge Kapverdier wegen versuchten Mordes vor Gericht. Es ist frappierend, dass sich die mutmaßlichen Täter auf freiem Fuß befinden, das Opfer aber an Händen und Füßen gefesselt den Saal betritt.

Die mutmaßlichen Täter sollen Ende August 2014 in Esch/Alzette den heute 30-jährigen Omar T. mit einer Machete schwer verletzt haben. Nach Ansicht des Gerichts nahmen sie bei ihrer Tat sogar den Tod des Mannes in Kauf.

Viele Schnittwunden, erheblicher Blutverlust

Am frühen Morgen des 31. August 2014 gegen 3.30 schwingt Fabio B. (heute 21) eine Machete und schlägt damit auf das 30-jährige Opfer T. ein. Mit dabei: Rui B. (heute 23), Bruder von Fabio. Mehrere Hiebe treffen Kopf und Oberkörper von T..

Hintergrund der Tat sei eine verbale Auseinandersetzung in einem Lokal in der Kanalstraße in Esch/Alzette gewesen. T. behauptet, er hätte lediglich einem Dritten im Lokal aufgrund einer Beleidigung eine Ohrfeige verpasst. Laut Zeugenaussagen hätte T. jedoch eine Bierflasche gegriffen, den Boden abgeschlagen und die Flasche in den Raum geworfen.

Draußen vor dem Lokal hätte T. den jungen Fabio angegriffen. Dabei sei ihm beim Handgemenge die Machete aus der Hose auf den Boden gefallen. Fabio hätte die Machete aufgehoben und T. aus Rage und Panik damit angegriffen. T. wäre weggelaufen. Fabio hätte ihn verfolgt und mehrmals zugeschlagen. T. konnte schwer verletzt in die Klinik flüchten. Im Krankenhaus habe man dann die Polizei alarmiert

Die Polizei konnte die beiden Männer bei den Ermittlungen nicht sofort ausfindig machen. Beide mutmaßlichen Täter hatten sich nach Portugal abgesetzt. Am 8. September 2014 identifizierte das Opfer die zwei Männer auf Facebook.

Daraufhin nahmen die Ermittler die Mutter der mutmaßlichen Täter ins Visier. Die Frau wohnt in Kayl und wurde von der Polizei telefonisch überwacht. Die Tatverdächtigen haben sich dann 2015 der Polizei gestellt.

Das Opfer hatte Schnittwunden an den Extremitäten, an der Hüfte und am Rücken, er hätte fast einen Arm verloren, berichtete der Rechtsmediziner am Donnerstag vor Gericht. Die Schläge seien so heftig gewesen, dass eine Amputation des rechten Armes drohte. Der Rechtsmediziner attestierte dem Opfer „typische Abwehrverletzungen“. Nerven und Sehnen seien durchtrennt worden. T. hatte durch die Verletzungen viel Blut verloren. Es habe konkrete Lebensgefahr für den Geschädigten bestanden, so der Rechtsmediziner.

In der Nebenklage beantragt der Verteidiger von T., Pim Knaff, einen Schadenersatz von 240.000 Euro. Um den
Grad einer Behinderung festzustellen, werde ein ärztliches Gutachten erstellt.

Freispruch für Rui B. beantragt

In seinem Plädoyer fordert Philippe Stroesser einen Freispruch für den Bruder Rui B.. Für Fabio B. fordert die Verteidigung eine Verurteilung wegen Körperverletzung, nannte aber kein konkretes Strafmaß. Der Verteidiger schilderte, sein Mandant habe in Notwehr gehandelt.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Machete seinem Besitzer nicht zuzuordnen. Unklar sei auch, ob der Bruder von Fabio überhaupt involviert war. Aus Mangel an Beweisen beantragte Laurent Seck am Freitagmorgen einen Freispruch für Rui B.. In Bezug auf Fabio B. plädierte der Staatsanwalt auf versuchten Mord und vorsätzliche Körperverletzung und forderte zehn Jahre Haft. Da B. bereits acht Monate in U-Haft saß und auch eine günstige Sozialprognose vorliegt, soll die Freiheitsstrafe integral zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das Urteil wird am 17. Oktober verkündet.