LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Acht Choreografen aus Luxemburg bei der internationalen Tanzmesse in Düsseldorf

Sie gilt als das größte internationale professionelle Branchentreffen, das sich ausschließlich dem zeitgenössischen Tanz widmet: Alle zwei Jahre findet in Düsseldorf die „internationale tanzmesse nrw“ statt. Die Veranstaltung bietet vom 29. August bis 1. September Künstlern aus über 50 Ländern Europas, Amerikas, Afrikas und Asiens die Gelegenheit, sich und ihre Arbeiten einem Fachpublikum vorzustellen und so künftige Kooperationspartner zu finden. Die Tanzmesse versteht sich demnach als Plattform für Vernetzung und Kontaktpflege. Neben einem Performance-Programm werden auch unterschiedliche Informations- und Diskussionsformate geboten.

Die kreative Szene Luxemburgs promoten

Zum wiederholten Mal beteiligen sich auch das „TROIS C-L - Centre de Création Chorégraphique Luxembourgeois“ sowie die „Theater Federatioun“ an der Veranstaltung, um die dynamische zeitgenössische Tanzszene Luxemburgs rund um das Label „Dance from Luxembourg“ in ihrer ganzen Vielfalt einem professionellen Publikum vorzustellen. Acht Choreografen wurden ausgewählt, um ihre Arbeit in Düsseldorf zu präsentieren: Catarina Barbosa & Baptiste Hilbert der Kompanie „AWA - As we are“, Anne-Mareike Hess, Simone Mousset, Jill Crovisier, Léa Tirabasso sowie Jennifer Gohier & Grégory Beaumont der „Compagnie Corps In Situ“.

AWA: „Die Botschaft im Stück ist das Wichtigste“

Anne-Mareike Hess: „Ich gebe Körpern eine Stimme“

Weit über die Grenzen Luxemburgs hinaus hat sich Anne-Mareike Hess als Choreografin bereits einen Namen gemacht. Seit rund zehn Jahren realisiert sie ihre eigenen Stücke. „Körper inspirieren mich, was Körper bewegt, wie sie von dem beeinflusst werden, was um sie herum passiert. Ich mag es, Leute zu beobachten und ihre Bedürfnisse, Gefühle, Emotionen und Sehnsüchte zu identifizieren“, erklärt sie in ihrem Videobeitrag. In ihren Stücken gibt sie den Körpern in gewisser Weise eine Stimme, lässt sie emotionale Zustände ausdrücken. „In den letzten Jahren habe ich mich stark für Emotionen interessiert, wie wir Emotionen mit unseren Körpern ausdrücken, wie Emotionen unseren Körper letztlich auch formen“, beschreibt die Choreografin, in deren Produktionen Sound und Beleuchtung außerdem eine wesentliche Rolle spielen. Es entstehen teils Bilder mit hypnotischer Wirkung.

Simone Mousset: „Ironie spielt bei mir eine große Rolle“

Die Komponenten Humor, Ironie, Selbstironie und Satire sind in der Arbeit von Simone Mousset äußerst präsent. Seit 2015 macht sie eigene Sachen. Erst im letzten Jahr wurde sie mit dem „Lëtzbuerger Danzpräis“ ausgezeichnet, dies für ihre Produktion „Bal“ über „Fake news“ und „Nation branding“. „Ich habe stets die Ambition, eine Spur beim Betrachter zu hinterlassen, deshalb versuche ich Themen von einem gewagteren Blickwinkel aus anzugehen und gewisse Dinge in Frage zu stellen, dies aber immer in Kombination mit einer gewissen Ironie und auch Selbstironie“, verdeutlicht Mousset. „Ich liebe es, das Publikum zu unterhalten, aber nicht nur. Ebenso will ich mit meiner Arbeit Fragen aufwerfen“, fügt sie hinzu.

Jill Crovisier: „Es gibt keine Interpretationsgrenzen“

Auch Jill Crovisier ist gerade dabei, sich als Choreografin einen Namen zu machen. Vor wenigen Monaten hat sie mit „Sieben“ ihre bislang größte Produktion und erste Kreation ihrer eigenen Kompanie „JC Movement Prduction“ vorgestellt. „Damit ist ein Traum wahrgeworden“, freut sie sich. „Mit Poesie, Bildern und wirklicher Kreativität versuche ich, eine Botschaft auf die Bühne zu bringen. Freiheit ist mir wichtig. In Bezug auf die Interpretation, die Tanzstile, die erzählerische Ebene oder die konzeptuelle Arbeit setze ich keine Grenzen“, bemerkt sie. Das Resultat sei meist eine sehr physische Arbeit, der es aber auch nicht an einer theatralischen Herangehensweise fehle, was eine langwierige Recherchephase voraussetze.

Léa Tirabasso: „Ein Stück ist stets eine emotionale Reise“

Léa Tirabasso machte 2017 mit ihrer Produktion „Toys“ auf sich aufmerksam und arbeitet gerade an ihrem zweiten großen Stück „The ephemeral life of an octopus“. „Ich liebe es, mit Charakteren oder Emotionszuständen zu arbeiten“, erzählt sie, „oft inspirieren mich philosophische Konzepte, oft ist es aber auch Popkultur, ein bestimmter Song beispielsweise, den jeder kennt und mit einer Erinnerung verbindet. Diese beiden Welten zusammenzubringen, ist meine Intention. Dabei interessiert mich auch die Dichotomie, etwa zwischen unschön und anmutig. Wo fangen Bewegungen an, schön oder hässlich zu sein? Was sagt das über uns als Menschen aus?“, beschreibt sie die Fragen, mit denen sie sich während der Kreationsphase beschäftigt. Ein Stück sei für sie immer eine emotionale Reise.

„Cie Corps In Situ“: „Mit dem Publikum kommunizieren, zählt“

Jennifer Gohier und Grégory Beaumont der Kompanie „Cie Corps In Situ“ choreografieren seit 2014 zusammen. „Ein bestimmtes Thema haben wir eigentlich nicht. Wichtig ist uns, mit dem Publikum zu kommunizieren und zusammen einen Moment zu teilen“, sagt Gohier. „Über den Tanz mit oder zu dem Publikum sprechen“, verdeutlicht Beaumont. Ihre Zuschauer binden die beiden gelegentlich sogar s in ihre Stücke ein, um noch mehr Nähe zu schaffen und sich besser mitzuteilen.

Zusätzliche Infos sowie das Programm der Tanzmesse unter www.danse.lu und www.tanzmesse.com