LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Mordversuch? Angeklagter soll versucht haben, Cousin anzuzünden

Seit gestern steht ein 25-jähriger Luxemburger wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg.

Nach einem Streit mit seinem Cousin soll Sven H. diesen in dessen Wagen angezündet und ihn seinen Qualen überlassen haben. Die Tat ereignete sich laut Staatsanwaltschaft am 23. September 2017 in Esch/Alzette. Die Brutalität sorgte für Entsetzen.

Dramatische Szenen spielten sich an diesem Samstag in Esch/Alzette ab: Nach einem heftigen Streit mit seinem Cousin steckte der vermutlich psychisch kranke Beifahrer H. (damals 26) das Auto von Dany F. (damals 28) mit einem Feuerzeug in Brand.

Ein Polizist skizzierte in der gestrigen Verhandlung den verhängnisvollen Verlauf der Geschehnisse. Gegen 18.00 wurden die Einsatzkräfte über das Drama in der Rue Burgoard in der Nähe der ehemaligen Eisenbahnbrücke in Esch/Alzette informiert. Zeugen hatten von einem brennenden Auto berichtet. Als die Einsatzkräfte ankamen, fand die Polizei den Fahrer neben seinem Fahrzeug.

Brandwunden zweiten Grades

Der Mann hatte Brandwunden an der rechten Hand erlitten. Laut medizinischen Gutachter Dr. Andreas Schuff drangen die Flammen nicht tief genug in die rechte Hand ein, um von einer lebensgefährlichen Verletzung zu sprechen. An der Innenfläche der Hand stellte der Experte eine Verbrennung zweiten Grades fest. Es kam zur Blasenbildung.

Der mutmaßliche Täter konnte kurze Zeit später in seiner Wohnung festgenommen werden. Bei seiner Festnahme schwieg der 26-Jährige.

Wie die psychiatrische Gutachterin Dr. Joëlle Haupert im Prozess sagte, soll der Angeklagte wegen seines Drogenkonsums eine schwere Zeit gehabt haben. Er habe über „dunkle Gedanken“ geklagt, zur Entspannung auch mal Alkohol getrunken und Horrorfilme im Fernsehen gesehen. Er hätte Stimmen gehört, die ihm gesagt hätten, er solle sich umbringen. Er leide unter einer Psychose, die wahrscheinlich durch den hohen Drogenkonsum entstand, sagte die Psychiaterin. Der Angeklagte sei schuldfähig. Von einer klaren Zurechnungsunfähigkeit könne nicht ausgegangen werden.

Das Opfer erzählte, dass er am Tattag den Cousin im Wagen mitgenommen habe. Im Auto hätte er dann eine Flasche in der Hand gehabt. Im Wagen zündete er mit einem Feuerzeug die Flasche an und schüttete den brennenden Inhalt vor sich in den Wagen. Dann sei er weggelaufen. Den Cousin nannte er einen „schäiss Alien“.

Verteidiger Eric Says erklärte, dass sein Mandant sich das Leben nehmen wollte. Says plädiert auf „fahrlässige Körperverletzung“ und beantragte eine Strafe auf Bewährung mit Auflagen - wie einer psychiatrischen Therapie.

Der Anklagevertreter ist der Meinung, dass der Angeklagte seinen Cousin umbringen wollte. Aufgrund mildernder Umstände plädierte er wegen Mordversuchs auf 15 Jahre Haft, die eventuell mit Auflagen verbunden werden können.

Das Urteil fällt am 29. November.