LUXEMBURG
MARCO MENG

Freeport-CEO Arendt: Natural le Coultre-Chef die Chance geben, sich zu erklären

Wie die monegassische Staatsanwaltschaft gestern dem „Journal“ bestätigte, bleibt Yves Bouvier, der Chef des Luxembourg Freeport-Initiators Natural Le Coultre bis zu 48 Stunden weiter in Polizeigewahrsam. Bouvier wird vorgeworfen, den russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew beim Verkauf von Kunstwerken betrogen zu haben. Wie die Verteidiger des Beschuldigten gestern erklärten, bestreitet Bouvier den Vorwurf energisch.

In einer am späten Donnerstagabend verschickten Presseerklärung von Me Luc Brossollet, Paris, und Me Charles Lecuyer, Monaco, heißt es: „Sous couvert de trusts chypriotes ou de sociétés étrangères Monsieur Dimitri Rybolevlev se réclame à Monaco de la propriété de tableaux, propriété que pour les besoins de son divorce il conteste pourtant devant les juridictions genevoises. Il allègue à propos de leur vente, conclue en bonne et due forme, des manoeuvres imaginaires qui résultent de l‘évaluation unilatérale et hautement contestable qu’il en propose.“

Die teuerste Scheidung

Der russische Oligarch, der mit Kalibergbau reich geworden ist und 2014 die teuerste Scheidung hingelegt hatte, war von einem Gericht in Genf zur Zahlung von 3,3 Milliarden Euro an seine Ex-Frau verurteilt worden, darunter sollen auch Luxusimmobilien und eine Insel fallen. Wie die Moskauer Onlinezeitung Lenta.ru und andere Medien berichten, war Rybolowlew 1996 wegen Vergabe eines Auftragsmordes an einem Fabrikbesitzer festgenommen worden, konnte nach elf Monate aber das Gefängnis wieder verlassen, nachdem ein Belastungszeuge widerrufen hatte. Seitdem lebt Rybolowlew in Monaco und den USA.

Tetiana Bersheda, Anwältin Rybolowlews, erklärt, man habe „völliges Vertrauen in die Justiz Monacos“. Weiter möchte sich Bersheda aber nicht zu dem Fall äußern, da es ein laufendes Verfahren sei.

Sollte sich der Vorwurf gegen Bouvier erhärten oder sogar Betrug im Kunsthandel nachgewiesen werden, könnte das am Image der Freeports von Natural Le Coultre, darunter auch dem in Luxemburg, kratzen.

Noch scheint aber alles offen. David Arendt, Geschäftsführer des luxemburgischen Freeports, erklärt telefonisch aus Madrid, wo er sich derzeit auf einer Kunstmesse aufhält, dass das Geschäft am Freeport normal weiterläuft und man sogar gestern noch neue Kunden dazugewonnen habe.

Bouvier und auch seine Gesellschaft seien nicht in die Freeport-Tagesgeschäfte involviert. Arendt zeigt sich zuversichtlich, dass die Sache aufgeklärt wird und meint, man solle Bouvier die Chance geben, sich zu erklären, sobald er wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Das luxemburgische Künstlerkollektiv „Richtung22“ weist seinerseits darauf hin, dass das Freeport-Konzept mit seinen Steuervorteilen ohnehin so konzipiert sei, dass mit Spekulationen Wertsteigerungen von Kunstwerken generiert würden, und es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es beim Freeport zu einem Skandal kommen würde.

Das Künstlerkollektiv fühlt sich in seiner Kritik am Zollfreilager bestätigt und sagt, die Spekulation mit Kunst müsse aufhören. Bis Sonntag 10.00 wird ein Richter in Monaco entscheiden, ob ein Haftbefehl ausgestellt und der Chef von Natural Le Coultre bis zu einem Prozess in Haft bleibt, oder ob er freigelassen wird.